Männernotruf warnt: „Wenn es passiert ist, ist es zu spät!“
Beim Männernotruf häufen sich rund um Weihnachten Anrufe zu Familien- und Beziehungskrisen. Kärnten-Vertreter Michael Possegger berichtet von dramatischen Momenten – und warum ein Anruf oft der erste Schritt zur Entlastung ist.
Weihnachten ist in vielen Familien nicht (nur) die schönste Zeit des Jahres, sondern oft auch die stressigste. Einkaufshektik, Weihnachtsfeiern und gehäufte Treffen mit Freunden und Familie werden häufig zum Nährboden für Konflikte. Das weiß auch Michael Possegger vom Männernotruf gut. Wir haben dem ehrenamtlichen Mitarbeiter und Vertreter des Männernotrufs in Kärnten einige Fragen gestellt: zu familiären Krisen in der Weihnachtszeit, lebensverändernden Telefonaten und seinen Forderungen an Politik und Gesellschaft.
Interview mit Michael Possegger vom Männernotruf Kärnten
5 Minuten: Mit welchen Problemen melden sich Männer derzeit am häufigsten bei Ihnen – und spüren Sie rund um die Weihnachtszeit eine Zunahme von Krisen und häuslichen Konflikten?
Gab es Momente, in denen Sie das Gefühl hatten, dass ein einziges Telefonat möglicherweise eine Tragödie verhindern konnte?
In meinem letzten Dienst am Sonntag hatte ich einen Anrufer, der bereits zu Beginn mit deutlich wahrnehmbarer Aggression an mich herantrat. Es handelte sich um ein Obsorgethema. Der Anrufer erklärte, dass er kurz vor dem Anruf bereits im Begriff gewesen sei, zur Mutter zu fahren und die Situation eskalieren zu lassen. Er wollte sich von mir eine Bestätigung für sein geplantes Vorgehen holen. Im Gespräch gelang es mir, das Thema auf eine sachliche Ebene zu bringen, wodurch seine aggressive Haltung deutlich abnahm. Ich sprach mit ihm von Vater zu Vater und mein Rat an ihn war, dass sich seine Bemühungen, am Leben seines Kindes teilzuhaben und Verantwortung zu übernehmen, mittel- bis langfristig lohnen werden. Eine positive, verantwortungsvolle Haltung zahlt sich im Leben aus, wird von Kindern wahrgenommen und kommt zu ihm zurück. Darauf dürfe er stolz sein. Daraufhin brach der Anrufer in Tränen aus, und es war eine deutliche Erleichterung zu spüren. Seine Gesprächsqualität veränderte sich schlagartig ins Positive, und er fand für sich ein klar erkennbares Ziel.
Was würden Sie einem Mann sagen, der zögert anzurufen, weil er glaubt, seine Probleme seien „nicht schlimm genug“?
Männer müssen ihre Themen nicht allein austragen! Ein Anruf ist der erste Schritt zu einer lösungsorientierten Vorgehensweise und dieser Schritt erfordert Mut und echte Stärke.
Ihr Team arbeitet vollständig ehrenamtlich und rund um die Uhr. Was motiviert Sie persönlich, diesen Dienst zu leisten – und wie belastend ist diese Aufgabe manchmal?
Was wünschen Sie sich von der Politik und der Gesellschaft, um Gewaltprävention und Unterstützung für Männer in Krisen nachhaltig zu verbessern?
Hier findest du Hilfe:
Der Männernotruf bietet Männern in Krisen- und Gewaltsituationen eine erste telefonische Anlaufstelle. Die Nummer 0800/246247 kann österreichweit kostenfrei, anonym und vertraulich angerufen werden – und das rund um die Uhr. Nähere Informationen findest du auch auf der Homepage des Männernotrufs.