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Teurer Strom-Irrsinn: So viel Geld verlieren wir Kärntner täglich durch den Leitungs-Stau!

Beim APG-Pressetermin am Mittwoch in Klagenfurt kam heraus: Weil Leitungen fehlen, zahlen wir täglich fast zwei Millionen Euro zu viel für Strom. Diese Zahlen und künftigen Prognosen sind ein echter Schock für Stromzahler.

von Online Redaktion Logo 5 Minuten
4 Minuten Lesezeit(804 Wörter)
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Wir erleben in Kärnten gerade einen historischen Boom: Immer mehr Kärntner bauen sich eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach. Allein im Kärntner Verteilernetz hat sich die Solar-Leistung in den letzten Jahren auf unfassbare 680 Megawatt Peak verfünffacht. Zum Vergleich: Das ist bereits mehr Power, als alle unsere Draukraftwerke zusammen liefern können. Doch unser Stromnetz ist für diesen Ansturm schlichtweg nicht gebaut, es erreicht seine technischen Grenzen.

Der 600-Millionen-Euro-Schock

Weil der saubere Strom nicht dorthin fließen kann, wo er gebraucht wird, entsteht im Netz ein gefährliches Nadelöhr. Die bittere Konsequenz mussten die Experten gestern Abend im Infozentrum vorrechnen: Allein im letzten Jahr zahlten die Österreicher unfassbare 600 Millionen Euro zu viel für ihren Strom! Dazu kommen noch einmal rund 100 Millionen Euro für Notfall-Eingriffe im Netz, um einen Netz-Kollaps zu verhindern. Rechnet man das herunter, zahlen wir Steuerzahler täglich fast 2 Millionen Euro für den Strom-Irrsinn nur weil die Leitungen fehlen! Gerhard Christiner, Vorstandssprecher der APG, brachte es gestern knallhart auf den Punkt: „Wenn wir die Netze nicht haben, werden wir vom eigenen System bestraft. Das kostet uns schlichtweg Geld, das wir zahlen müssen, obwohl wir es gar nicht zahlen müssten!“

Ein Bild auf 5min.at zeigt Gerhard Christiner, Vorstandssprecher der APG.
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Am Foto: Gerhard Christiner, Vorstandssprecher der APG

Das Drama im Winter

Besonders dramatisch wird es im Winter. Während im Sommer zeitweise so viel Strom produziert wird, dass Windräder und Solaranlagen abgeschaltet werden müssen, schaut es in der kalten Jahreszeit düster aus. Von Oktober bis Februar deckt die gesamte Photovoltaik in Österreich gerade einmal magere 3 Prozent des Bedarfs. In Kärnten sind wir im Winter auf Stromimporte angewiesen, um den Bedarf der Strom-Kunden jederzeit decken zu können. Michael Marketz, Geschäftsführer der Kärnten Netz, warnt vor den kommenden Belastungen: „Die Energiewende ist voll in Kärnten angekommen. Neben dem Solar-Boom sehen wir auch bei der Industrie, dass sich durch den Ausstieg aus fossiler Energie wie Erdgas und Erdöl der Stromverbrauch in Zukunft verdoppeln wird. Um all das zu gewährleisten, müssen wir unser Netz massiv ausbauen!“

Der Plan: 193 Kilometer neue Riesen-Masten

Die Lösung für das Problem ist heiß umfehdet: Der sogenannte „Kärntner Ringschluss“. Quer durch unser Bundesland müssen 193 Kilometer einer neuen 380-kV-Mega-Leitung gebaut werden. Damit das Landschaftsbild nicht komplett verschandelt wird, hat man die Planung in den letzten Monaten völlig umgekrempelt und fast ein Viertel der ursprünglichen Strecke verschoben, um die Masten in die Wälder und weit weg von bewohntem Gebiet zu verlegen. Zu Wohngebieten wird ein Mindestabstand von 100 Metern eingehalten. Gleichzeitig verschwinden im Gegenzug 140 Kilometer an alten Masten.

Profi soll Mammutprojekt stemmen

Verantwortlich für dieses Kärntner Projekt ist ein Mann, der bei der APG als absoluter Profi für schwierige Großprojekte gilt: Projektleiter Wolfgang Hafner. Er hat in der Vergangenheit bereits die stark umkämpfte, 128 Kilometer lange 380-kV-Salzburgleitung durch alle Proteste, Baustopps und Hunderte UVP-Auflagen erfolgreich auf Schiene gebracht. Er weiß genau, wie man Mammutprojekte im ständigen, transparenten Dialog mit der Bevölkerung umsetzt. Gestern im Infozentrum legte Hafner die konkreten Pläne und technischen Erleichterungen für Kärnten offen: „Wir bauen 193 Kilometer neu, führen aber auf rund 170 Kilometern das 110-kV-System der Kärnten Netz direkt mit. Das Schöne daran: Wir demontieren im Gegenzug 140 Kilometer bestehende Leitungen, die oft mitten durch die Siedlungsgebiete im Oberkärntner Raum gehen! Das wird eine enorme Entlastung. Unsere Masten werden dort, wo wir in die Hanglagen reingehen, sicher höher werden – im Schnitt liegen wir bei 60 bis 63 Metern Höhe. Das machen wir, um den Bodenabstand wegen der immer größeren landwirtschaftlichen Geräte auf sichere 11 Meter anzuheben. Aber durch die Platzierung am Hang nutzen wir den Wald als natürlichen Hintergrund, was das optische Erscheinungsbild schont. Parallel dazu sichern wir und die Kärnten Netz bereits die Standorte für die neuen, dringend benötigten Umspannwerke, um den Strom regional zu verteilen, etwa in Oberdrauburg, Steinfeld, Malta/Reißeck, Weißenstein, Treffen, Zollfeld und Griffen. Das Ganze ist ein echtes Jahrhundertprojekt für die nächsten Generationen!“

Ein Bild auf 5min.at zeigt Projektleiter Wolfgang Hafner.
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Am Foto: Projektleiter Wolfgang Hafner

Warum teure Erdkabel keine Lösung sind

Viele Kritiker des gesamten Projektes fordern, den Strom einfach unter die Erde zu legen. Dem erteilten die Experten gestern aber eine klare Absage. Ein Erdkabel auf dieser High-Tech-Ebene würde die 6- bis 8-fachen Kosten verschlingen. Das würde unsere Netztarife völlig explodieren lassen. Der Strom-Irrsinn wäre perfekt. Zudem halten Erdkabel nur rund 40 Jahre, während Freileitungen bis zu 100 Jahre stehen bleiben. APG-Vorstand Christiner stellte dazu klar: „Wenn wir hier von Verkabelung im großen Stil reden, wäre das finanziell gar nicht machbar. Das würde das System sprengen und die Netztarife im Land massiv in die Höhe treiben. Das muss ja am Ende auch von den Kunden bezahlt werden!“

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