Klagenfurts Wirtschaft schlägt Alarm: Kein „weiter wie bisher“
Ernüchternd fällt die Bewertung für Klagenfurt in der Konjunkturumfrage aus: Rund 75 Prozent der Unternehmen sehen die Stadt als Wirtschaftsstandort neutral oder negativ. Für WK-Bezirksstellenleiter Markus Polka ein Warnsignal.
Über 12.000 Unternehmen sichern in Klagenfurt Stadt und Land mehr als 59.000 Arbeitsplätze. Zusätzlich werden in der Region knapp 2.000 Lehrlinge ausgebildet. Die Betriebe leisten aber noch mehr: Sie sind eine wichtige Einnahmequelle für die öffentliche Hand. In der Stadt Klagenfurt bringen sie jährlich rund 60 Millionen Euro an Kommunalsteuer auf – etwa ein Sechstel des Gesamtbudgets. Daher nimmt Wirtschaftskammer-Bezirksstellenobmann Franz Ahm den Tag der Arbeitgeber als Anlass für eine Standortanalyse: „Unsere Betriebe sichern den Wohlstand in der Region. Umso unverständlicher ist es, dass ihnen in Klagenfurt nach wie vor zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wird.“
Nicht nur Parkgebühren sorgen für Unmut
Nach Ansicht von Ahm fehlt es nicht an Konzepten, sondern an deren Umsetzung. Für Kritik sorgen außerdem jüngste Beschlüsse der Stadt. „Die Verdoppelung der Parkgebühren ist genau das falsche Signal“, so der Obmann. Hinzu kommt die sogenannte Benützungsabgabe oder „Luftsteuer“. Diese kostet die Betriebe jedes Jahr rund 13 Millionen Euro – eine Abgabe, die es nur in Klagenfurt gibt.
Viele Unternehmer pessimistisch
Die aktuelle Konjunkturumfrage für Klagenfurt würde diese kritische Einschätzung laut Ahm bestätigen. Die Erwartungen der Betriebe bleiben verhalten. Lediglich 25 Prozent der Unternehmen gehen von einem Umsatzplus aus. 39 Prozent rechnen dagegen mit schlechteren Zahlen. Ähnlich sieht es bei der Auftragslage aus – hier erwarten 40 Prozent eine negative Entwicklung. Bemerkbar macht sich dies auch bei Investitionen: 52 Prozent der Unternehmen planen aktuell keine. Für WK-Bezirksstellenleiter Markus Polka ist das ein klares Warnsignal: „Diese Zahlen zeigen, dass die wirtschaftliche Dynamik fehlt und damit Verbesserungsmaßnahmen dringend notwendig sind.“
„Ein Weiter wie bisher ist keine Option mehr“
Bei der Koralmbahn halten sich die Reaktionen ebenfalls in Grenzen. Mehr als die Hälfte der Firmen (57 Prozent) haben keine Erwartungen, und 47 Prozent gehen davon aus, dass sich für ihren Betrieb nichts verändert. „Es fehlen bislang konkrete Begleitmaßnahmen, klare Strategien und sichtbare Impulse für Betriebe vor Ort“, glaubt Polka. Die Bewertung von Politik und Verwaltung fällt besonders kritisch aus: Über 90 Prozent der Unternehmen stellen der Unternehmensfreundlichkeit kein zufriedenstellendes Zeugnis aus. Für Polka ist daher klar: „Ein Weiter wie bisher ist keine Option mehr. Es braucht jetzt entschlossenes Handeln, echte Reformen und eine Verwaltung, die unternehmerfreundlich agiert.“ Auch müssen die Unternehmen stärker eingebunden werden.
Wirtschaftskammer will Standort aktiv weiterentwickeln
Die Wirtschaftskammer hebt hervor, dass sie sich aktiv an der Weiterentwicklung des Standorts beteiligt. Das zeigt sich unter anderem bei der Mitarbeit am Wirtschaftsleitbild sowie am Stadtentwicklungskonzept. Doch für Ahm ist klar: „Stadtentwicklung ohne wirtschaftliche Perspektive bleibt unvollständig. Es geht darum, Flächen zu sichern, die Erreichbarkeit zu verbessern und die richtigen Rahmenbedingungen für Betriebe zu schaffen.“