Der Landesvater geht
Nicht einmal zehn Tage trennen uns in Kärnten von einer Zäsur. Zu ersten Mal seit 13 Jahren wird der Landeshauptmann nicht mehr Peter Kaiser heißen. Was wird uns an diese Ära erinnern? Der Versuch einer Annäherung.
13 Jahre sind eine lange Zeit. Kinder, die 2013 zur Welt kamen, nähern sich bereits dem Ende ihrer Schulpflicht. In einer hektischen, schnelllebigen und immer konfuseneren Welt sind 13 Jahre eine Ewigkeit. 2013 war auch das Jahr, in dem erstmals ein Papst zurücktrat und Benedikt XVI. damit den Weg frei machte für Papst Franziskus. In Kärnten wurde mit Peter Kaiser ein Landeshauptmann angelobt, der in so ziemlich jeder Hinsicht das Gegenteil seiner Vorgänger war. Und das ist es auch, das bleibt. Die ruhige Art, in der Peter Kaiser regierte. Welch Gegensatz zu der Brot-und-Spiele-Politik seiner Vorgänger Jörg Haider und Gerhard Dörfler.
Kein ruhiges Fahrwasser für den „Landesvater“
Es bleiben auch die Herausforderungen, denen er sich zu stellen hatte. Die Finanzkrise des Landes, namentlich Hypo/Heta, die Coronakrise, die Flüchtlingskrise des Jahres 2015, der HCB-Skandal im Görtschitztal, ruhiges Fahrwasser kannte der Sozialdemokrat keines. Was auch von Peter Kaiser und seiner Zeit als Landeshauptmann bleibt, ist seine betont offene Art der Volksgruppe gegenüber. Das brachte ihm zwar immer wieder Kritik aus den üblichen Mündern ein, gleichzeitig wurde Kaiser damit aber auch zu einer Art „Landesvater“ und das selbst vom politischen Gegner anerkannt. Seine intellektuelle Art, seine manchmal übertrieben komplizierte Ausdrucksweise wurde in den 13 Jahren von einer Schwäche zu seinem Markenzeichen. Niemand stieß sich zuletzt auch mehr daran, dass Peter Kaiser bis heute keinen Kärntner Anzug trägt, sondern sich mit einer Art Trachtensakko durch die entsprechenden Termine schwindelt. Wurscht, sagen die meisten. Und die, die es nicht sagen, waren vermutlich eh niemals seine Wähler. Was von Peter Kaiser auch bleibt, ist seine grenzenlose Enttäuschung über das Wahlergebnis -das Jahr 2023. Eine derart tiefen Sturz der SPÖ hatte Kaiser nicht erwartet, man sah es an seiner Miene.
Mehr als nur Politik: Bildung und Kultur
Ehe diese Zeilen jetzt zu sehr in Richtung eines Nachrufs abgleiten, muss auch noch seine Affinität zu Kunst, Kultur und Bildung erwähnt werden. Die Gustav Mahler-Privatuniversität mag ein Minderheitenprogramm sein, aber sie ist trotz ihrer Jugend bereits eine Stütze des Kulturlebens in Kärnten. Die Universität war Kaiser in seiner politischen Arbeit stets ein Anliegen, die Elementarpädagogik ebenfalls. Der kostenfreie (zumindest was die Betreuung anlangt) Kindergarten wäre ohne Peter Kaiser wohl nicht realisiert worden. Als jemand, der schon Kraft seines Geburtsjahres und seiner Profession die Ära Peter Kaiser ziemlich parallel verfolgte und verfolgen durfte bzw. musste, kann man ein Resümee ziehen. Die Schuhe, die der Landeshauptmann am 31. März seinem Nachfolger Daniel Fellner (mit einer Woche Gaby Schaunig dazwischen) hinterlässt, sind groß. Und Fellner hat nicht viel Zeit, in die Schuhe hineinzuwachsen, bereits 2027 stehen Gemeinderatswahlen an, 2028 die Landtagswahl. 2028 steigt aber auch die nächste Bundespräsidentenwahl in Österreich. Und vielleicht lässt sich ein Homo Politicus wie Peter Kaiser von seiner Partei (oder mehreren?) doch zu einer Kandidatur überreden. Denn nur als Reisereferent des roten Pensionistenverbandes kann man sich den scheidenden Landeshauptmann auch nicht vorstellen. Auch wenn er das als nächste Karriereziel angibt.