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Foto auf 5min.at zeigt einen Hubschrauber und das LKH Graz.
Die Folgen der Radiologie-Krise sind nun bei den Patienten angekommen.

Notfallplan wird Realität: Kärntner Patient musste nach Graz geflogen werden

Wenn jede Minute zählt, führt der Weg für Kärntner Patienten derzeit mitunter bis nach Graz. Die politische Kritik an der Radiologie-Situation wird immer lauter.

von Gerrit Tscheru Das Bild auf 5min.at zeigt Gerrit Tscheru.
4 Minuten Lesezeit(848 Wörter)
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Was als Notfallplan für personelle Engpässe gedacht war, ist nun bereits Realität geworden: Wegen einer Lücke im Dienstplan der interventionellen Radiologie am Klinikum Klagenfurt musste ein Patient mit dem Hubschrauber nach Graz gebracht werden. Die politische Kritik wird immer lauter.

Kärntner Patient nach Graz geflogen

Seit Anfang August sorgt die Zukunft der interventionellen Radiologie am Klinikum Klagenfurt für Diskussionen. Die Hintergründe dürften mittlerweile den meisten Kärntnerinnen und Kärntnern bekannt sein: Alle vier Ärzte des spezialisierten Teams haben aufgrund der untragbaren Arbeitsbedingungen gekündigt. Nun zeigen sich schon konkrete Folgen für Patienten: Wie der Medizinische Direktor des Klinikums, Hans-Jürgen Gallowitsch, gegenüber dem ORF bestätigte, musste bereits ein Patient zur weiteren Untersuchung und Behandlung nach Graz geflogen werden.

An 15 Tagen fehlt am Nachmittag ein Spezialist

Im September gibt es an insgesamt 15 Tagen ab 14.30 Uhr keinen spezialisierten Arzt für interventionelle Radiologie am Klinikum. Was das bedeutet, wird in einem Bericht des ORF Kärnten deutlich: Wird in dieser Zeit etwa bei einem Schlaganfall ein entsprechender Eingriff notwendig, erfolgt zunächst die Untersuchung und Erstversorgung in Klagenfurt. Anschließend wird Kontakt mit dem Universitätsklinikum Graz aufgenommen und der Patient bei entsprechender medizinischer Notwendigkeit dorthin gebracht. Beim ersten derartigen Fall habe der Transport laut Gallowitsch zeitgerecht funktioniert und der Patient sei in Graz behandelt worden. Kann ein Rettungshubschrauber aufgrund des Wetters nicht starten, steht ein Intensivtransportwagen für die Fahrt über die Pack zur Verfügung.

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Prettner: Keine Dauerlösung

Gesundheitslandesrätin Beate Prettner (SPÖ) hatte erst vor wenigen Tagen klargestellt, dass eine dauerhafte Verlagerung der interventionellen Radiologie aus Klagenfurt für sie nicht infrage komme. „Die Interventionelle Radiologie gehört an das Klinikum Klagenfurt. Daran gibt es für mich keinen Zweifel“, erklärte sie. Die Unterstützung anderer Krankenhäuser bezeichnete sie als „Sicherheitsnetz für zeitkritische Notfälle in der Übergangszeit“. Derzeit werde an einer Stabilisierung der Personalsituation gearbeitet. Im Raum steht ein Modell, bei dem ein Kernteam in Klagenfurt durch externe Spezialisten unterstützt wird.

Ein Bild auf 5min.at zeigt Landesrätin Beate Prettner.
©LPD Kärnten/Vouk
Beate Prettner erklärte kürzlich: „Die Interventionelle Radiologie gehört an das Klinikum Klagenfurt.“

Auch die Steiermark will keine Dauerlösung sein

Dass Graz längerfristig die Versorgungslücken in Kärnten auffängt, wird auch in der Steiermark kritisch gesehen. Der steirische Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) machte nach einem Gespräch mit der interventionellen Radiologie am Grazer Universitätsklinikum deutlich, dass regelmäßige Patiententransporte aus Kärnten kein dauerhaftes Modell sein können. Das Thema soll auch beim Treffen der Kärntner und steirischen Landesspitzen am kommenden Dienstag zur Sprache kommen. Eine eigene Spitalskooperation zwischen Kärnten und der Steiermark für diese Versorgung ist derzeit nicht vorgesehen.

