Flughafen Graz verliert Verbindungen: Ruf nach weniger Flugabgabe wird lauter
Während Ljubljana ab Sommer 2027 direkt mit Newark verbunden wird, verliert der Flughafen Graz Flugangebote. Der steirische Wirtschaftsbund fordert deshalb eine Senkung der österreichischen Flugabgabe.
Am Flughafen Graz hat sich zuletzt einiges verändert: Die Passagierzahlen waren rückläufig, Eurowings zog das in Graz stationierte Flugzeug ab. Mit Ende Oktober wird außerdem die Verbindung zwischen Graz und Wien eingestellt. Gleichzeitig fordert der steirische Wirtschaftsbund eine Senkung der Flugabgabe. Unterstützt wird damit eine entsprechende Forderung von Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP). Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) solle rasch handeln, heißt es vom Wirtschaftsbund.
Ljubljana wächst
Der Blick über die Grenze zeigt eine andere Entwicklung. Bratislava verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 laut Wirtschaftsbund einen Passagierzuwachs von 123 Prozent, Ljubljana legte um 15 Prozent zu. Dazu kommt ab Sommer 2027 eine neue Verbindung: United Airlines fliegt dann viermal pro Woche zwischen Ljubljana und Newark. Damit gibt es erstmals seit 36 Jahren wieder eine direkte Flugverbindung auf dieser Strecke. Geflogen wird montags, mittwochs, freitags und sonntags mit einer Boeing 767-400ER.
Abgabe im Fokus
Für Abflüge aus Österreich beträgt die Flugabgabe derzeit grundsätzlich 12 Euro pro Passagier, bei Strecken unter 350 Kilometern sind es 30 Euro. Der Wirtschaftsbund sieht darin einen Nachteil für österreichische Flughäfen. Josef Herk, Obmann des steirischen Wirtschaftsbundes, sagt dazu: „180 Millionen Euro Einnahmen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, was Österreich und die Steiermark dadurch an anderer Stelle verlieren. Österreich zählt zu den wenigen EU-Staaten, die eine Flugabgabe einheben. 19 EU-Mitgliedstaaten, darunter unsere Nachbarländer Slowenien, Slowakei und Ungarn, verzichten darauf. Der Finanzminister hat einen wesentlichen Hebel selbst in der Hand: Die Flugabgabe muss runter“. Für einen Regionalflughafen wie Graz falle die Belastung besonders ins Gewicht, argumentiert der Wirtschaftsbund.
Bedeutung für Graz
Für Herk geht es dabei nicht nur um Urlaubsreisen. Er verweist auf Exporte, Forschung und international tätige Unternehmen in der Steiermark. Schnelle Verbindungen zu Kunden, Märkten und Partnern seien für den Wirtschaftsstandort wichtig. „Die Steiermark lebt vom Export, von Forschung und international tätigen Unternehmen. Dafür brauchen wir schnelle Verbindungen zu Kunden, Märkten und Partnern. Wenn wir beim Flughafen Graz an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, verliert der gesamte Wirtschaftsstandort. Deshalb unterstützen wir Manuela Khom klar: Die Die Flugabgabe muss sinken“, so Herk.
„Entscheidend ist, dass wir die internationale Erreichbarkeit insgesamt stärken“
Zusätzlich bringt der Wirtschaftsbund die Koralmbahn ins Spiel. Eine direkte Anbindung des Flughafens Graz an das hochrangige Bahnnetz könnte dessen Einzugsbereich vergrößern. Bahn und Flugverkehr sollen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. „Für die Steiermark geht es nicht um einen Gegensatz zwischen Bahn und Flugzeug. Entscheidend ist, dass wir die internationale Erreichbarkeit unseres Wirtschaftsstandortes insgesamt stärken. Dafür müssen wir alle Verkehrsträger zusammendenken und unsere Infrastruktur bestmöglich miteinander verbinden“, betont Herk.