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Symbolfoto
Ein Bild auf 5min.at zeigt drei große Strommasten in Kärnten.
Die Pläne für die 380-kV-Leitung durch Kärnten nehmen Form an.

380-kV-Leitung: Kosten für 192-Kilometer-Monster noch offen

Es ist ein Projekt der Superlative, das ganz Österreich elektrisiert, doch beim Preis tappen Experten und Netzkunden anscheinend noch im Dunkeln.

von Online Redaktion Logo 5 Minuten
2 Minuten Lesezeit(476 Wörter)
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Projektleiter Wolfgang Hafner von der Austrian Power Grid (APG) informierte am Dienstag über den aktuellen Stand der 380-kV-Leitung durch Kärnten – und musste beim Thema Geld passen.

Die „finanzielle Wundertüte“

Obwohl die Trasse über 192 Kilometer grob feststeht, kann derzeit niemand sagen, wie viele Millionen oder gar Milliarden das Vorhaben am Ende verschlingen wird. „Die Gesamtkosten für dieses Projekt können wir derzeit noch nicht beziffern,“ teilt Hafner auf Anfrage von 5 Minuten mit. Er bezeichnete es in der heutigen Pressekonferenz als „unseriös“, jetzt schon Zahlen zu nennen. Die Gründe für das Kosten-Rätsel seien: Es gäbe noch kein Erschließungskonzept – Hunderte Kilometer Zufahrtsstraßen müssen erst geplant, begutachtet und bewertet werden. Auch die genauen Maststandorte sind noch nicht fixiert, womit die teuren geologischen Daten für die Fundamente fehlen. Und zu guter letzt: „Die Detailplanung für die Umspannwerke, ein Hauptkostenfaktor, steht noch aus“. Sicher ist bei dem Projekt eines: „Man weiss genau wer es zahlen wird. Wir alle zahlen,“ meint Hafner. Alle mit dem Projekt verbundenen Kosten für das Megaprojekt werden auf ganz Österreich „sozialisiert“ heißt es. Alle Strombezieher tragen das Projekt über ihre Netznutzungsentgelte mit, da das Projekt als „Lückenschluss“ für die gesamte Republik dient.

Ein Bild auf 5min.at zeigt Projektleiter Wolfgang Hafner.
©zVg. / Austrian Power Grid AG
Projektleiter Wolfgang Hafner von der Austrian Power Grid gab Einblicke in den aktuellen Fortschritt der 380-kV-Leitung.

Masten und Strahlen-Angst

Während die Kosten noch nicht genau beziffert werden können, werden die technischen Ausmaße immer deutlicher. Die Masten werden in Kärnten teilweise von 60 bis zu 90 Meter hoch in den Himmel ragen. In Einzelfällen führt die Leitung nur 50 Meter an Wohnhäusern vorbei. Projektleiter Hafner versuchte jedoch, die Wogen zu glätten: Die elektromagnetische Belastung liege mit ca. 30 Mikrotesla bei weniger als einem Drittel des gesetzlichen Grenzwerts. Man plane zudem „so siedlungsfern wie möglich“, wobei über 60 Prozent der Trasse durch Wälder verlaufen.

Ein Bild auf 5min.at zeigt die APG Pressekonferenz.
©APG
Ziel ist es, das Netz fit für die Anforderungen der nächsten 100 Jahre zu machen.

Der lange Weg zum Strom-Ring: Ein Marathon bis 2035

Der Ausbau der 380-kV-Leitung ist kein Sprint, sondern ein technischer und behördlicher Marathon, der die Planer noch über Jahre fordern wird. Hafner stellte klar, dass man sich aktuell etwa bei der „Halbzeit“ des Projekts befinde. Während für 26 der insgesamt 36 betroffenen Gemeinden die Trassenführung bereits als „grün“ und damit so gut wie fixiert gilt, sollen die restlichen zehn Gemeinden bis zum Sommer folgen. Der weitere Fahrplan ist eng getaktet: Bis zum Ende des Herbstes 2026 soll die Trasse inklusive aller Zufahrten und exakten Maststandorte vollständig feststehen. Parallel dazu wird eine Umweltverträglichkeitserklärung erstellt, die tausende Seiten umfasst und 23 verschiedene Fachbereiche abdeckt. Nach der Einreichung bei der Behörde rechnet Hafner mit einer Dauer von mindestens zwei bis drei Jahren für das Genehmigungsverfahren, da dieses erfahrungsgemäß über zwei Instanzen abgewickelt wird. Aufgrund ökologischer Bauzeitbeschränkungen wird auch die anschließende Errichtung Zeit in Anspruch nehmen, sodass die Leitung im besten Fall zwischen 2033 und 2035 in Betrieb gehen kann.

Über das Projekt

Netzraum Kärnten ist ein Kooperationsprojekt von Austrian Power Grid (APG) und Kärnten Netz (KNG-Kärnten Netz). Ziel ist es, das Netz fit für die Anforderungen der nächsten 100 Jahre zu machen, bestehende Lücken im österreichischen Höchstspannungsnetz zu schließen und zugleich das regionale 110-kV-Netz deutlich zu stärken. Das Vorhaben besteht aus einer neuen 380-kV-Verbindung samt 110-kV-Mitführung zwischen Lienz in Osttirol und Obersielach in Kärnten. 192 km beträgt die Gesamt-Trassenlänge des Projekts, davon ca. 170 km Mitführung. Rund 140 km bestehender 110-kV-Leitungen der Kärnten Netz werden im Rahmen des Projekts rückgebaut. Mit diesem Projekt eröffnet sich eine Jahrhundertchance: Es stärkt Kärnten und Osttirol als Wirtschafts- und Lebensraum, sichert die Stromversorgung kommender Generationen, ermöglicht die zusätzliche Einspeisung von Strom aus erneuerbarer Energie und unterstützt den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.

Über Austrian Power Grid (APG)

Als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber verantwortet die Austrian Power Grid (APG) die sichere Stromversorgung Österreichs. Mit ihrer leistungsstarken und digitalen Strominfrastruktur, sowie der Anwendung von State-of-the-art-Technologien werden erneuerbare Energien integriert und reduzieren somit die Importabhängigkeit. Man sei eine Plattform für den Strommarkt, schaffe Zugang zu preisgünstigem Strom und bilde so die Basis für einen versorgungssicheren sowie zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort. Das APG-Netz erstreckt sich auf einer Trassenlänge von etwa 3.500 km, welches das Unternehmen mit einem Team von rund 1.000 Spezialist:innen betreibt, instand hält und laufend den steigenden Anforderungen der Elektrifizierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie anpasst. Über die Steuerzentrale in Wien wird ein Großteil der insgesamt 67 Umspannwerke, die in ganz Österreich verteilt sind, remote betrieben. Auch 2025 lag die Versorgungssicherheit, dank der engagierten Mitarbeiter:innen, bei 99,99 Prozent und somit im weltweiten Spitzenfeld. Die Investitionen in Höhe von 680 Millionen Euro 2026 (2025:595 Mio., 2024: 440 Mio., 2023: 490 Mio. Euro) sind Wirtschaftsmotor und wesentlicher Baustein für die Erreichung der Energieziele Österreichs. Insgesamt wird APG bis 2034 rund 9 Milliarden Euro in den Netzaus- und Umbau investieren

Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 14.04.2026 um 15:14 Uhr aktualisiert
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