Das Bild auf 5min.at zeigt Karlheinz Kornhäusl.
©Michaela Lorber
Karlheinz Kornhäusl will nicht, dass Patientenflüge nach Graz zur Dauerlösung werden.

FPÖ fordert „tragfähigen Plan“

In Kärnten löst der erste Patiententransport scharfe politische Reaktionen aus. FPÖ-Gesundheitssprecher Christoph Staudacher fordert von Prettner konkrete Antworten, wie es mit der Abteilung weitergehen soll. „Dass Patienten derzeit bei Bedarf nach Graz gebracht werden, kann nur eine vorübergehende Notlösung sein“, betont Staudacher einmal mehr. Besonders bei akuten Schlaganfällen sei Zeit ein entscheidender Faktor. Er fordert, den Fortbestand der interventionellen Radiologie in Klagenfurt „dauerhaft und in umfassender Qualität“ abzusichern.

Das Bild zeigt Christoph Staudacher auf www.5min.at.
©FPÖ
Christoph Staudacher will eine rasche Absicherung der interventionellen Radiologie in Klagenfurt.

Grüne: Ausfliegen ist ein „Alarmsignal“

Auch die Kärntner Grünen sehen die Entwicklung kritisch. Landessprecherin Olga Voglauer spricht angesichts der notwendigen Transporte nach Graz von einem „Alarmsignal“. Für sie müsse insbesondere aufgearbeitet werden, weshalb ein gesamtes Ärzteteam gekündigt habe. „Gute Ärztinnen und Ärzte hält man nicht mit Schönreden, sondern mit guten Arbeitsbedingungen und indem man ihre Expertise ernst nimmt“, so Voglauer. Durch die Koralmbahn werde außerdem der Wettbewerb um medizinische Fachkräfte zwischen Kärnten und der Steiermark weiter zunehmen. Darauf müsse sich das Land vorbereiten.

Das Bild auf 5min.at zeigt Olga Voglauer.
©Parlamentsdirektion/​Johannes Zinner
Grünen-Landessprecherin Olga Voglauer: „Gute Ärztinnen und Ärzte hält man nicht mit Schönreden.“

NEOS: „Von einer Notlösung in die nächste“

NEOS-Landessprecher Janos Juvan sieht hinter der aktuellen Situation ein grundsätzliches Problem des Kärntner Gesundheitssystems. Die geschlossene Kündigung erfahrener Spezialisten sei „kein kleiner Betriebsunfall, sondern ein massives Misstrauensvotum gegen die Kärntner Gesundheitspolitik“. Juvan fordert umfassendere Reformen und einen stärkeren Ausbau der Kliniken in Klagenfurt und Villach zu Zentren der Spitzenmedizin. „Solange die Landesregierung das System nicht reformiert, stolpern wir von einer Notlösung in die nächste“, kritisiert er.

Das Bild auf www.5min.at zeigt Janos Juvan.
©NEOS Kärnten
Janos Juvan will umfassende Reformen in den Kärntner Spitälern.

Team Kärnten warnt vor Transporten bei Schlechtwetter

Team-Kärnten-Chef Gerhard Köfer fordert ebenfalls eine langfristige Lösung für die Abteilung. Insbesondere die Alternative eines Transports auf der Straße sieht er kritisch: „Bei Schlechtwetter jemanden mit einem Schlaganfall nach Graz zu bringen, wenn jede Minute zählt, ist schwer nachvollziehbar.“ Für Köfer sind die vier Kündigungen ein Warnsignal, das Konsequenzen bei den Arbeitsbedingungen nach sich ziehen müsse. Gesundheitsreferentin und KABEG seien gemeinsam gefordert, die Versorgung dauerhaft abzusichern.

Ein Bild auf 5min.at zeigt Team-Kärnten-Chef Gerhard Köfer.
©LPD Kärnten/Wajand
Gerhard Köfer warnt vor Transporten von Notfällen über die Pack.

Hochspezialisierte Abteilung für zeitkritische Notfälle

Die interventionelle Radiologie spielt unter anderem bei schweren Schlaganfällen und inneren Blutungen eine wichtige Rolle. Über kleine Zugänge in Blutgefäßen können Spezialisten beispielsweise Gefäßverschlüsse öffnen oder Blutungen stoppen. Gerade deshalb ist die Personalsituation besonders brisant: Bei vielen dieser Erkrankungen ist eine möglichst rasche Behandlung entscheidend.

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