Kärntner Gastronomin über Personalsuche: „So kann es nicht weitergehen“
Offene Stellen, aber kaum passende Bewerber: Eine Kärntner Gastronomin spricht offen über Frust bei der Mitarbeitersuche – besonders über das AMS.
Dass in der Kärntner Gastronomie ein Mangel an Fach- und generell Arbeitskräften herrscht und diese dringend gesucht werden – „händeringend“, wie gerne betont wird – ist hinlänglich bekannt. Doch welche Herausforderungen machen die Mitarbeitersuche für Gastrobetriebe so schwierig? Wir haben mit Birgit Winding, der Geschäftsführerin der Südrast Dreiländerecke sowie der Karawankenrast – Maria’s Diner gesprochen und sie hat uns erklärt, wie holprig der Prozess der Beschäftigtensuche sein kann – insbesondere über das AMS.
Betrieb muss potenzielle Bewerber anrufen
Prinzipiell gibt es einen vorgegebenen Weg für Betriebe, die über das österreichische Arbeitsmarktservice (AMS) an neue Mitarbeiter kommen wollen. Winding schildert den Vorgang gegenüber 5 Minuten wie folgt: „Wir melden die freien Stellen beim AMS, das wird natürlich sofort bearbeitet und wenn’s eventuelle Bewerber gibt, werden diese ins eams-Konto gestellt.“ So weit, so gut. Der nächste logische Schritt wäre dann, dass sich die Bewerber bei den suchenden Betrieben melden. Doch dem ist oft nicht so. Die Erfahrungen der Gastronomin zeigen, dass sich oft der Betrieb an die Arbeitssuchenden wenden muss, die vom AMS vorgeschlagen werden. „Für Unternehmen ist das ein erheblicher Mehraufwand“, so Winding.
Warst du schon mal arbeitslos?
„Kein Interesse, kein Fahrzeug, kein Führerschein“
Und mit dem Anruf beginnen häufig erst die richtigen Herausforderungen: Oft seien mehrere telefonische Kontaktversuche notwendig, um überhaupt eine Rückmeldung zu erhalten. „Wenn dann jemand abhebt, heißt es oft: ,Kein Interesse, kein Fahrzeug, kein Führerschein'“, beschreibt Winding die Herausforderungen, mit denen sie immer wieder konfrontiert ist. Auch mangelnde Deutschkenntnisse seien immer wieder ein Knackpunkt, doch als Hauptproblem identifiziert sie die Arbeitsmoral. Sie erklärt dazu: „Das Thema ist ein mangelndes Interesse zu arbeiten, das merkt man oft schon an den ersten paar Worten.“
Arbeitslosengeld stufenweise kürzen
Bei der Suche über das AMS sei die Situation „besonders schlimm“: „Wir finden eher Mitarbeiter über Social Media und im Bekanntenkreis“, so die Südrast-Geschäftsführerin. Wenn das Interesse gänzlich fehlt, ist es auch für das AMS schwer, etwas zu bewirken, räumt Winding ein. Über mögliche Lösungen hat sie sich jedoch auch schon Gedanken gemacht: Sie denkt dabei an ein Stufensystem, in dem das Arbeitslosengeld alle paar Monate weiter gekürzt wird: „Bis die Leute sagen: ,Ja passt, ich geh wieder arbeiten.'“ Davon nimmt sie ausdrücklich Fälle aus, in denen Krankheiten oder ähnliche fordernde Umstände zur Arbeitslosigkeit geführt haben.
„Gegenseitiges Geben und Nehmen“
Der Gastronomin ist außerdem bewusst, dass man als Arbeitgeber „nicht nur erwarten kann“. „Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen“, betont sie. In ihren Betrieben versuche sie, so gut wie möglich auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen, beispielsweise in Hinblick auf die Arbeitszeiten, mit einer betrieblichen Pensionsvorsorge oder kostenlosen Essensangeboten. „Wir versuchen, für die Mitarbeiter da zu sein, aber gut, arbeiten muss man ja trotzdem“, fasst Winding zusammen. Für die Karawankenrast-Geschäftsführerin ist jedenfalls eines klar: „So kann es nicht weitergehen.“
„Offensichtlicher Handlungsbedarf“
Trotz der Probleme bei der Mitarbeitersuche möchte sie dennoch klarstellen, dass sie „nicht alle in einen Topf werfen“ will: „Wir haben viele verlässliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, auch aus Italien und vor allem aus Slowenien, die den längeren Arbeitsweg haben und trotzdem Freude und Interesse am Arbeiten haben.“ Mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit will die Unternehmerin vor allem eines erreichen: auf aktuelle Probleme in der strukturellen Entwicklung des österreichischen Arbeitsmarkts aufmerksam machen und eine Diskussion anstoßen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Abschließend betont sie:
Wenn Betriebe trotz vorhandener Arbeitssuchender keine geeigneten Mitarbeiter finden, besteht offensichtlich Handlungsbedarf.
Viele Gründe für Herausforderungen in der Gastro
Auf Anfrage von 5 Minuten erklärt Peter Wedenig, Geschäftsführer des AMS Kärnten, warum gerade in der Gastronomie größere Herausforderungen bei der Mitarbeitersuche bestehen. Einerseits stehe die Branche in einem strukturellen Wandel, viele Beschäftigte haben sich (auch seit der Corona-Pandemie) zu einem Berufswechsel entschlossen, Betriebe setzen teilweise auf kürzere Öffnungszeiten und Co. Andererseits würden Unternehmen versuchen, ihr Angebot an die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter anzupassen. „Letztendlich steht aber die Branche stark unter Konkurrenz zu anderen Bereichen bzw. Branchen, die ganzjährige Arbeitsplätze anbieten“, so Wedenig. Dazu komme, dass gerade die Gastro- bzw. Tourismusbranche eine große Personalfluktuation aufweise und somit generell mehr Mitarbeiter notwendig seien, um den Grundbestand an nötigem Personal zu sichern. Auch ein seit Jahren bestehendes Mismatch zwischen offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden sei Teil des Problems. „Gemessen am Jahr 2025 haben wir 127 offene Lehrstellen und lediglich 33 vorgemerkte Lehrstellensuchende“, schildert der AMS-Geschäftsführer.
Sperren steigen
Angesprochen auf die Probleme bei der Mitarbeitersuche über das AMS betont Wedenig, dass man um eine „tunlichst passgenaue Vermittlung von vorgemerkten Personen auf offene Stellen“ bemüht sei. „So haben wir etwa im Bereich der AMS-Regionalstellen Villach und Klagenfurt eigene Gastro-Teams, die sich spezifisch um die Stellenbesetzung im Tourismus kümmern“, so Wedenig weiter. Kommt es zu einer Arbeitsverweigerung hat dies Konsequenzen: „Der gesetzliche Rahmen gibt die Möglichkeiten vor, zum Beispiel bei Nicht-Annahme einer Stelle eine Sperre auszusprechen.“ Auch beim AMS spürt man einen Wandel in der Arbeitsmoral der Suchenden, denn wie Wedenig erklärt:
Die Anzahl der ausgesprochenen Sperren ist in den letzten Jahren stetig gestiegen.“
Darum sollten Stellen beim AMS gemeldet werden
Trotzdem sei es wichtig, dass Betriebe ihre offenen Stellen beim AMS melden und zwar aus einem bestimmten Grund: „Erst dadurch ergibt sich ein wirklicher Blick über die Notwendigkeit von Personal in einer Branche“, schildert Wedenig. Dies sei insbesondere im Hinblick auf Ausländerfachkontingente oder Saisonkontingente relevant.