Skip to content
/ ©canva/KK
Das Bild auf 5min.at zeigt Unterlagen in einem Büro.
Die Insolvenzstatistik vom ersten Halbjahr 2026 des AKV zeigt: Es gibt neun Firmenkonkurse und zwölf Privatkonkurse pro Woche.

Fast 20 Prozent mehr Firmenpleiten als im Vorjahr: „Höhepunkt noch nicht erreicht”

In Kärnten wächst die Zahl an Insolvenzen weiter. Am meisten betroffen ist die Baubranche, auch Gastro- und Beherbgungsbetriebe, sowie der Handel.

von Marlene Dorfer Das Foto auf www.5min.at zeigt Marlene Dorfer aus der Kärnten Redaktion.
4 Minuten Lesezeit(821 Wörter)
Wählen Sie 5min.at als bevorzugte Google-Quelle

Die Dauerkrise der österreichischen Wirtschaft treibt in Kärnten weiterhin eine
wachsende Zahl an Unternehmen in die Insolvenz, teilt der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) mit und betont dazu, dass es sich in der Statistik um IST-Zahlen handelt. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Kärnten 231 Unternehmen insolvent. Das waren um beinahe 20 Prozent ( exakt 19,07 Prozent) mehr Firmeninsolvenzen als im Vergleichszeitraum 2025 (194 Firmenkonkurse) „und der Höhepunkt an Insolvenzen in Kärnten ist noch nicht erreicht“, heißt es.

Teuerungen, weniger Konsum und Iran-Krieg

Nach jetzigem Stand wird sich diese Entwicklung erst stabilisieren, wenn die Wirtschaft allmählich wieder wächst, so der AKV. Die Teuerungen in den letzten Jahren bei Energie, Löhnen und Mieten und der zurückhaltende Konsum haben bei den Kärntner Firmen Spuren hinterlassen. Der Iran-Krieg mit einem neuerlichen Ölpreisschock habe die missliche Lage verschärfen lassen.

Kärntner Unternehmen kämpfen ums Überleben

Viele Kärntner Unternehmen haben keine finanziellen Reserven mehr und kommen zu keinen neuen Krediten. Die Weiterführung und Sanierung dieser Unternehmen sei nicht mehr möglich, heißt es weiter. Deutlich wird dies im ersten Halbjahr 2026 im überdurchschnittlichen Anstieg der Insolvenzen, die mangels Masse abgewiesen wurden. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 hat sich die Anzahl der Insolvenzen, die mangels Masse abgewiesen wurde, um 81,36 Prozent erhöht, teilt der AKV mit. Rückgängig seien die beim Landesgericht eröffneten Firmeninsolvenzen um 8,15 Prozent.

In diesen Branchen gab es die meisten Insolvenzen

Die meisten Insolvenzen gab es im ersten Halbjahr des laufenden Jahres mit 34 Fällen in der Baubranche, gefolgt von der Gastro -und Beherbergungsbranche mit 30 Insolvenzfällen und der Handelsbranche mit 26 Insolvenzfällen. Die höchsten Passiva im ersten Halbjahr 2026 mit 19,9 Millionen Euro verzeichnete die Branche des Grundstücks- und Wohnungswesens, danach folgte die Gastronomiebranche mit Verbindlichkeiten von 17,2 Millionen Euro und die Baubranche mit rund 14,8 Millionen Euro.

Bist du selbstständig?

Ja, schon lange.
Ja, aber erst seit Kurzem.
Ich würde gerne selbstständig sein.
Ich war einmal selbstständig.
Nein, das ist nichts für mich.

Hier waren die meisten Dienstnehmer betroffen

Die Verbindlichkeiten bei den Kärntner Firmeninsolvenzen haben sich im ersten Halbjahr
2026 von 139,7 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025 auf 108,9 Millionen Euro reduziert, dies auch deshalb, weil weniger wirtschaftlich bedeutende Firmen insolvent wurden, so der AKV weiter. Bezugnehmend auf die Dienstnehmer sind im ersten Halbjahr 2026 352 Dienstnehmer (erstes Halbjahr 2026 – 347 Dienstnehmer) von Insolvenzen betroffen. Die meisten Dienstnehmer waren von der Insolvenz der PAYR-Gruppe mit insgesamt 51 Mitarbeiter und der SK Austria Klagenfurt GmbH und SK Austria Klagenfurt mit insgesamt 42 Mitarbeiter betroffen.

