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Univ.-Prof. Holger Till, Vorstand der Univ.-Klinik f. Kinder- und Jugendchirurgie und Chirurgin Agnes Bokros mit der Familie Strigl
Univ.-Prof. Holger Till, Vorstand der Univ.-Klinik f. Kinder- und Jugendchirurgie und Chirurgin Agnes Bokros mit der Familie Strigl.

Horror-Unfall beim MotoGP: Schirm bohrte sich acht Zentimeter tief in Bauch von 9-Jähriger

Ein ungewöhnlicher Unfall beim MotoGP in Spielberg endete für eine neunjährige Tirolerin im Krankenhaus. Eine abgebrochene Schirmstange drang tief in ihren Bauch ein und verletzte Leber und Gallenblase.

von Anja Mandler
3 Minuten Lesezeit(712 Wörter)
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WBeim Zusammenklappen eines Regenschirms brach plötzlich der Griff ab. Die innere Metallstange bohrte sich in den Oberbauch des Mädchens – rund acht Zentimeter tief, wie sich später im Uniklinikum Graz herausstellte. Besonders tückisch: Von außen war lediglich eine kleine Wunde zu erkennen. Im Körperinneren hatte die Stange jedoch die Leber durchstoßen und die Gallenblase verletzt.

Regenschirm dringt acht Zentimeter tief in Bauch ein

Vanessa war gemeinsam mit ihren Eltern und ihren beiden Geschwistern beim MotoGP in Spielberg. Nach dem Rennen am Sonntagnachmittag wollte die Neunjährige den zuvor als Sonnenschutz verwendeten Regenschirm zusammenklappen. „Der Schirm ist schwer zum Abspannen gegangen. Vanessa hat es versucht, wie Kinder das eben machen. Sie hat den Schirm gegen ihren Körper gedrückt“, schildert ihre Mutter. Plötzlich sei der Griff abgebrochen und die innere Stange in den Oberbauch des Mädchens eingedrungen. Vanessa zog die Stange selbst wieder heraus. Kurz darauf begann die Wunde stark zu bluten.

Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Vorstand der Univ.-Klinik f. Kinder- und Jugendchirurgie, und die kleine Vanessa aus Wörgl
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Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Vorstand der Univ.-Klinik f. Kinder- und Jugendchirurgie, und die kleine Vanessa aus Wörgl.

Ersthelfer reagierten sofort

Zwei Menschen aus dem Publikum kamen der Familie zur Hilfe. Eine englischsprachige Frau gab sich als Krankenschwester zu erkennen. Gemeinsam mit einem weiteren Ersthelfer, der laut Erinnerung der Familie Sanitäter war, sammelte sie verfügbare Tücher und übte damit Druck auf die Wunde aus. Anschließend übernahm das medizinische Team vor Ort die Versorgung. Vanessa wurde mit dem Rettungshubschrauber zum Uniklinikum Graz gebracht. Dort war die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie bereits auf eine möglicherweise schwere innere Verletzung vorbereitet.

Ausmaß der Verletzung zunächst nicht erkennbar

Im Schockraum wurde die Neunjährige umfassend untersucht. Zunächst deutete einiges darauf hin, dass die Verletzungen weniger schwer sein könnten als befürchtet. Eine starke innere Blutung war anfangs nicht festzustellen, auch eine Verletzung der Gallenblase war zunächst nicht eindeutig erkennbar. Im Laufe der Nacht fiel dem Behandlungsteam allerdings Vanessas ungewöhnlich hoher Puls auf. Daraufhin folgten weitere Untersuchungen durch die Kinderkardiologie und Kinderradiologie. Diese brachten schließlich das tatsächliche Ausmaß ans Licht. „Die Schirmstange muss rund acht Zentimeter tief in den Oberbauch eingedrungen sein“, erklärt Klinikvorstand Holger Till. Die Stange hatte die Leber durchstoßen und die Gallenblase perforiert. Im Bauchraum hatte sich Blut angesammelt, zudem war Galle ausgetreten.

Gallenblase musste entfernt werden

Am folgenden Morgen wurde Vanessa operiert. Oberärztin Agnes Bokros führte den Eingriff gemeinsam mit Klinikvorstand Holger Till, Assistenzärztin Fiona Popp und einem multiprofessionellen Team durch. Zu diesem Zeitpunkt war die aktive Blutung aus der Leber bereits weitgehend zum Stillstand gekommen. Im Bauchraum fanden die Ärzte allerdings eine größere Menge geronnenes Blut. „An der Leber war eine Einstichstelle von nur etwa einem Zentimeter Durchmesser zu sehen. Der Verletzungskanal war deutlich nachvollziehbar und reichte bis zur Gallenblase“, berichtet Bokros. Die verletzte Gallenblase musste entfernt werden. Das Team versorgte außerdem die Leberverletzung, spülte den Stichkanal und legte eine Drainage. Im Alltag soll die Entfernung der Gallenblase für Vanessa voraussichtlich kaum Einschränkungen mit sich bringen.

Kleine Wunde kann über schwere Verletzungen hinwegtäuschen

Der außergewöhnliche Fall zeigt nach Angaben des Uniklinikums, wie wenig bei derartigen Verletzungen vom äußeren Erscheinungsbild auf Schäden im Körperinneren geschlossen werden kann. „Eine kleine Wunde sagt noch nichts darüber aus, welche Strukturen im Körperinneren betroffen sind“, betont Till. Deshalb sei es besonders wichtig, den weiteren klinischen Verlauf genau zu beobachten und Veränderungen ernst zu nehmen. Nach dem Eingriff wurde Vanessa zunächst intensivmedizinisch betreut. Ihre Eltern konnten während dieser Zeit im Ronald McDonald Haus in Graz übernachten und damit in der Nähe ihrer Tochter bleiben.

Große Dankbarkeit: Familie sucht nach unbekannten Ersthelfern

Mittlerweile gibt es gute Nachrichten: Vanessa erholte sich nach Angaben des Uniklinikums gut und ist inzwischen schmerzfrei. Etwas mehr als eine Woche nach dem Unfall darf die Neunjährige gemeinsam mit ihren Eltern zurück nach Wörgl fahren. Einen Wunsch hat die Familie allerdings noch. Sie sucht nach den beiden unbekannten Ersthelfern, die unmittelbar nach dem Unfall am Red Bull Ring reagierten. Die Eltern möchten die englischsprachige Krankenschwester sowie den mutmaßlichen Sanitäter ausfindig machen, um sich persönlich für ihre schnelle Hilfe bei ihrer Tochter bedanken zu können.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 01.10.2026 um 12:39 Uhr aktualisiert
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