Diskussion um Besetzung im Frauenbüro in Klagenfurt
Die Leiterin des Klagenfurter Frauenbüros geht in Pension. Nun wird nach einer Nachfolge gesucht, doch die Stellenbeschreibung sorgt für Kritik.
Die derzeitige Leiterin Astrid Malle geht mit Ende des Jahres in den Ruhestand, derzeit sucht man nach einem „Nachfolger“. Zudem heißt es, dass Männer besonders erwünscht seien, da „im gegenständlichen Bereich kein ausgewogenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen vorliegt“. Das sorgt für Wirbel.
Mann soll bei gleicher Punktezahl bevorzugt werden
Auch heißt es, wenn ein Mann und eine Frau bei der Evaluierung dieselbe Punktezahl erreichen würden, so würde der Mann den Job bekommen. Dies habe die Personalabteilung der „Kleinen Zeitung“ bestätigt, welche zuerst berichtete. Dabei berufe sich die Stadt auf das Gleichbehandlungsgesetz, da der Anteil des Geschlechts, welches unterrepräsentiert sei, unter 50 Prozent liegt. Im Frauenbüro sind drei Frauen beschäftigt.
GRÜNE: „Ist völlig absurd“
Die Grünen üben an dem Vorgehen scharfe Kritik. „Ein Frauenbüro ist keine x-beliebige Magistratsabteilung, sondern eine Anlaufstelle für Frauen, die Beratung, Unterstützung und einen geschützten Raum brauchen. Dass die Stadt ernsthaft in Erwägung zieht, ausgerechnet hier Männer zu bevorzugen, ist völlig absurd“, reagiert Alina Filip, Kandidatin der Grünen Klagenfurt für die Gemeinderatswahl. „Im Klagenfurter Rathaus werden von 25 Abteilungen gerade einmal vier von Frauen geleitet. Aber ausgerechnet beim Frauenbüro entdeckt man plötzlich den Förderbedarf für Männer. Absurder wird’s nicht mehr“, sagt Stefan Samonig, Stadtparteiobmann der Grünen Klagenfurt. Filip betont noch: „Gerade weil Gewalt gegen Frauen, finanzielle Benachteiligung und strukturelle Ungleichheit noch immer Realität sind, braucht es ein Frauenbüro, das Frauen stärkt. Das falsche Signal wäre, ausgerechnet dort ein bürokratisches Gleichstellungsverständnis über den eigentlichen Auftrag dieser Einrichtung zu stellen.“
Bürgermeister äußert sich zur Kritik
Bürgermeister Christian Scheider reagiert auf die Kritik und betont, dass er nachvollziehen könnte, dass die Formulierung im Zusammenhang mit einem Frauenbüro auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint. „Aufgabe einer öffentlichen Verwaltung ist es jedoch nicht, Gesetze nach ihrer medialen Wirkung auszulegen, sondern sie anzuwenden. Wenn der Kärntner Landesgesetzgeber eine solche Bestimmung beschließt, dann hat sich die Verwaltung daran zu halten. Solange die Bestimmung in Kraft ist, wird sie von der Stadt Klagenfurt selbstverständlich rechtskonform umgesetzt“, heißt es in einer Stellungnahme. Eines sei dabei festzuhalten: „Der Hinweis bedeutet keinesfalls, dass ein weniger qualifizierter Mann einer besser qualifizierten Frau vorgezogen werden könnte. Maßgeblich bleiben ausschließlich die fachliche und persönliche Eignung. Eine Berücksichtigung des unterrepräsentierten Geschlechts kommt ausschließlich bei gleicher Qualifikation in Betracht“, so Scheider.
Frauenbüro sorgt für Diskussionen
Susanne Ebner, Leiterin der Gleichbehandlungsstelle des Landes Kärnten, teilte gegenüber der „Kleinen Zeitung“ mit, dass die Rechtslage aber nicht ganz eindeutig sei. Als Richtlinie sei nicht die Geschlechterverteilung im Frauenbüro zu betrachten, sondern ausschlaggebend sei auch die Zahl der Frauen im Magistrat, welche in Führungspositionen seien.