Fast alle weg: Von zwölf Parkstühlen im Grazer Augarten ist nur einer übrig
Sie sollten ein Stück Pariser Parkgefühl nach Graz bringen. Doch von zwölf mobilen Stühlen, die im Augarten aufgestellt wurden, ist mittlerweile nur noch einer da. Auch Schaukeln und Pflanzen verschwinden aus Grazer Parks.
Die Idee klang unkompliziert: einen Stuhl nehmen, den persönlichen Lieblingsplatz suchen und den Grazer Augarten genau dort genießen, wo es gerade am schönsten ist. 17 bewegliche Parkstühle hatte die Stadt dafür angeschafft. 5 Minuten berichtete bereits über das Pilotprojekt, das sich an den bekannten mobilen Stühlen in Pariser Parks orientiert: Wie in Paris: Graz bekommt jetzt bewegliche Parkstühle im Augarten. Fünf der Grazer Stühle waren zuletzt noch eingelagert, zwölf tatsächlich im Augarten aufgestellt. Nun fällt die Bilanz ernüchternd aus: Von diesen zwölf Stühlen ist nur noch ein einziger übrig.
Elf Stühle sind nicht mehr da
Für Vizebürgermeisterin Judith Schwentner ist das ärgerlich. Das gesamte Konzept wegen des Verhaltens Einzelner wieder aufzugeben, kommt für sie dennoch nicht infrage. „Natürlich ist es ärgerlich, wenn von zwölf aufgestellten Stühlen am Ende nur einer übrig bleibt. Aber ich möchte unsere Stadt nicht danach gestalten, was einige wenige vielleicht mitnehmen oder kaputt machen“, sagt Schwentner. Sie verweist darauf, dass die überwiegende Mehrheit sorgsam mit öffentlichen Einrichtungen umgehe. „Die allermeisten Menschen gehen sorgsam mit unseren Parks und Spielplätzen um und denen sollten wir auch weiterhin etwas zutrauen.“
Sogar eine Korbschaukel wurde abmontiert
Die verschwundenen Augarten-Stühle sind offenbar nur ein Teil des Problems. In Grazer Parks und auf Spielplätzen kommt es immer wieder zu Diebstählen und mutwilligen Beschädigungen. Dabei geht es längst nicht nur um Gegenstände, die einfach eingesteckt werden können. Erst vor Kurzem wurde laut Stadt eine Korbschaukel abmontiert und gestohlen. Dafür dürfte Werkzeug notwendig gewesen sein. Auch Hängematten sind bereits verschwunden. Tische und Bänke werden beschädigt oder beschmiert. Selbst vor Pflanzen machen manche nicht Halt: Frisch gesetzte Exemplare wurden an unterschiedlichen Standorten aus der Erde gerissen oder ausgegraben und mitgenommen.
„Am Ende fehlt es den Kindern und Familien“
Gerade solche Fälle sorgen bei Schwentner für Unverständnis. „Wer mit Werkzeug eine Schaukel abmontiert oder frisch gesetzte Pflanzen ausgräbt, nimmt ganz bewusst etwas mit, das für alle gedacht ist“, sagt die Vizebürgermeisterin. Und sie erinnert daran, wer am Ende tatsächlich darunter leidet: „Am Ende fehlt es nicht irgendeiner anonymen Stadtverwaltung, sondern den Kindern, Familien und allen anderen Menschen, die diese Orte nutzen.“ Genau darin steckt auch ein einfacher Appell an alle, die Parks und Spielplätze nutzen: Was dort steht, gehört letztlich allen.
Graz prüft Konsequenzen
Die Stadt will es nicht bei einem Appell belassen. Gemeinsam mit den zuständigen Abteilungen soll nun untersucht werden, wie Ausstattung und Spielgeräte besser vor Diebstahl und Vandalismus geschützt werden können. Bei Gegenständen, die besonders gefährdet sind oder wiederholt beschädigt werden, stehen robustere Befestigungen und vandalismusresistentere Lösungen im Raum. Auch für die mobilen Augarten-Stühle werden neue Möglichkeiten geprüft. Denkbar seien bessere Sicherungen oder technische Lösungen zur Ortung. Eine Herausforderung bleibt dabei: Die Stühle sollen weiterhin beweglich sein. Schließlich war genau das der Sinn des Projekts, Besucher sollten selbst entscheiden können, ob sie lieber am Wasser, unter einem Baum oder in der Sonne sitzen.
Schwentner will Projekt nicht aufgeben
Trotz der verschwundenen Stühle hält Schwentner nichts davon, innovative Angebote künftig aus Angst vor Diebstahl gar nicht mehr umzusetzen. „Natürlich müssen wir aus solchen Erfahrungen lernen. Wo wir Dinge besser befestigen oder robuster gestalten können, werden wir das tun“, sagt sie. Die Konsequenz dürfe aber nicht sein, „dass wir wegen einiger weniger schöne Gemeinschaftsprojekte und innovative Ideen gar nicht erst probieren“. Für die Vizebürgermeisterin geht es damit um eine grundsätzlichere Frage: Wie stark soll das Fehlverhalten Einzelner bestimmen, was allen anderen im öffentlichen Raum zur Verfügung gestellt wird? Ihre Antwort fällt eindeutig aus: „Wir sollten unsere Stadt nicht nach dem schlechtesten Verhalten einiger weniger gestalten. Parks und Spielplätze sollen offen, einladend und gut nutzbar sein.“
Sicherheitsgefühl in Graz sogar gestiegen
Gleichzeitig warnt Schwentner davor, die Fälle als Zeichen dafür zu sehen, dass Graz generell unsicherer werde. Die Stadt verweist auf die Grazer Lebensqualitätsbefragung 2025. Demnach gaben 71,7 Prozent der Befragten an, mit der Sicherheit in ihrer Nachbarschaft zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Im Jahr 2018 waren es 68,2 Prozent. „Vandalismus hat es leider immer gegeben, und jeden einzelnen Fall müssen wir ernst nehmen. Aber wir reden hier über Einzelfälle, nicht über eine unsichere Stadt“, sagt Schwentner. Die verschwundenen Stühle sollen deshalb nicht das Ende des Experiments bedeuten. Vielmehr will Graz nachbessern und zugleich an die Verantwortung jener erinnern, für die Parks, Spielplätze, Bänke, Pflanzen und eben auch die mobilen Stühle gedacht sind: für alle.