Bleibt oft jahrelang unbemerkt: Bei 35 Prozent schlug Gratis-Test Alarm
Vom 5. bis 17. Oktober 2026 bieten 64 Apotheken in Kärnten gratis Langzeit-Blutzuckertests an. Ein Pikser in den Finger liefert binnen Minuten ein Ergebnis, was die rechtzeitige Erkennung von Diabetes ermöglicht.
Um Diabetes frühzeitig zu erkennen, setzen das Land Kärnten und die Kärntner Apothekerkammer ihre gemeinsame Vorsorgeinitiative „Weil Zucker nicht nur süß sein kann“ bereits zum vierten Mal fort. Von 5. bis 17. Oktober besteht in 64 Kärntner Apotheken wieder die Möglichkeit, den Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c) gratis und ohne vorherige Terminvereinbarung ermitteln zu lassen. Das Angebot richtet sich vorrangig an Personen ab 45 Jahren ohne bekannte Diabetes-Erkrankung. Jüngeren Menschen wird eine Überprüfung insbesondere bei Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck oder nach einem Schwangerschaftsdiabetes empfohlen. Für die Messung reicht ein kleiner Piks in den Finger; das Resultat liegt bereits nach wenigen Minuten vor. Werden auffällige Werte festgestellt, folgt eine Empfehlung zur weiteren Abklärung bei der Hausärztin bzw. dem Hausarzt, in einer Diätologiepraxis oder bei Internisten.
35 Prozent der Teilnehmenden hatten auffällige Werte
Die Notwendigkeit dieser Maßnahme belegen die Ergebnisse des Vorjahres: 2025 nahmen 5.584 Personen das Angebot in Anspruch. Bei 1.640 Getesteten wurde Prädiabetes diagnostiziert, bei weiteren 296 Diabetes. Somit wiesen knapp 35 Prozent der Teilnehmenden auffällige Werte auf. „Wir starten diese Aktion wieder, weil die Ergebnisse eindeutig zeigen, dass wir damit Menschen erreichen, die sonst möglicherweise gar nicht wissen würden, dass es bei ihrem Blutzucker Auffälligkeiten gibt“, betont Gesundheitslandesrätin Beate Prettner (SPÖ). „Das sind nicht einfach 5.584 Messungen. Wir haben bei fast 2.000 Menschen ein gesundheitliches Risiko sichtbar gemacht, das ihnen vielfach vorher nicht bekannt war. Genau deshalb setzen wir die Aktion fort.“
Niederschwellige Früherkennung
Auch Apothekerkammer-Präsident Hans Bachitsch streicht den unkomplizierten Zugang heraus: „Die Stärke der Aktion ist ihre Einfachheit. Die Menschen müssen keinen komplizierten Weg auf sich nehmen: Sie kommen in eine der 64 Apotheken, lassen ihren Wert bestimmen und erhalten unmittelbar eine erste Orientierung. Gerade bei einer Erkrankung, die sich oft lange unbemerkt entwickelt, ist diese Niederschwelligkeit entscheidend.“ Begleitend zur Testaktion finden im November außerdem vier Informationsveranstaltungen in Spittal, Villach, Klagenfurt sowie Wolfsberg statt.
6,76 Millionen Euro eingespart
Dass sich der präventive Check auch finanziell auszahlt, belegt eine Modellrechnung des Instituts für Pharmaökonomische Forschung im Auftrag der Österreichischen Apothekerkammer. Durch die Testungen in den Apotheken werden im Vergleich zu einer Situation ohne Tests über fünf Jahre hinweg 6,76 Millionen Euro an direkten medizinischen Kosten eingespart. Bachitsch erklärt dazu: „Je früher ein Risiko erkannt wird, desto früher kann man gegensteuern – und desto eher können Komplikationen und kostenintensive Krankheitsverläufe verhindert werden.“