Nach Kritik an „besorgten Müttern“: Ärztekammer kontert scharf
Ein Interview des ÖGK-Obmanns Andreas Huss sorgt für Kritik: Die Ärztekammer Kärnten weist Aussagen über angeblich unnötige Arztbesuche von "besorgten Müttern" mit gesunden Kindern entschieden zurück.
In einem Interview mit „MeinBezirk“ hatte der Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) Andreas Huss unter anderem erklärt, dass es Situationen gebe, in denen „besorgte Mütter“ mit ihren Kindern zum Arzt gehen würden, obwohl diese gesund seien – etwa aus Sorge, dass sie am Wochenende krank werden könnten. Gleichzeitig warnte er vor einer möglichen Überbeanspruchung des Gesundheitssystems.
Ärztekammer-Präsident kritisiert pauschale Unterstellungen
Die Ärztekammer Kärnten sieht diese Darstellung kritisch. Präsident Markus Opriessnig erklärte in einer Stellungnahme, es sei nicht nachvollziehbar, Eltern pauschal zu unterstellen, Arztbesuche ohne medizinischen Anlass in Anspruch zu nehmen. „Ärztinnen und Ärzte erleben täglich das hohe Verantwortungsbewusstsein von Familien, die sich um die Gesundheit ihrer Kinder kümmern. Pauschale Unterstellungen schaden dem Vertrauensverhältnis zwischen Patientinnen, Patienten sowie Ärztinnen und Ärzten, aber auch zwischen den Vertragspartnern“, erklärt Opriessnig vehement.
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Mehr Wertschätzung für Hausärzte
Auch in der Diskussion um Primärversorgungseinheiten (PVE) mahnt die Ärztekammer zu Differenzierung. Diese könnten zwar eine sinnvolle Ergänzung sein, seien jedoch kein Allheilmittel für die Herausforderungen im Gesundheitssystem. Der Hausarzt beziehungsweise die Hausärztin bleibe der wichtigste erste Ansprechpartner für Patienten. „Die hausärztliche Versorgung verdient mehr Wertschätzung“, fordert der Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte, Wilhelm Kerber, daher.
Bürokratische Hürden abbauen
Auch ein angepasstes Leistungs- und Tarifsystem, dass der „hohen Qualität und Verfügbarkeit“ entsprechen muss, wünscht er sich. Gleichzeitig müsse Bürokratie reduziert werden, damit Ärzte mehr Zeit für die Behandlung ihrer Patienten haben. In diesem Zusammenhang findet er klare Worte: „Es darf sind sein, dass in Einzelordination, Gruppenpraxen oder in PVE-Einrichtungen an Patientinnen und Patienten erbrachte Leistungen nicht bezahlt werden, weil ein willkürlich festgelegtes Limit überschritten wurde.“
Kritik an Wahlärzteplänen
Kritisch sieht die Ärztekammer auch politische Vorschläge, Wahlärzte stärker verpflichtend in das Kassensystem einzubinden. „Die freie Arztwahl ist ein Grundprinzip unseres Gesundheitssystems“, betont die Standesvertretung. Wahlärzte würden bereits jetzt wichtige Beiträge leisten – etwa im Bereitschaftsdienst oder bei Vorsorgeuntersuchungen. Dazu erklärt die Ärztekammer: „Der hausärztliche Bereitschaftsdienst am Wochenende ist in Kärnten freiwillig und hat einen durchschnittlichen Besetzungsgrad von über 90% flächendeckend in 39 Sprengel. Diese Flächendeckung wäre ohne Einbindung der Wahlärztinnen und Wahlärzte nicht zu bewerkstelligen.“ Einschränkungen der beruflichen Freiheit seien daher kein geeigneter Weg, um strukturelle Probleme im Gesundheitssystem zu lösen.