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Der Widerstand gegen die Pläne der Austria Power Grid AG (APG) die 380 kV-Leitung Lienz- Obersielach betreffend wächst von Tag zu Tag.
Der Widerstand gegen die Pläne der Austria Power Grid AG (APG) die 380 kV-Leitung Lienz- Obersielach betreffend wächst von Tag zu Tag.

380-kV-Leitung: Gelbe Protest-Welle rollt Samstag nach Feldkirchen

Nach dem gestrigen Info-Event-Auftakt gegen die 380-kV-Leitung in Wernberg rüsten sich die Bürgerinitiativen. Mit gelben T-Shirts und Salzburg-Insiderwissen zieht der Protest am Samstag weiter nach Feldkirchen.

von Anja Mandler
3 Minuten Lesezeit(544 Wörter)
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Die Diskussion um das Megaprojekt „Netzraum Kärnten“ verschärft sich weiter. Am gestrigen Mittwochabend, dem 20. Mai 2026, brachten die Bürgerinitiative „Gegenstrom 380 kV“ und der Verein LKoS (Lebensraum Kärnten ohne Hochspannungs-Stromfreileitungen e.V.) betroffene Liegenschaftseigentümer und Landwirte im Gasthaus Fruhmann in Wernberg zusammen. Bei der Informationsveranstaltung trafen sich auch Kärntner und Osttiroler Initiativen, um durch gemeinsame Aktionen den Druck auf die Politik und den Netzbetreiber Austrian Power Grid (APG) zu maximieren. Schon heute wird die Vortragsreihe in Seeboden fortgesetzt, bevor am kommenden Samstag ab 9 Uhr die nächste Veranstaltung am Schillerplatz in Feldkirchen auf dem Programm steht, wo die Aktivisten in ihren markanten sonnengelben T-Shirts auftreten werden.

„100-Meter-Elektrozaun“ und die Angst vor der Enteignung

Die Argumente der Projektgegner wiegen schwer und richten sich vor allem gegen den massiven Landschafts- und Forsteingriff durch einen bis zu 100 Meter hohen „Elektrozaun“ mit 30 stromführenden Seilen und bis zu 100 Meter breiten Kahlschlägen im Wald. Die Nähe zu Wohngebieten schürt zudem gesundheitliche Ängste vor elektromagnetischen Feldern und die Sorge vor der Enteignung von Flächen, die seit Generationen in Familienbesitz sind. Für große Irritation sorgt an der Basis, dass die Landwirtschaftskammer bereits jetzt Rahmenverträge mit der APG verhandelt, während politische Aussagen wie „die Leitung pickt“ in den Augen der Kritiker jede Transparenz vermissen lassen. Als technische Alternative verweisen die Initiativen auf moderne Karbonfaserkernseile, mit denen sich die Kapazität bestehender Netze um 100 Prozent steigern ließe, was den Neubau völlig unnötig mache und die Verbraucher vor einer Kostenexplosion schütze.

Die Strom-Riesen kontern: Freileitung ist alternativlos für Kärnten

Die APG hält mit energiewirtschaftlichen Fakten dagegen und sieht in der 380-kV-Freileitung das einzig tragfähige Fundament für Kärntens Versorgungssicherheit. Das aktuelle Netz ist aus Sicht des Netzbetreibers schlicht unterdimensioniert, da die bestehende 220-kV-Leitung veraltet ist und aufgrund des steigenden Strombedarfs durch Wärmepumpen, E-Mobilität und die Dekarbonisierung der Industrie permanent an der Belastunggrenze arbeitet. Das Projekt schließt den österreichischen Höchstspannungsring, wodurch Wind- und Sonnenstrom effizient zu den Pumpspeicherkraftwerken im Westen transportiert werden kann, was Kärnten besonders im Winter vor Blackouts schützt. Zudem wird auf 173 der rund 192 Kilometer langen Trasse die regionale 110-kV-Leitung direkt auf den neuen Masten mitgeführt, sodass im Gegenzug 140 Kilometer alte Leitungen komplett demontiert werden können. Eine Erdverlegung wird von der APG strikt abgelehnt, da Erdkabel bei Wechselstrom auf dieser Länge nicht dem Stand der Technik entsprechen, einen massiven, bis zu 60 Meter breiten Graben erfordern und im alpinen Gelände bis zum 15-fachen einer Freileitung kosten würden.

Poker um die Heimat: Der lange Weg zum Jahrhundertprojekt

Mit dem Infoevent in Wernberg ist der Startschuss für eine neue, weitaus strategischere Phase des Protests gefallen. Die Bürgerinitiativen haben klargemacht, dass sie sich nicht mehr mit bloßen Protestplakaten zufriedengeben. Während die APG das Jahr 2026 nutzen will, um die exakte Feintrassierung im Gelände durchzubringen, wächst gleichzeitig der Druck im Kärntner Landtag. Die Politik gerät zunehmend in die Zwickmühle zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und dem lautstarken Zorn der eigenen Bevölkerung. Die gelbe Protest-Welle, die am Samstag in Feldkirchen ein unübersehbares Zeichen setzen will, dürfte erst der Anfang sein.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 21.05.2026 um 20:46 Uhr aktualisiert
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