„Schließt die Tierfabriken!“ 400 Menschen versammeln sich vor Mastbetrieb in Traismauer
Nach erneuten Aufdeckungen schwerer Tierquälerei in einem Mastbetrieb im Bezirk St. Pölten-Land demonstrierten am Donnerstag rund 400 Menschen für ein konsequentes Eingreifen der Behörden.
Rund 400 Bürgerinnen und Bürger folgten dem Aufruf des Verein gegen Tierfabriken, kurz VGT, um vor einem skandalumwitterten Mastbetrieb in Traismauer (Bezirk Sankt Pölten, Niederösterreich) ein klares Zeichen gegen Tierleid zu setzen. Der Betrieb fällt seit 2013 immer wieder durch Verwahrlosung und Tierquälerei auf – von im Stall verhungerten Schafen und Ziegen bis hin zu roher Gewalt gegen die Tiere.
Tierhaltungsverbot läuft seit 2013: Trotzdem läuft Betrieb weiter
Obwohl gegen den Betreiber bereits ein Tierhaltungsverbot vorliegt und gegen seine Frau ein Verfahren läuft, geht der Betrieb weiter. Der VGT zieht die behördliche Aufsicht in Zweifel: Trotz 30 Kontrollen in vier Jahren führten Verstöße kaum zu echten Konsequenzen. Die Tierschützer fordern ein lückenloses Durchgreifen der Justiz und der Agrarbehörden, um derartiges Versagen im Tierschutzrecht künftig zu verhindern.
„Kontrolliert, dokumentiert, ignoriert?“
Mit deutlichen Botschaften auf ihren Schildern nahm die Demonstration Kurs auf die Behörden: Über die Kremser Straße zog der Protestzug durch Traismauer direkt zum Mastbetrieb. Dort klang die Aktion mit einer friedlichen Mahnwache und Ansprachen aus. VGT-Campaigner David Richter brachte die Wut der Menschen auf den Punkt: „Dass die Behörden noch immer nicht durchgreifen, ist schlicht unbegreiflich. Der Fall zeigt schmerzhaft auf, wie sehr unser Rechtssystem beim Tierschutz versagt.“
Keine neuerliche Überprüfung seit der Anzeige am 24. August
Unter den Demonstrierenden herrschte großes Entsetzen über das Ausbleiben behördlicher Konsequenzen: Seit der neuerlichen VGT-Anzeige vom 24. August gab es offenbar keine weitere Kontrolle vor Ort. Die Behauptung von Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ), das Aufdeckungsmaterial spiegle nicht die derzeitige Lage wider, stützt sich demnach nicht auf aktuelle Ermittlungen, sondern auf eine Überprüfung vom 12. August.
„Das dem VGT vorliegende Material entstand in der zweiten August-Woche, nur wenige Tage vor dem behördlichen Termin, der selbst Mängel bestätigte. Wenn nun widersprüchliche Angaben kursieren, belegt das lediglich, wie rasch sich die Situation für die Tiere verschlechtern kann. Ohne einen frischen Lokalaugenschein kann die Behörde Ende August schlichtweg nicht beurteilen, wie es im Betrieb aussieht.“ David Richter, Sprecher VGT
Offenlegung aller bisherigen Ermittlungsergebnisse
Die Aussage der Landesveterinärdirektion, im Fall des Skandalbetriebs seien alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft, stoßt beim VGT auf scharfe Kritik. Der Tierschutzverein betont, dass Tierschutzgesetze auch in der Landwirtschaft konsequent durchgesetzt werden müssen. Wer Rinder in Gülle-Seen hält oder Ziegen und Schafe sterben lässt, dürfe nicht länger nur mit Nachbesserungsaufträgen davonkommen, sondern müsse hart bestraft werden. Trotz 30 behördlicher Kontrollen in den letzten vier Jahren blieben echte Konsequenzen offenbar aus – der VGT fordert dazu nun vollständige Offenlegung der bisherigen Ermittlungsergebnisse.