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/ ©Fotomontage Canva/Männernotruf
Das Bild auf 5min.at zeigt einen verzweifelten Mann und im Vordergrund eine Hand, die ein Handy hält.
Der Männernotruf dient als erste Anlaufstelle für Männer in Krisen- und Gewaltsituationen.

Männernotruf warnt: „Wenn es passiert ist, ist es zu spät!“

Beim Männernotruf häufen sich rund um Weihnachten Anrufe zu Familien- und Beziehungskrisen. Kärnten-Vertreter Michael Possegger berichtet von dramatischen Momenten – und warum ein Anruf oft der erste Schritt zur Entlastung ist.

von Gerrit Tscheru Das Bild auf 5min.at zeigt Gerrit Tscheru.
1 Minute Lesezeit(91 Wörter)
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Weihnachten ist in vielen Familien nicht (nur) die schönste Zeit des Jahres, sondern oft auch die stressigste. Einkaufshektik, Weihnachtsfeiern und gehäufte Treffen mit Freunden und Familie werden häufig zum Nährboden für Konflikte. Das weiß auch Michael Possegger vom Männernotruf gut. Wir haben dem ehrenamtlichen Mitarbeiter und Vertreter des Männernotrufs in Kärnten einige Fragen gestellt: zu familiären Krisen in der Weihnachtszeit, lebensverändernden Telefonaten und seinen Forderungen an Politik und Gesellschaft.

Interview mit Michael Possegger vom Männernotruf Kärnten

5 Minuten: Mit welchen Problemen melden sich Männer derzeit am häufigsten bei Ihnen – und spüren Sie rund um die Weihnachtszeit eine Zunahme von Krisen und häuslichen Konflikten?

Michael Possegger: Familienauseinandersetzungen häufen sich rund um die Weihnachtszeit deutlich. Besonders Obsorge- und Besuchsrechtsthemen stellen für viele Männer während der Feiertage eine große psychische Belastung dar, vor allem dann, wenn aufgrund von Beziehungskonflikten keine beiderseitig geregelten Vereinbarungen bestehen. Hinzu kommen Gefühle von Angst und Trauer vor den Feiertagen, die ebenfalls vermehrt wahrgenommen werden und sich in einer steigenden Zahl entsprechender Anrufe widerspiegeln.

Gab es Momente, in denen Sie das Gefühl hatten, dass ein einziges Telefonat möglicherweise eine Tragödie verhindern konnte?

In meinem letzten Dienst am Sonntag hatte ich einen Anrufer, der bereits zu Beginn mit deutlich wahrnehmbarer Aggression an mich herantrat. Es handelte sich um ein Obsorgethema. Der Anrufer erklärte, dass er kurz vor dem Anruf bereits im Begriff gewesen sei, zur Mutter zu fahren und die Situation eskalieren zu lassen. Er wollte sich von mir eine Bestätigung für sein geplantes Vorgehen holen. Im Gespräch gelang es mir, das Thema auf eine sachliche Ebene zu bringen, wodurch seine aggressive Haltung deutlich abnahm. Ich sprach mit ihm von Vater zu Vater und mein Rat an ihn war, dass sich seine Bemühungen, am Leben seines Kindes teilzuhaben und Verantwortung zu übernehmen, mittel- bis langfristig lohnen werden. Eine positive, verantwortungsvolle Haltung zahlt sich im Leben aus, wird von Kindern wahrgenommen und kommt zu ihm zurück. Darauf dürfe er stolz sein. Daraufhin brach der Anrufer in Tränen aus, und es war eine deutliche Erleichterung zu spüren. Seine Gesprächsqualität veränderte sich schlagartig ins Positive, und er fand für sich ein klar erkennbares Ziel.

Was würden Sie einem Mann sagen, der zögert anzurufen, weil er glaubt, seine Probleme seien „nicht schlimm genug“?

Männer müssen ihre Themen nicht allein austragen! Ein Anruf ist der erste Schritt zu einer lösungsorientierten Vorgehensweise und dieser Schritt erfordert Mut und echte Stärke.

Ihr Team arbeitet vollständig ehrenamtlich und rund um die Uhr. Was motiviert Sie persönlich, diesen Dienst zu leisten – und wie belastend ist diese Aufgabe manchmal?

Das Team des Männernotrufs besteht aus Männern aus dem echten Leben mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen. Dazu gehören Psychotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeiter aus der Justiz, Juristen, Berufsfeuerwehrmänner, diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger und viele mehr. Diese Vielfalt an Erfahrungen und Lebensrealitäten hat mich persönlich motiviert, in diesem Team mitzuarbeiten. Unser Notruf ist eine niederschwellige Form der Beratung. Er ersetzt zwar keinen therapeutischen Prozess, doch wir geben verzweifelten Männern in akuten Situationen Hoffnung und die Möglichkeit, einen anderen, besseren Weg einzuschlagen.
Wenn die Verzweiflung wie in der oben geschilderten Geschichte so groß ist, dass ein Mann keinen Ausweg mehr sieht, weil er sich einsam und im Stich gelassen fühlt, gleichzeitig, aber spürbar ist, dass sein Herz am richtigen Fleck ist, dann ist das eine besonders schwere Situation.

Was wünschen Sie sich von der Politik und der Gesellschaft, um Gewaltprävention und Unterstützung für Männer in Krisen nachhaltig zu verbessern?

Jede Form von Gewalt,  in welcher Ausprägung auch immer, ist ein dunkler Zeitzeuge für die Qualität unserer Gesellschaft. In Österreich scheint der Leidensdruck, wie aktuell erneut durch die Femizide sichtbar wird, erst dann groß genug zu sein, damit politische Vertreter Ressourcen bereitstellen, wenn sich das Problem bereits tragisch und epidemieartig ausbreitet. Mitunter entsteht der Eindruck, dass hier populistische Politik betrieben wird. Der Männernotruf stand, wie auch andere Organisationen, in diesem Jahr vor dem Aus, weil zugesagte Fördermittel des Bundes nicht geflossen sind. Seit einem Jahr versuche ich, den Männernotruf den zuständigen Landesvertretern in Kärnten vorzustellen, vergeblich. Ein Muster, das sich fortsetzt.
Ein Appell an die Politik: Wenn es passiert ist, ist es zu spät! Wir, wie viele andere Organisationen, arbeiten unermüdlich jeden Tag daran, Gewalt zu verhindern. Dafür brauchen wir die notwendige Unterstützung und Ernsthaftigkeit seitens der politischen Verantwortungsträger.

Hier findest du Hilfe:

Der Männernotruf bietet Männern in Krisen- und Gewaltsituationen eine erste telefonische Anlaufstelle. Die Nummer 0800/246247 kann österreichweit kostenfrei, anonym und vertraulich angerufen werden – und das rund um die Uhr. Nähere Informationen findest du auch auf der Homepage des Männernotrufs.

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