Real Madrid in Klagenfurt: Rollstuhlfahrerin muss getrennt von Familie sitzen
Für eine dreiköpfige Familie wird das Real Madrid-Spiel in Kärnten wohl doch nicht zum erhofften gemeinsamen Ausflug. Sie müssen getrennt im Stadion sitzen.
Der Ticketverkauf für das Kräftemessen zwischen Real Madrid und dem AC Florenz am 1. August im Klagenfurter Wörthersee Stadion hat alle Erwartungen übertroffen: Wie bereits berichtet, waren nach dem Verkaufsstart am Mittwoch um 12 Uhr innerhalb von nur vier Stunden sage und schreibe 24.000 Eintrittskarten vergriffen.
„Kann ihn natürlich nicht alleine lassen“
Auch Leserin Laura Gentile-Zube wollte beim Kartenverkauf zuschlagen und konnte sich Tickets für sich, ihren Mann und Stiefsohn sichern. Sie selbst sitzt im Rollstuhl, weshalb geplant war, dass sie ein Ticket für sich mit einer Begleitperson sowie ein Ticket für ihren Stiefsohn kauft. Beim Ticketkauf stieß die Betroffene jedoch auf unerwartete Hürden in Bezug auf die Platzierung ihrer Familie. Am Telefon erkundigte sie sich nach einer gemeinsamen Lösung für den Stadionbesuch: „Ich habe (beim Ticketverkauf) angerufen aufgrund des Rollstuhltickets, einer Begleitperson und ein Ticket für meinen Stiefsohn“, erklärt sie. Auf die Nachfrage, ob der Stiefsohn mit auf die Rollstuhlrampe darf, wurde ihr telefonisch erklärt, dass dies nicht garantiert werden könne. Eine Trennung von dem Kind kam für die Familie jedoch nicht infrage: „Ich kann ihn natürlich nicht ohne Aufsicht alleine lassen, er ist zehn Jahre alt“, ergänzt sie.
„Getrennter“ Familienausflug
Das Spiel selbst war ein Geschenk für den Stiefsohn und somit schon einige Tage im Voraus geplant. Damit der Traum, die Stars live zu sehen, nicht platzt, musste man sich schlussendlich auf eine eher unangenehme Lösung einigen. „Ich habe ein Rollstuhlticket (inkl. Begleitperson) genommen und zwei normale Tickets für meinen Mann und meinen Stiefsohn, damit sie einen Platz haben, ich sitze somit alleine auf der Rollstuhltribüne. Eigentlich wurden wir dadurch so gesagt räumlich getrennt beziehungsweise müssen separat im Stadion sitzen“, empfindet sie. Mit der Gesamtsituation ist sie verständlicherweise unzufrieden, da der Familienausflug somit „getrennt“ stattfinden muss. Die Möglichkeit für eine weitere Begleitperson auf der Rollstuhlrampe bleibt ihr zwar weiterhin offen, da ein zusätzliches Ticket inkludiert ist, doch die gemeinsame Platzierung als dreiköpfige Familie war so nicht möglich.
Die Sache mit dem Kontingent
Während die Mindestanzahl an Rollstuhlplätzen in einem Stadion baurechtlich vorgegeben ist, bleibt die genaue Ticket-Aufteilung und Platzierung von Begleitpersonen grundsätzlich der Organisation des jeweiligen Veranstalters überlassen. Für die Leserin ist es unverständlich, dass hier im Jahr 2026 noch keine allgemeine und komfortable Lösung für betroffene Familien existiert: „Es gibt genug Eltern im Rollstuhl, es kann nicht sein, dass dann ein Kind fast alleine sitzen muss.“ Veranstalter für das sportliche Großevent in Klagenfurt ist laut der Sportpark Klagenfurt GmbH der deutsche Anbieter Onside sports GmbH. Auf eine detaillierte Presseanfrage von 5 Minuten zu dieser Thematik gab es vonseiten des Anbieters mit Sitz in Hamburg bislang noch keine Antwort.