Mysteriöser Brandgeruch in Kärnten: Das steckt dahinter
Fenster auf – und plötzlich riecht es nach Rauch: Genau das ist am Sonntagmorgen so einigen Kärntnern aufgefallen. Doch woher kommt der Brandgeruch? Wir haben nachgefragt.
Wer am Sonntag in der Früh in so einigen Kärntner Orten lüften wollte, dürfte sich gewundert haben: Ein deutlicher Brandgeruch liegt in der Luft. Mehrere Leser meldeten sich deshalb bei 5 Minuten. Brennt es etwa auch in Kärnten? Wir haben bei GeoSphere Austria nachgefragt, was da los ist.
„Ziemlicher Rauchgeruch, vernebelter Himmel“
„In Villach-Auen riecht es derzeit komisch. Brennt es in der Nähe?“, wollte ein Leser am Sonntag in der Früh von 5 Minuten wissen. Und er blieb mit seiner Beobachtung nicht allein. Eine weitere Nachricht erreichte uns wenig später: „Die Luftqualität in Villach ist heute Morgen ganz schlecht! Ziemlicher Rauchgeruch, vernebelter Himmel, Berge und Sonne fast nicht zu sehen!“ Tatsächlich liegt am Sonntagmorgen ein auffälliger Schleier über dem Raum Villach. Den Grund dafür findet man in unserem Nachbarland.
Rauch dürfte aus Italien nach Kärnten ziehen
Meteorologe Michael Tiefgraber von der GeoSphere hält es für sehr wahrscheinlich, dass die Ursache für den Brandgeruch die derzeitigen Waldbrände in Norditalien sind. „Es liegt sehr nahe, dass wir Rauchschwaden von den Waldbränden in Italien über das Gailtal bis ins Klagenfurter Becken bekommen“, erklärt er gegenüber 5 Minuten. Gerade in Villach sei die Situation ziemlich eindeutig. Doch der Rauch dürfte sich noch deutlich weiter nach Osten ausgebreitet haben. „Sogar bis ins Klagenfurter Becken sieht man eine Trübung“, so Tiefgraber.
Windrichtung passt genau
Auch ein Blick auf die Wetterlage stützt diese Erklärung. Die Luft sei derzeit zwar sehr trocken, trotzdem sei eine deutliche Trübung am Himmel erkennbar. Hinzu kommt die Windrichtung: Am Dobratsch herrscht Südwestwind – und damit genau jene Strömung, die Rauch aus Norditalien nach Kärnten transportieren kann.
Heißes Wetter begünstigt Waldbrandgefahr
Dass Rauch von Waldbränden südlich der Grenze bis zu uns gelangt, sei grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. „Wenn die Windrichtung passt, dann erreicht uns das schon“, erklärt der Meteorologe. Außergewöhnlich sei heuer vielmehr das Ausmaß der Waldbrände in Europa. Die anhaltend heiße und trockene Witterung begünstigt deren Entstehung und Ausbreitung.
Seit Tagen brennt es in Norditalien
Besonders heftig wüten die Flammen derzeit in Friaul-Julisch Venetien. Zwischen Tolmezzo und Amaro kämpfen die Einsatzkräfte seit Tagen gegen einen Großbrand am Monte Amariana. Zuletzt waren darüber hinaus noch mehrere weitere Waldbrände in den Bergen Karniens und des nördlichen Friauls aktiv.
Rauch macht auch in Italien Probleme
Der Rauch bereitet inzwischen auch auf italienischer Seite Probleme. Dort wird die Luftqualität bereits überwacht, nachdem an einzelnen Messstellen erhöhte Feinstaubwerte festgestellt worden waren. Die Löscharbeiten laufen unterdessen mit einem internationalen Großaufgebot weiter. Italienische und slowenische Löschflugzeuge haben in den vergangenen Tagen sogar Wasser aus dem Kärntner Weissensee aufgenommen.
Am Nachmittag sollte es besser werden
Lange dürfte der ungewöhnliche Rauchschleier über Kärnten allerdings nicht bleiben. Tiefgraber erwartet bereits im Laufe des Sonntagnachmittags eine Besserung. Mit aufkommendem Nordwind und Gewittern sollte der Rauch zunehmend verdrängt werden. Spätestens am Montag dürfte sich das Problem erledigt haben: Dann ziehen eine Kaltfront und Gewitter durch, prognostiziert Tiefgraber.