Nach Radiologie-Wirbel: Ärztekammer erhöht den Druck
Im Streit um die Zukunft der interventionellen Radiologie am Klinikum Klagenfurt erhöht die Ärztekammer den Druck. Mit einem offenen Brief an die Landesregierung fordert sie rasche Lösungen und warnt vor Folgen für die Patienten.
Die Debatte um die Zukunft der interventionellen Radiologie am Klinikum Klagenfurt geht in die nächste Runde. Nachdem der Abgang des Abteilungsleiters bereits für Kritik gesorgt hatte, wendet sich die Kärntner Ärztekammer nun mit einem offenen Brief direkt an die Landesregierung. Sie warnt davor, die Versorgung in diesem hochspezialisierten Bereich aufs Spiel zu setzen.
„Ernstzunehmendes Warnsignal“
In dem Schreiben appellieren Ärztekammer-Präsident Markus Opriessnig und Vizepräsident Maximilian Miksch, die Sicherstellung der interventionellen Radiologie zur gesundheitspolitischen Priorität zu machen. Sie betonen:
Der mögliche Verlust hochqualifizierter Ärztinnen und Ärzte sowie anderer spezialisierter Gesundheitsberufe und einer über Jahre aufgebauten Expertise stellt ein ernstzunehmendes Warnsignal dar.“
Das leistet die Radiologie
Die Interventionelle Radiologie übernimmt unter anderem die Behandlung akuter Schlaganfälle, stillt lebensbedrohliche Blutungen oder öffnet verschlossene Blutgefäße – häufig ohne große Operation. Da diese Eingriffe rund um die Uhr verfügbar sein müssen, bezeichnet die Ärztekammer den Bereich als „zeitkritisch“ und „nicht beliebig ersetzbar“.
Sorge um eingespieltes Team
Besonders besorgt zeigt sich die Ärztekammer über den möglichen Verlust weiterer Fachkräfte. Spitzenmedizin sei das Ergebnis eingespielter Teams aus Ärzten, Pflegekräften, Radiologietechnologen sowie Anästhesie- und Intensivpersonal. Wenn erfahrene Mitarbeiter ihre berufliche Zukunft infrage stellen oder Teams auseinanderzubrechen drohten, sei das ein deutliches Warnsignal, heißt es in dem offenen Brief.
Streit begann mit Abgang des Abteilungsleiters
Auslöser der Debatte ist der angekündigte Wechsel von Oberarzt Luca De Paoli, der seit 2014 am Klinikum tätig ist und seit 2024 das Department für interventionelle Radiologie leitet. Die Ärztekammer hatte dessen Abgang erst vor wenigen Tagen als „großen Verlust für das Kärntner Gesundheitssystem“ bezeichnet und vor möglichen Folgen für die Patientenversorgung gewarnt.
KABEG widersprach den Vorwürfen
Die Kärntner Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft (KABEG) hatte die Kritik zuletzt entschieden zurückgewiesen. Man habe alle Punkte eines gemeinsam mit dem Team erarbeiteten Fünf-Punkte-Plans umgesetzt. Zudem sei das Angebot, den Bereich personell zu verstärken, von De Paoli mehrfach abgelehnt worden. Die Patientenversorgung sei „seit Jahren auf höchstem Niveau“ und auch künftig gesichert, betonte die KABEG. Es gebe ausreichend Personal, um das Leistungsangebot der interventionellen Radiologie weiterhin aufrechtzuerhalten.
Ärztekammer fordert rasche Lösungen
Die Ärztekammer fordert nun die Landesregierung auf, gemeinsam mit KABEG, Klinikleitung, Betriebsrat und Ärztekammer rasch Lösungen zu erarbeiten. Ziel müsse es sein, die 24-Stunden-Versorgung in der interventionellen Radiologie langfristig abzusichern und hochqualifizierte Fachkräfte dauerhaft in Kärnten zu halten.
Das fordert die Ärztekammer konkret von der Landesregierung:
- Die Sicherstellung der 24/7-interventionell-radiologischen Versorgung soll als gesundheitspolitische Priorität behandelt werden
- Eine Sicherstellung der notwendigen finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen,
damit die KABEG und die Klinikleitung eine nachhaltige personelle Ausstattung und stabile Versorgungsstrukturen gewährleisten können. - Unterstützung bei Lösungen zur langfristigen Stabilisierung der Radiologie gemeinsam mit allen Verantwortungsträgern, der Ärztekammer für Kärnten und dem Betriebsrat.
- Schaffung von Rahmenbedingungen, die medizinische Spitzenkräfte und eingespielte interprofessionelle Teams langfristig im Kärntner Gesundheitswesen halten und weiter-
entwickeln.