AKV rechnet mit weiterer Zunahme

Die nach Passiva größte Insolvenz in Kärnten ist jene der PAYR-Gruppe in Patergassen, die aus vier Gesellschaften besteht, und nach der ersten Gerichtsverhandlung Verbindlichkeiten von 16,3 Millionen zählt. An zweiter Stelle rangiert die Firma Tomtegl Bergchalets GmbH in Hochrindl mit Passiva von 12,3 Millionen Euro, gefolgt an dritter Stelle die Insolvenz der Marina Village Schmalzl GmbH in Velden mit Gesamtverbindlichkeiten von rund 8 Millionen Euro. Der AKV in Kärnten rechnet in diesem Jahr mit einer Fortsetzung des Trends und einer weiteren Zunahme. Eine Stabilisierung ist voraussichtlich erst im Jahr 2027 zu erwarten, sofern die Wirtschaft wächst, so der AKV.

Entspannte Zahlen bei Privatinsolvenzen

Abweichend vom Bundestrend und trotz gestiegener Lebenshaltungskosten zeigt die Anzahl der insgesamten Privatinsolvenzen in Kärnten im ersten Halbjahr 2026 entspannte Zahlen, heißt es weiter. Im ersten Halbjahr 2026 gibt es in Kärnten einen Rückgang von 4,4 Prozent von 341 im ersten Halbjahr 2025 auf 326 Verfahren im ersten Halbjahr 2026. Die bei den Bezirksgerichten eröffneten Schuldenregulierungsverfahren sind um 5,45 Prozent von 330 auf 312 Verfahren im ersten Halbjahr 2026 zurückgegangen.

Durchschnittsverschuldung der Kärntner gestiegen

Die Durchschnittsverschuldung der Kärntner ist von 82.800 Euro im ersten Halbjahr 2025 auf 104.700 Euro im Halbjahr 2026 gestiegen. Während Frauen mit Passiva von durchschnittlich 63.300 Euro im ersten Halbjahr 2026 zahlungsunfähig sind, liegt die durchschnittliche Verschuldung bei Männern in Privatkonkursverfahren höher bei Verbindlichkeiten von 132.400 Euro. Im Bereich der Privatkonkurse wird es in den nächsten Monaten in Kärnten nach Einschätzung des AKV zu keinen wesentlichen Änderungen und keiner Zunahme der Schuldenregulierungsverfahren kommen, zumal sich trotz gestiegener Lebenshaltungskosten der Kärntner Arbeitsmarkt weitestgehend robust zeigt, wird abschließend mitgeteilt.

FPÖ: „SPÖ und ÖVP sehen tatenlos beim Firmensterben zu“

„Während die Kärntner Firmen ums Überleben kämpfen, kommen von SPÖ und ÖVP nur Ankündigungen. Tatsache ist, dass die wirtschaftlichen Standortfaktoren in Kärnten einfach nicht stimmen. Überbordende Vorschriften und Auflagen, ausufernde Bürokratie, hohe Energiekosten und die steigende Inflation als Kostentreiber machen den heimischen Betrieben zu schaffen“, teilt FPÖ-Klubobmann Erwin Angerer mit. „SPÖ und ÖVP haben es schlichtweg verschlafen, in Zeiten der Hochkonjunktur entsprechende Maßnahmen zu setzen und damit optimale Bedingungen für die Kärntner Wirtschaft zu schaffen“, betont er weiter und sagt abschließend: „Das jüngste wirtschafts- und steuerpolitische ‚Meisterstück‘ von SPÖ und ÖVP ist die aktuell in Kraft getretene Mehrwertsteuersenkung, die auf der einen Seite nicht beim Endkunden ankommt und auf der anderen Seite ein riesiges, kostenintensives Bürokratiemonster für die Wirtschaft darstellt und alle verärgert. Das Ergebnis: Außer Spesen nichts gewesen.“

Symbolfoto zu einem Beitrag von 5min.at: Erwin Angerer, Landesparteiobmann FPÖ
©FPÖ Kärnten
Am Foto: FPÖ-Klubobmann Erwin Angerer
Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 08.07.2026 um 13:54 Uhr aktualisiert
Du hast einen #Fehler gefunden? Jetzt melden.
Artikel zum Thema:
Mehr Interessantes