„Bestialische Tierhaltung“: VGT zeigt Mastbetrieb erneut an
Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat ein Ehepaar aus dem Bezirk St. Pölten (Niederösterreich) wegen gravierender Mängel in deren Mastbetrieb angezeigt. Gegen den Landwirt lag bereits ein aktives Tierhaltungsverbot vor.
1.000 Tiere, die unter widrigsten Bedingungen ihr Dasein fristen: Der Verein gegen Tierfabriken hat einen Mastbetrieb aus Niederösterreich zum wiederholten Male angezeigt. Der Betrieb hält Rinder, Ziegen und Schafe. Auf zugespielten Videoaufnahmen ist ersichtlich, wie abgemagerte Ziegen zu verhungern drohen und Kühe kniehoch in eigenen Exkrementen stehen.
Landwirt bestritt, im Betrieb zu arbeiten
Am gestrigen Dienstag, dem 25. August 2026, stellte David Richter, VGT-Kampagnenleiter, den Landwirt mit Tierhaltungsverbot bei der Betriebszufahrt zur Rede: „Ich habe ihn gefragt, warum er immer noch im Stall mit den Tieren arbeitet. Ich habe Fotos von den verhungerten Ziegen und den Rindern in der Gülle gezeigt. Er hat bestritten, im Stall zu arbeiten, obwohl wir den aktuellen Videonachweis dafür haben.“ Mehrmals überfuhren der Landwirt und Familienangehörige mit ihren Autos dabei beinahe Katzen, die sich vor dem Betrieb aufhielten.
Wegen Tierhalteverbot: Tierhaltung offiziell auf Ehefrau übertragen
Seit Mai 2023 gilt für den einstigen Betreiber ein striktes Tierhaltungsverbot, weshalb die Tierhaltung offiziell auf seine Ehefrau übertragen wurde. Ein solches Verbot untersagt jedoch jeglichen Umgang mit Tieren – bei Missachtung droht die sofortige Abnahme. Auch gegen die neue Betreiberin läuft inzwischen ein Verfahren für ein Tierhaltungsverbot, das aktuell nach Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht Niederösterreich liegt. Nun läuft das Verfahren gegen die Frau.
Bereits 2022 wurden schreckliche Zustände dokumentiert
VGT-Sprecher David Richter zeigt sich empört über die Verzögerungen: Bereits 2022 seien unhaltbare Zustände mit Fäkalien und Kadavern dokumentiert worden. Obwohl der Mann seit 2023 nicht mehr im Betrieb arbeiten dürfe, habe sich an den Missständen nichts geändert. Es sei unverständlich, dass Schließung und Tierabnahme Monate oder Jahre auf sich warten lassen.
Kam mit Diversion davon
Anfang 2023 kam der Landwirt für die 2022 aufgedeckten Missstände noch mit einer Diversion davon. Aktuelle Beweise zeigen jedoch: Er arbeitet weiter im Betrieb und das Tierleid hält an. Damit riskiert er viel, denn die Staatsanwaltschaft kann das Verfahren in so einem Fall neu eröffnen und eine Verurteilung erwirken. Auch die Aussagen der Bezirkshauptmannschaft, wonach der Betrieb ohnehin engmaschig kontrolliert werden würde und die „Einhaltung tierschutzrechtlicher Vorgaben“ geprüft werde, kann David Richter so nicht stehen lassen.
„Entweder sind diese Kontrollen vollkommen zahnlos oder es gibt einfach keine Konsequenzen bei weitreichenden Übertretungen. Wenn Missstände sich über Jahre ziehen, kann doch nicht ernsthaft geantwortet werden, dass der Betrieb ohnehin regelmäßig kontrolliert wird!“ David Richter, VGT
Landesrätin Rosenkranz fordert Schließung
Die zuständige Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) sieht dringenden Handlungsbedarf: Der Betrieb gehöre zwar sofort geschlossen, wegen fehlender gesetzlicher Grundlagen für ein Express-Verbot auf Bundesebene und der Unterbringungsfrage von 1.000 Tieren sei dies aktuell jedoch schwer umsetzbar. Verfahren dürften sich trotz bestehender und angedrohter Verbote nicht durch Anfechtungen endlos ziehen. Nach Angaben von Rosenkranz kümmert sich derzeit die Tochter der Familie um die Tiere.