Betrug? Warum „Anonym“ gelegentlich bei dir anruft
Achtung, Ping-Calls! Immer mehr Österreicher berichten wieder von mysteriösen, extrem kurzen Anrufen – oft anonym und aus dem Ausland. Was steckt dahinter, wann drohen Kostenfallen und kann man sich eigentlich schützen?
„Kann es sein, dass es gerade vermehrt zu telefonbetrügerischen Aktivitäten wie ‚Pinganrufen‘ kommt?“ Mit dieser Frage wandte sich am Samstag ein Leser aus Villach an die Redaktion von 5 Minuten. Aus gutem Grund, denn tatsächlich kommt es österreichweit wieder vermehrt zu unbekannten Anrufen, ein „Trend“ der sich seit Jahren fortsetzt.
Muss man sich Sorgen machen?
Man kennt das Szenario: Das Handy leutet oder vibriert kurz – und schon ist das Gefühl in der Hosentasche weg. Ein Blick auf den Bildschirm zeigt dann oft „Verpasster Anruf von Anonym“ an. Wer ratzfatz abhebt, erlebt meist nur zwei bis drei Sekunden Stille, und schon ist der Anruf wieder beendet. Oft wird dieser Moment mit Panik verbunden: „Wurde soeben mein ‚Hallo?‘ oder ‚Ja bitte?‘ aufgezeichnet und gegen meinen Zweck verwendet?“ Es ist kein Geheimnis, ein „Ja bitte“ reichte in der Vergangenheit oftmals schon für einen telefonischen Vertragsabschluss, doch das ist hier nicht der Fall.
Hast du schon einmal einen solchen Betrugsanruf bekommen?
Gesprächspartner existiert meistens nicht
Ping-Calls, die oft aus dem Ausland kommen, haben ein klares Ziel: Sie sollen Neugier oder Sorge beim Empfänger wecken. Hauptsächlich geht es darum, dass die Betroffenen zurückrufen. Dann werden sie auf teure Premium-Dienste umgeleitet, wodurch hohe Telefongebühren entstehen, von denen Betrüger profitieren. Der Unterschied ist aber, dass man bei einem anonymen Anruf nicht zurückrufen kann. Viele Menschen bleiben somit auf dem Unwissen des wahren Grundes sitzen, oft mit leichten Sorgen. Die meisten jener Anrufe stammen jedoch nicht von Betrügern, sondern von automatischen Systemen oder Unternehmen, die prüfen wollen, ob eine Telefonnummer aktiv ist, bevor sie später gezielt kontaktiert werden. Deshalb dauern die Anrufe oft nur ein bis zwei Sekunden beziehungsweise enden rasch nach dem ersten oder zweiten Läuten. Kurze, anonyme Anrufe sind meist harmlos, aber lästig: „Sie dienen vor allem dazu, aktive Telefonnummern zu erkennen – nicht, um jemanden persönlich zu erreichen. Sorgen muss man sich also nicht machen“, schreibt ein Nutzer auf Reddit. Bei Anrufen mit ausländischen Nummern hingegen ist das Ziel oft, einen Rückruf zu erzwingen und die Betroffenen in die Kostenfalle zu locken.
Ping-Call oft als „harmlose“ Vorstufe
Viele anonyme Anrufe stammen zudem von Call-Centern, die Telefonnummern aus Datenlecks nutzen. Betroffen sind häufig persönliche Telefonnummern, die im Internet gehandelt werden. Durch diese „Lecks“ steigt die Zahl unerwünschter oder betrügerischer Anrufe in vielen Fällen. Nicht jeder anonyme Anruf hängt jedoch mit einem Datenleck zusammen; manche stammen auch von seriösen Stellen oder klassischen Werbeanrufen, jedoch stark rückläufig. Typische Folgen für Betroffene sind Spam- oder Werbeanrufe, Phishing-Versuche und Robocalls. Ping-Calls sind dadurch also oft die „Vorstufe“ der Betrüger-Anrufe. „Wenn man abhebt, bleibt man aktiv in der Liste und die Information wird dann möglicherweise an ‚echte‘ Spam-Anrufe verkauft“, schreibt ein weiterer Nutzer auf Reddit. Diese erfolgen dann meistens über die besagten ausländischen Nummer, welche einen Rückruf in die Kostenfalle lockt.
Immer mehr Betrugsfälle in Kärnten
Der Telefonbetrug nimmt generell zu, insbesondere der sogenannte Enkeltrick. Auch hier gab es in der abgelaufenen Woche mehrere Anrufe in Kärnten. Betrüger riefen im Bezirk Wolfsberg an und täuschten schwere Unfälle von Angehörigen vor, um Pensionistinnen zur Zahlung hoher Summen zu bewegen. Zwei Frauen konnten den Betrug rechtzeitig erkennen, teilte die LPD Kärnten mit. Auch die Polizei ermittelt und gibt klare Ratschläge: vorsichtig bleiben, nicht auf Drohungen reagieren und im Zweifel direkt bei der Polizei nachfragen.