Das peinliche Autobahn-Rätsel
Vor kurzem testete der 5-Minuten-Journalist Fritz Kimeswenger die österreichischen und italienischen Autobahnen und Schnellstraßen.
Er fuhr von Villach nach Wien über die Südautobahn A2, von Wien nach Villach über die Semmerings-Schnellstraße S6 und danach noch von Villach ans Meer und retour. Das Ergebnis ist ein Armutszeugnis für die österreichischen Straßenbauer und -erhalter.
Eine einzige Baustelle
Die Südautobahn ist ohnehin zeit ihres „Lebens“ eine einzige Baustelle. Derzeit bei Velden, bei Griffen, dann über die Pack und noch einige Passagen vor Wien. Ähnliches gilt für die Schnellstraße über den Semmering und durch die Mur/Mürz-Furche, die altbekannte „17er“. Ununterbrochen einspurig, mit Tempolimits, mit Einschränkungen. Die Fahrt ist eine einzige Geduldsprobe und Gefahrenzone.
„Rumpelpiste auf der A2“
Übrigens und kaum überraschend: Die Zahl sichtbarer Arbeiter bewegte sich in einem sehr überschaubaren Bereich. Aber der Gipfel der Peinlichkeit und des Fremdschämens wird dann in Kärnten erreicht: Bei der Wörthersee-Rast und zwischen Villach und der Staatsgrenze ist das keine Autobahn, es ist eine Rumpelpiste, ein eher amateurhaft geflickter Streifen aus Beton und Asphalt. Schönen Gruß an die Bandscheiben. Und erst die megapeinliche Optik. In diesen Bereichen ist übrigens keine Baustelle eingerichtet.
Bau der Unterflurtrasse Villach/St.Andrä
Apropos Baustelle: Die Unterflurtrasse Villach/St.Andrä ist nach eher geringen 40 Jahren schrott- und abbruchreif. Sie muss völlig neu gebaut werden, zarte drei Jahre werden von der Asfinag für die etwa 450 Meter eingeplant. Drei Jahre für ein besseres XXL-Carport, was anderes ist eine Unterflurtrasse nicht. Drei Jahre Stau rund um Villach. Da passt die Meldung ganz gut, wonach in eben solchen drei Jahren in China eine Autobahnbrücke gebaut wurde, die über 600 Meter hoch und mehrere Kilometer lang ist.
Rissfreie Autobahnen in Italien
Aber es gibt ja Italien! Kaum über der Grenze fährt der geneigte und österreichische Katastrophenpisten gewohnte Autofahrer wie auf einem Teppich. Ja, es gibt auch Baustellen. Aber erstens sieht man dort tatsächlich Menschen in oranger Arbeitskluft und dort, wo es keine gibt, ist die Autobahn eine Wohltat. Man gleitet ruhig und entspannt über einen absolut rissfreien und brettelebenen Asphalt. Und ja, man zahlt in Italien streckenabhängige Maut. Aber auch unsere österreichische Vignette ist kein Schnäppchen mehr.
Tipps der italienischen Kollegen
Vielleicht sollten sich unsere Autobahnbauer und -planer einmal mit ihren italienischen Kollegen zusammensetzen, um den einen oder anderen Tipp zu erhalten, wie man Autobahnen baut. Da haben die Italiener zugegebenermaßen etwa 2000 Jahre Vorsprung. Denn manche Römerstraßen sind noch immer intakt. Aber unsereiner braucht auch keine 2000 Jahre – es wäre schon schön, es noch erleben zu dürfen, baustellenfrei nach Wien und zurückzukommen. Und sich nicht für geflickte Strecken fremdschämen zu müssen.