Jahrhundert-Trockenheit: Steht Kärntens Landwirtschaft vor dem Kollaps?
Kärntens Landwirtschaft leidet unter extremer Dürre. LK-Präsident Huber warnt vor einer Katastrophe und fordert die sofortige Freigabe von Biodiversitätsflächen zur Rettung der Futterversorgung.
Kärnten leidet unter einem extremen Niederschlagsdefizit von rund 45 Prozent gegenüber dem langjährigen Schnitt. Besonders dramatisch war der April: Laut GeoSphere Austria regnete es landesweit 67 Prozent weniger als üblich, regional sogar bis zu 85 Prozent. Die Grundwasserspiegel haben teils historische Tiefstände erreicht. Landwirtschaftskammer-Präsident Siegfried Huber warnt eindringlich in einer am Mittwoch stattfindenden Pressekonferenz: „Der prognostizierte Regen in dieser Woche kann nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Der Schaden ist bereits angerichtet. Und wenn es nicht bald ergiebig regnet, steuert Kärntens Landwirtschaft auf eine Katastrophe zu.“
Ernteausfälle und Futterknappheit
Die Trockenheit trifft den Ackerbau hart. Viele Pflanzen befinden sich in einer sogenannten „Starrtracht“ – sie wachsen nicht mehr und verfärben sich gelb. LK-Pflanzenbaudirektor Erich Roscher rechnet beim Getreide bereits jetzt mit einem Minus von 20 bis 70 Prozent zum Vorjahr. Im Grünland, das zwei Drittel der Kärntner Agrarflächen ausmacht, ist die Lage ebenso prekär. Die erste Mahd bildet die Basis für den Wintervorrat, doch Grünland-Experte Hans Egger erwartet Ertragseinbußen von bis zu 60 Prozent. Präsident Huber sieht die Existenz vieler Betriebe bedroht: „Wir steuern auf eine massive Futterknappheit zu. Fehlt das Futter, müssen Tiere verkauft werden. Dann geht es um die Existenz der Betriebe.“
Forderung nach Freigabe von Flächen
Um die Futternot zu lindern, fordert die Landwirtschaftskammer die rasche Freigabe von rund 9.000 Hektar Biodiversitätsflächen für die Beweidung oder Mahd. „Wir brauchen rasch die Erlaubnis, diese Flächen nutzen zu können. Das ist die einzige Chance, um zusätzliche Futterressourcen mobilisieren zu können“, betont Huber. Nicht nur die Felder, auch die Höfe selbst leiden. Quellen versiegen, weshalb immer mehr Betriebe auf Wassertransporte der Freiwilligen Feuerwehren angewiesen sind, um ihre Tiere zu versorgen. Eine einzige Milchkuh benötigt täglich rund 150 Liter Wasser. Langfristig fordert Huber ein Umdenken bei der Bewässerung: „Ohne Bewässerung wird in Zukunft in Teilen Kärntens keine Landwirtschaft mehr möglich sein. Angesichts des Klimawandels braucht es ein Umdenken, denn aktuell ist die Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen auf Grund strenger ökologischer Vorgaben nur sehr eingeschränkt möglich.“ Während die Dürreversicherung der Hagelversicherung erste Schäden abfedert, bleibt die Hoffnung der Bauern auf einen ergiebigen Landregen in den nächsten zwei Wochen.