Wettskandal in Kärnten? E-Mail aus Südkorea soll Aufklärung bringen
Mehr als fünf Jahre nach einem ÖFB-Cup-Spiel liegt der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eine wichtige Aussage aus Südkorea vor. Die komplexen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Spielmanipulation biegen auf die Zielgerade ein.
Es liefen die Schlussminuten in der ersten Runde des ÖFB-Cups am Freitag, dem 28. August 2020: Vor rund 700 Zuschauern feierte Austria Klagenfurt im Wörthersee Stadion, in einem der ersten Spiele nach dem COVID-Lockdown, einen klaren 7:1-Heimsieg gegen den oberösterreichischen Verein Stadl-Paura. Allein in den letzten zehn Spielminuten fielen drei Tore. Was wie ein normaler Kantersieg wirkte, hatte allerdings ein juristisches Nachspiel.
Auffällige Wetteinsätze in Asien
Ein Spieler von Stadl-Paura vertraute sich Tage später der Polizei an und gab an, dass man es den Klagenfurtern beim Toreschießen nicht sehr schwer gemacht habe. Wie die „Kleine Zeitung“ berichtete, waren auf dem asiatischen Markt umgerechnet rund 300.000 Euro darauf gesetzt worden, dass Stadl-Paura späte Gegentore kassiert und insgesamt mehr als fünf Treffer fallen, der Gewinn soll sich im Millionenbereich bewegt haben.
Spur zum Hauptsponsor
Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt leitete im September des selben Jahres ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Betrugs ein. Im Fokus steht der damalige Sponsor von Stadl-Paura, ein Unternehmer, der in Südkorea eine große Fastfood-Kette betreibt. Das bereits im Februar 2022 gestellte Rechtshilfeersuchen zur Befragung des Mannes ist nun eingetroffen. Laut StA-Sprecher Markus Kitz bestreitet der Beschuldigte im Medienbericht jeglichen Tatzusammenhang. Dennoch steht das Verfahren nach der Auswertung dutzender Konten und hunderten Seiten vor dem Abschluss. Anfang Juni ist der Abschlussbericht des Landeskriminalamtes bei der Staatsanwaltschaft eingelangt. „Der wird derzeit geprüft“, so Kitz im Medienbericht. In den kommenden Monaten entscheidet sich, ob es zu einer Einstellung, Anklagen oder weiteren Ermittlungen kommt.
Unschuldsvermutung
Weder Austria Klagenfurt noch die heutigen Verantwortlichen von Stadl-Paura wussten von den Manipulationen. Letztere haben den oberösterreichischen Klub nach dem Konkurs und dem Sponsoren-Aus lediglich saniert. Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Beteiligten.