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/ ©Montage Canva/Kimeswenger
Der ganz normale Bahnsinn, Teil 2
5-Minuten-Journalist Fritz Kimeswenger: "Nun gut, sudern wir eben weiter. Wir wollen ja niemanden enttäuschen."

Der ganz normale Bahnsinn, Teil 2

Dann wollen wir halt hohe Wirtschaftskammerfunktionäre nicht enttäuschen. Die bezeichnen Kritiker am völlig durchgeknallten Koralmbahn-Werbetsunami als Suderanten.

von Fritz Kimeswenger Das Foto auf www.5min.at zeigt Mag. Fritz Kimeswenger aus dem Politik Ressort.
2 Minuten Lesezeit(401 Wörter)
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Nun gut, sudern wir eben weiter. Wir wollen ja niemanden enttäuschen. Die Koralmbahn nimmt vor Weihnachten also Fahrt auf und in etwas mehr als 40 Minuten werden wir zwischen Graz und Klagenfurt hin und her düsen können. Was niemand sagt: Man muss es sich leisten können. Für diesen Kommentar haben wir Scotty befragt – nicht den gleichnamigen Chefingenieur des Raumschiffs Enterprise, sondern die App der ÖBB.

Das sagt Scotty

Am Samstag, 20. Dezember, so der Plan, also von Klagenfurt nach Graz. Einfache Fahrt, keine Reservierung, Abfahrt im Railjet RJX636 um 9.56 Uhr in Klagenfurt, Ankunft 10.38 Uhr in der steirischen Hauptstadt. Knackiger Preis: 30 Euro und 10 Cent. In der ersten Klasse kostet es 49,90 Euro. Und zurück wollen wir ja auch, also mal zwei. Hat man kein Klimaticket oder andere Vergünstigung wie eine Vorteilscard sind wir zumindest 60 Euro los, ehe wir in Graz auch nur eine einzige Maroni gekauft haben. Wie gesagt: Man muss es sich leisten können. Aber davon ist im aktuellen Werbetsunami keine Rede.

„Villach? Ich kenne kein Villach!“

Übrigens: Kennen Sie Alesia? Es ist eine Stadt, in der die stolzen Gallier rund um Asterix eine böse Niederlage gegen das Heer Cäsars erlitten. Wen wundert´s, dass die Gallier stets betonen „Alesia? Ich kenne kein Alesia! Niemand weiß, wo Alesia liegt!“ Und jetzt tauschen wir Alesia gegen Villach. Die neue Koralmbahn scheint, so die Kampagne ja nur zwischen Graz und Klagenfurt unterwegs zu sein. Damit wäre Klagenfurt ein sogenannter Kopfbahnhof. An einem solchen enden die Gleise, ein Prellbock sichert das ab. Endstation. Bitte alle aussteigen. Vielleicht gilt in den Chefetagen und Agenturen: „Villach? Ich kenne kein Villach! Niemand weiß, wo Villach liegt!“ Zur Aufklärung: Villach, das ist der eigentliche Verkehrsknotenpunkt im südlichen Österreich. Übrigens nicht erst seit gestern. Der Zug fährt in Klagenfurt weiter bis in diese Stadt. Und so sudern wir Kritiker eben weiter. Nicht an der Koralmbahn an sich, aber am Tsunami an Versprechungen und wunderlichen Prophezeiungen, was diese neue Bahnstrecke denn alles bringen wir.

Reiner „Bahnsinn“

Ein Goldenes Zeitalter ist noch untertrieben, es ist der reine Bahnsinn, der da um sich greift. Die Wirtschaft wird aufblühen, der Tourismus ebenso, Steiermark und Kärnten werden praktisch zusammenwachsen. Etwas mehr Realitätsbezug wäre begrüßenswert. Man kann die Koralm zwar durchlöchern, wegzaubern kann man sie aber nicht. Und wegsudern leider auch nicht.

Inside Kärnten – Kommentare und Analysen von Fritz Kimeswenger

Mag. Fritz Kimeswenger (66)
Studium der Geschichte und Philosophie
Journalist seit 1984 bei Volkszeitung, der Standard und Kronenzeitung. Viele Jahre Ressortleiter Landespolitik der Krone Kärnten und Kolumnist („Kärnten inoffiziell“). In unserer 5-Minuten-Rubrik „Inside Politik“ werden wir bedeutende Entscheidungen, Wendungen und Geschehnisse analysieren und kommentieren. Immer unter der Prämisse „Der Leser zuerst“.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 30.11.2025 um 13:46 Uhr aktualisiert
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