Mit 107 Jahren verstorben: Große Trauer um Kärntner mit bewegtem Leben
Mit Herbert Colledani verstarb kürzlich ein Stück Kärntner Geschichte: Der Hermagorer hat seine Augen im 108. Lebensjahr für immer geschlossen.
Mit Herbert Colledani ist einer der ältesten Kärntner überhaupt verstorben: Der Hermagorer wurde unglaubliche 107 Jahre alt. Dabei blickte er auf ein bewegtes Leben zurück: Krieg und Gefangenschaft gehörten ebenso dazu wie der Aufbau einer eigenen Weberei, 76 Ehejahre und eine Familie, die über fünf Generationen wuchs.
107. Geburtstag gefeiert
Geboren wurde Herbert Colledani am 13. April 1919 in Mauthen – zu einer Zeit, als die Republik Österreich gerade einmal wenige Monate alt war. Am 8. September ist der Hermagorer im 108. Lebensjahr friedlich entschlafen. Erst im April hatte der älteste Gemeindebürger Hermagors seinen 107. Geburtstag gefeiert.
Als junger Mann in den Krieg geschickt
In einem so langen Leben passiert naturgemäß so einiges: Aufgewachsen bei seinen Großeltern, entschied sich Colledani für das Weberhandwerk und begann eine Lehre bei der Weberei Pichler im Gitschtal. Doch mit 21 Jahren nahm sein Leben eine dramatische Wendung: Er wurde zum Kriegsdienst eingezogen. Zwischen 1940 und 1945 wurde der junge Kärntner in Russland eingesetzt. Hunger, verwundete Kameraden und der Tod wurden dort zu seinen ständigen Begleitern. Auch Colledani selbst wurde verletzt. Nach einem Schuss in den Fuß kam er gegen Kriegsende zunächst in ein Lazarett und anschließend in amerikanische Kriegsgefangenschaft in Deutschland, wie die Kleine Zeitung berichtet.
Mehr als 1.000 Kilometer zurück nach Kärnten
Doch Colledani wollte nach Hause. Ihm gelang die Flucht aus der Gefangenschaft – danach machte er sich zu Fuß auf den Weg zurück nach Kärnten. Mehr als 1.000 Kilometer lagen zwischen Westfalen und dem Gitschtal. Ende Juni 1945 erreichte er schließlich wieder seine Heimat. Nach den schweren Kriegsjahren begann für ihn ein völlig neuer Lebensabschnitt. 1946 heiratete er seine Anna. Was folgte, war eine außergewöhnlich lange gemeinsame Geschichte: 76 Jahre blieben die beiden verheiratet.
Sogar ein Ururenkelkind
In Hermagor machte sich Colledani beruflich einen Namen. Als Webermeister führte er seine eigene Weberei und wurde weit über Hermagor hinaus bekannt. Vor allem aber wuchs über die Jahrzehnte seine Familie: Drei Kinder, sieben Enkelkinder, zehn Urenkel und schließlich sogar ein Ururenkelkind gehörten dazu.
76 Jahre an der Seite seiner Anna
Ein Schlaganfall veränderte Colledanis Alltag im Jahr 2015 grundlegend. Fortan wurde er in einem Hermagorer Pflegeheim betreut. Drei Jahre später zog auch seine Frau Anna dort ein. 2022 musste Herbert Colledani nach 76 gemeinsamen Ehejahren von ihr Abschied nehmen. Sie starb im 100. Lebensjahr. Nun ist auch Herbert Colledani verstorben.
Hermagor nimmt Abschied
Die Aufbahrung findet am Montag, dem 14. September, ab 12 Uhr in der Aufbahrungshalle Hermagor statt. Um 14 Uhr beginnt die Verabschiedung. Anschließend wird Herbert Colledani auf dem Stadtfriedhof beigesetzt.