2.000 Jahre alte Botschaften: So machen Grazer Forscher Unsichtbares sichtbar
Verwitterte oder beschädigte Inschriften auf Römersteinen geben Forschern oft Rätsel auf. Ein Team aus Graz zeigt nun, wie sich antike Buchstaben mit erstaunlich einfachen Mitteln wieder sichtbar machen lassen.
Was vor rund 2.000 Jahren in Stein gemeißelt wurde, soll nicht für immer verloren gehen. Forschende der Universität Graz und der TU Graz haben eine kostengünstige Methode entwickelt, mit der sich verwitterte oder beschädigte Inschriften auf römischen Grabmälern und Weihealtären wieder sichtbar machen lassen. Dafür braucht es nicht zwingend teure Spezialgeräte. Die Forschenden arbeiten unter anderem mit einer UV-Lampe aus dem Baumarkt, einer Wildkamera und einem Smartphone. Derzeit wird die Methode an Römersteinen an mehreren Orten in der Steiermark getestet.
Rund 200 Römersteine im Joanneum
Im Depot des Universalmuseums Joanneum in Graz lagern rund 200 Römersteine. Bei vielen davon sind die Inschriften heute nur noch schwer oder überhaupt nicht mehr zu erkennen. Das liegt nicht ausschließlich an der natürlichen Verwitterung. Einige Steine wurden in späteren Jahrhunderten als Baumaterial verwendet – etwa als Türschwellen – und dadurch teilweise beschädigt. „Manche von ihnen wurden in späterer Zeit als Baumaterial verwendet, etwa als Türschwelle eingebaut, und dadurch teilweise zerstört“, erklärt Gregor Diez, Postdoc am Institut für Antike der Universität Graz.
UV-Licht bringt verborgene Details ans Licht
Gemeinsam mit einem Team um Jakob Woisetschläger von der TU Graz, der auf optische Messtechnik spezialisiert ist, sucht Diez nach Möglichkeiten, die verbliebenen Spuren sichtbar zu machen. Eine wichtige Rolle spielt dabei UV-Licht. Wird eine Inschrift mit einer UV-Lampe mit einer Wellenlänge von 365 Nanometern bestrahlt, können Details sichtbar werden, die mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen sind. Dabei können sich etwa Farbreste oder Schmutz in den Vertiefungen der einst gemeißelten Buchstaben abzeichnen. Auch Infrarotlicht kann zusätzliche Informationen liefern.
Wildkamera wird zum Forschungsgerät
Für Infrarotaufnahmen greifen die Forschenden auf eine ungewöhnliche, aber günstige Lösung zurück: eine Wildkamera. „Ist der Stein nicht dicker als drei bis vier Zentimeter, liefert ein Infrarot-Durchlicht-Foto – also eine Aufnahme von hinten – oft weitere aufschlussreiche Informationen“, erklärt Diez. Auf diese Weise konnten bereits zahlreiche Inschriften zumindest teilweise rekonstruiert werden.
Wenn selbst die Oberfläche nichts mehr verrät
Ist die Oberfläche eines Steins besonders stark abgetragen oder beschädigt, kommt noch eine weitere Methode infrage. In solchen Fällen setzen die Forschenden auf Wärmebildaufnahmen. Dafür wurden Steine auf rund 60 Grad Celsius erhitzt. Während des anschließenden Abkühlens entstehen auf Wärmebildern teilweise unterschiedliche Strukturen. Diese sogenannten Störungen können unter Umständen Hinweise auf Buchstaben liefern, die mit anderen Methoden nicht mehr erkennbar sind. „Wir haben Steine auf 60 Grad Celsius erhitzt. Aufnahmen beim Abkühlen offenbaren Störungen, die manchmal Rückschlüsse auf nicht mehr lesbare Buchstaben zulassen“, schildert Diez.
Forschende auch in Hartberg und Murau unterwegs
Die historischen Zeugnisse befinden sich längst nicht alle in Museumssammlungen. Römersteine wurden im Laufe der Jahrhunderte auch in Kirchen oder anderen Gebäuden verbaut. Deshalb ist das Forschungsteam derzeit auch im Raum Hartberg und im Bezirk Murau unterwegs. Dort werden Inschriften direkt vor Ort untersucht.
Methode soll anderen Forschern helfen
Das vom Land Steiermark im Rahmen des Programms UFO – Unkonventionelle Forschung geförderte Projekt soll nicht nur einzelne Römersteine in der Steiermark retten. Die Forschenden wollen ihre Methode auch anderen Historikerinnen und Historikern zugänglich machen. Gerade dort, wo teure Forschungsgeräte nicht vorhanden sind, könnten die einfachen technischen Hilfsmittel eine Möglichkeit bieten, bislang unlesbare Inschriften zu untersuchen. Dafür haben die Wissenschaftler eine detaillierte Anleitung erstellt. Die wissenschaftliche Publikation zur Methode ist inzwischen im Fachjournal Heritage Science erschienen.