Acht Minuten tanken, 500 km fahren: So sieht Kärntens Energiezukunft aus
Kärnten schreibt Energiegeschichte: In Arnoldstein wurde heute die erste Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff eröffnet. Damit soll Österreichs erste Wasserstoff-Busflotte im Regionalverkehr betrieben werden.
Es ist ein Quantensprung für den Klimaschutz und eine technologische Sensation im Süden Österreichs: Die Kelag hat am heutigen Montag (13. April) auf dem Gelände der Kärntner Restmüllverwertung (KRV) in Arnoldstein offiziell Kärntens erste Elektrolyseanlage zur Produktion von grünem Wasserstoff eröffnet. Das 16-Millionen-Euro-Projekt macht den Raum Villach zum Vorreiter einer völlig neuen Mobilitäts-Ära.
Mammutprojekt umgesetzt
Wo früher Abfälle nur thermisch verwertet wurden, entsteht ab sofort der „Treibstoff der Zukunft“. Die neue Anlage ist das Herzstück des Projekts „DeCarB – Decarbonising Carinthian Bus Transport“. Das Ziel ist ehrgeizig: den öffentlichen Nahverkehr in Villach komplett zu dekarbonisieren. Dass dieses Mammutprojekt in Rekordzeit umgesetzt wurde, sorgt landesweit für Staunen.
In Rekordzeit zur Wasserstoff-Hauptstadt
Vom Einholen der gewerberechtlichen Genehmigung im Jänner 2025 bis zur ersten Produktion vergingen gerade einmal 13 Monate – ein Tempo, das europaweit seinesgleichen sucht. Energie- und Verkehrslandesrat Sebastian Schuschnig betonte bei der feierlichen Eröffnung, dass man hier innerhalb eines Jahres vom ersten Spatenstich zur echten Produktion gelangt sei. „Mit der Elektrolyseanlage wird aus einer Vision Realität. Kärnten produziert ab sofort grünen Wasserstoff aus regionaler, erneuerbarer Energie – und wird damit Österreichs erste Wasserstoff-Busflotte im Regionalverkehr versorgen“, erklärte Schuschnig stolz. Für ihn ist der heutige Tag ein wesentlicher Schritt der Kärntner Wasserstoffstrategie. Er fügte hinzu: „Aus erneuerbarer Energie emissionsfreien Wasserstoff für 36 Busse zu produzieren, ist ab heute keine bloße Idee mehr, sondern gelebte Realität. Wir werden mit diesem Projekt auch wichtige Erkenntnisse für die Wasserstoff-Zukunft unseres Landes gewinnen.“
Technik-Wunder: Eine Badewanne Wasser für 36 Busse
Die Zahlen hinter dem 16-Millionen-Euro-Investment der Kelag sind beeindruckend. Die Anlage leistet bis zu drei Megawatt. Davon fließt ein Megawatt direkt in die Versorgung der neuen Busflotte, während zwei Megawatt als Reserve für die Industrie und künftige Anwendungen bereitstehen. Kelag-Vorstand Danny Güthlein hob besonders die Effizienz hervor: „Wir sind stolz darauf, im Vollbetrieb jährlich rund 140 Tonnen grünen Wasserstoff zu erzeugen. Damit können wir 36 Postbus-Fahrzeuge mit einer täglichen Reichweite von bis zu 500 Kilometern im Regionalverkehr von Villach versorgen.“ Ein technisches Highlight für alle Nutzer: Der Tankvorgang dauert nicht länger als bei einem herkömmlichen Diesel-Bus. „Besonders hervorzuheben ist die zeitliche Effizienz: Ein Betankungsvorgang dauert nur acht Minuten“, so Güthlein. Ein Detail sorgte bei den Zuhörern für besonderes Staunen: Die Anlage arbeitet extrem ressourcenschonend. „Dafür benötigt die Elektrolyseanlage nicht mehr als eine einzige Badewanne Wasser pro Stunde“, erklärte Güthlein den hocheffizienten Prozess.
Sicherheit durch doppelte Systeme
Damit die Villacher Pendler sich auf ihre Busse verlassen können, hat die Kelag beim Bau keine Kompromisse gemacht. Vorstand Reinhard Draxler betonte die enorme Versorgungssicherheit durch ein Backup-System. „Zwei parallele Erzeugungslinien sichern die kontinuierliche Produktion und gewährleisten eine zuverlässige Lieferung“, hielt Draxler fest. Für ihn ist die Anlage ein klares Bekenntnis zum Standort: „Die Anlage steht zugleich für unsere Technologieoffenheit und die Nutzung regionaler erneuerbarer Energiequellen.“
Ein starkes Signal für die Region Villach
Bürgermeister Günther Albel, der das Projekt als Geschäftsführer der Kärntner Entsorgungsvermittlung (KEV) begleitete, sieht den Industriestandort Arnoldstein massiv gestärkt. „Ich freue mich über die neue Wasserstoffanlage. Als konsequente und positive Weiterentwicklung ergänzt sie das bestehende Gefüge der KRV ideal“, so Albel. Er ist überzeugt, dass Villach und Umgebung durch diese Innovation langfristig profitieren: „Mit innovativen Technologien wird der Standort, an dem bereits Strom und Fernwärme produziert werden, langfristig erfolgreich positioniert. Es ist ein starkes Signal für unsere Region.“
Wertschöpfung: Das Geld bleibt im Land
Auch der Arnoldsteiner Bürgermeister Reinhard Antolitsch blickt zufrieden auf das neue Kraftwerk in seiner Gemeinde. Ihm ist wichtig, dass die Investition auch lokale Arbeitsplätze sichert. „Mit der Inbetriebnahme der Kelag-Wasserstoffanlage in unserer Marktgemeinde Arnoldstein wird eine weitere zukunftsweisende Maßnahme zum Thema Klima- und Umweltschutz realisiert“, so Antolitsch. Besonders erfreulich: Der Transport des Wasserstoffs von Arnoldstein nach Villach wird von der heimischen Firma Maurer übernommen. „Zusätzlich wird auch für unsere Gemeinde eine Wertschöpfung generiert“, betonte der Ortschef.
Wie geht es weiter?
Ab Mai 2026 geht die Anlage in den Vollbetrieb. Und die Pläne für die Zukunft liegen bereits in der Schublade: In einer finalen Ausbaustufe könnte die Produktion sogar auf bis zu 400 Tonnen pro Jahr erhöht werden – genug Power, um Kärnten endgültig zum Wasserstoff-Pionier der Alpen zu machen.