„Hände weg vom Wörthersee“: Neue Forderung sorgt für Aufregung
Nachdem der ökologische Zustand des Wörthersees zuletzt nur noch als „mäßig“ eingestuft wurde, fordert die Wirtschaftskammer Kärnten nun eine Neubewertung des Sees. Die Naturfreunde Kärnten schlagen Alarm.
Der Wörthersee zählt zu den saubersten Badeseen Europas. Das bestätigte erst heute (16. Juni) der aktuelle Badegewässerbericht der EU-Kommission. Doch am selben Tag sorgte eine Forderung der Wirtschaftskammer Kärnten (WKK) für Diskussionen: Gefordert wird neue Einstufung des Wörthersees im Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan. Davon halten die Kärntner Naturfreunde wenig.
Badewasser top, ökologischer Zustand nur „mäßig“
Laut dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) erfüllen 99,6 Prozent der österreichischen Badestellen die strengen EU-Vorgaben. Kärnten verfügt über 32 überprüfte Badestellen, die großteils Bestnoten erhalten. Dennoch weist das Ministerium darauf hin, dass eine ausgezeichnete Badewasserqualität nicht automatisch mit einem guten ökologischen Zustand gleichzusetzen ist. Gerade beim Wörthersee zeigt sich dieser Unterschied. Während das Wasser weiterhin als hervorragend zum Baden gilt, wird der ökologische Zustand des Sees nur noch als „mäßig“ bewertet. „Gründe dafür sind unter anderem steigender Nutzungsdruck sowie klimawandelbedingt höhere Wassertemperaturen“, heißt es seitens des BMLUK.
Wirtschaftskammer fordert Neubewertung
Die Wirtschaftskammer Kärnten hält die derzeitige Einstufung des Wörthersees als „natürlichen Wasserkörper“ für nicht mehr zeitgemäß. Gastronomie-Sprecher und Wörthersee-Wirt Stefan Sternad argumentiert, der See werde seit Jahrhunderten intensiv touristisch und wirtschaftlich genutzt. Als Beispiele nennt die Wirtschaftskammer die Schifffahrt, die touristische Infrastruktur, das Kraftwerk Saag, die Ringkanalisation, den künstlich erweiterten Lendkanal sowie die Tatsache, dass rund 80 Prozent der Uferbereiche verbaut oder infrastrukturell geprägt seien. Sternad erklärt:
Niemand stellt den Schutz des Wörthersees infrage. Die Frage ist lediglich, ob ein See, der seit Jahrzehnten intensiv genutzt und in vielen Bereichen baulich verändert wurde, mit denselben Parametern bewertet werden soll wie ein weitgehend unberührter Natur- oder Bergsee.“
Die Kammer fordert daher, zu prüfen, ob der Wörthersee künftig statt als „natürlicher“ als „erheblich veränderter“ Wasserkörper eingestuft werden soll. Dadurch könnten ökologische Ziele stärker an die tatsächlichen Gegebenheiten und Nutzungen angepasst werden.
Naturfreunde schlagen Alarm
Scharfe Kritik kommt von den Naturfreunden Kärnten. Für sie wäre eine solche Neubewertung das falsche Signal. „Der Wörthersee ist das Herzstück Kärntens. Er ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Naherholungsgebiet für die Bevölkerung und zugleich die wichtigste touristische Marke unseres Bundeslandes. Gerade deshalb darf eine Verschlechterung der Schutzstandards nicht der Weg in die Zukunft sein“, betont Landesvorsitzender Rene Hafner. Die Naturfreunde warnen davor, die Schutzstandards abzusenken. Dass der ökologische Zustand zuletzt von „gut“ auf „mäßig“ herabgestuft wurde, müsse vielmehr ein Weckruf sein. Hafner erklärt: „Wer die Messlatte tiefer legt, verbessert nicht den Zustand des Sees, sondern lediglich die Statistik.“ Abschließend findet er deutliche Worte:
Der Wörthersee gehört uns allen. Hände weg von unserem Wörthersee!“
Seendialog soll Lösungen finden
Um Nutzungsinteressen und Naturschutz besser in Einklang zu bringen, haben das BMLUK und das Land Kärnten bereits den „Seendialog Wörthersee“ ins Leben gerufen. Dort sollen Gemeinden, Interessensvertreter, Wirtschaft und Umweltorganisationen gemeinsam Maßnahmen für die Zukunft des Sees entwickeln.