
Weckruf: „Hinschauen liebe Politik, vielen Menschen geht das Geld aus!“
Mein Postfach quillt über. Die Kärntner und KärntnerInnen erzählen von Herausforderungen, Sorgen und Ängsten. Ein einziger Bericht hat eine Welle von Reaktionen ausgelöst.
Menschen schildern uns seit 48 Stunden wie das Geld nicht mehr reicht – trotz Arbeit, trotz Verzicht. Hinter jeder Mail steht ein Mensch mit Kind, Krankheit oder zwei Jobs. Dieser Kommentar ist ein Weckruf: Hinschauen, handeln und das jetzt.
„Armut ist nicht abstrakt. Sie sitzt am Küchentisch, rechnet den Monat und hat Angst vor der nächsten Rechnung. Und es sind keine Einzelfälle. Es gibt viele, die sich quälen müssen.“
Yvonne Schmid-Berger, Chefredakteurin 5min.at
„Endlich ein Beitrag, der mir aus der Seele spricht“, schreibt eine Leserin. Das Leben ist unzähligen Menschen zu teuer geworden. Sie – und es sind viele – sehnen sich nach positiven Veränderungen, ein offenes Ohr und Zukunftsperspektiven. Die Politik muss hinhören, Lösungen finden und Geld zur Verfügung stellen. Für alleinerziehende Elternteile, egal ob Vater oder Mutter. Für Pensionisten an der Armutsgrenze, erkrankten Menschen und jungen Menschen mit niedrigem Gehalt. Und es gibt noch viele Situationen mehr, wo wir als Gesellschaft genauer hinschauen müssen. Und die Politik eingreifen muss. Alle spüren wir es immer deutlicher: Die Armut wächst, das Leben wird für viele zu teuer.
„Wo bitte soll das alles enden“,
… fragt eine Leserin als sie uns die Situation ihrer alleinerziehenden Freundin erzählt. „Sie hat eine Betreuung für die Kleine gefunden aber nur bis mittags. Eine Arbeit nur am Vormittag – wie soll sie die finden?“ Eine andere Kärntnerin sagt: „Ich kenne viele Menschen, die psychisch krank sind, alleinerziehend und jeden Tag um ihre Existenz kämpfen. Auch ich gehöre dazu. Jeder Tag ist ein Kampf, nicht nur gegen die Krankheit, sondern auch ums Überleben. Miete, Lebensmittel, Strom – das meiste Geld geht direkt für Fixkosten drauf, kleine Freuden wie Kleidung, Möbel oder ein Ausflug sind kaum möglich. Es ist frustrierend und verletzend, dass Menschen, die ohnehin schon kämpfen, immer weiter an den Rand gedrängt werden.“ Sie bringt es auf den Punkt: „Jeder Mensch verdient Respekt, Unterstützung und eine Möglichkeit, nicht nur zu existieren, sondern auch ein wenig zu leben. Es muss endlich wahrgenommen werden, dass diese Belastungen keine Zahlen sind – sondern Menschenleben, voller Sorgen, Ängste und unerfüllter Bedürfnisse.“
Menschen sorgen sich ins Burn Out
Zwei Leser erzählen von jahrelangen Belastungen und einem Burn Out das darauf folgte. „Die Leute sagen, ich sollte probieren zu sparen, aber wie soll das bitte gehen, wenn man von Monat zu Monat immer wieder aufs Neue kämpfen muss. Mittlerweile habe ich ein Burnout, bin gezwungenermaßen zu Hause. Und obwohl ich oft Tage habe, wo ich nicht einmal aufstehen kann, arbeite ich geringfügig, da ich sonst die Miete nicht bezahlen kann.Das kann nur jemand verstehen, der sowas selbst erlebt hat. Ich arbeite stundenweise und komme dann tagelang nicht aus dem Bett. Ich bin zu fertig.“ Sie erzählt weiter, dass sie Angst davor hat, krank zu werden, dann würde alles aus den Fugen geraten.
„Es bricht mir das Herz“
„Es bricht einem das Herz, den Kindern irgendwie erklären zu müssen, dass es keinen Urlaub, keine neuen Klamotten, kein Kino gibt, weil man es sich schlicht und einfach nicht leisten kann. Ich mache zwei Jobs um alles zu finanzieren. Als Dankeschön bekomme ich eine saftige Nachzahlung vom Finanzamt. Wir Alleinerziehende werden schlichtweg hängen gelassen“, sagt eine junge Mutter aus Klagenfurt. „Wir sollen brav einen Ganztags-Job meistern, uns um die Kinder kümmern. Es stehen den Kindern nicht immer Nachmittagsbetreuungen zur Verfügung (…) das Resultat als verantwortungsvolle Mutter ist Teilzeitarbeit. In der derzeitigen wirtschaftlichen Lage lebt man damit am Existenzminimum.“
Armut hat viele Gesichter
Viele Menschen sind verzweifelt, schreiben uns Mails und das ist kein Jammern. Das ist Realität in der Mitte der Gesellschaft. Wer krank wird, wer allein erzieht, wer mit Teilzeit über Wasser bleiben muss, rutscht zu leicht in Existenzangst. Armut ist nicht nur Statistik – sie hat Gesichter, Stimmen, Biografien. Wir als Gesellschaft, aber auch die Politik darf nicht wegsehen: Die Themen Kinderbetreuung, Psychotherapie-Kassenplätze, leistbares Wohnen, Schuldenberatung & Energie/Fixkosten müssen angepackt werden.
Und mein Postfach quillt weiter über: Es erreichen uns nämlich auch zahlreiche Hilfsangebote für Betroffene. Es gibt auch viele Menschen, die nicht wegschauen. Ein Lichtblick.
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