Flugzeugabsturz im Attersee: Flugdaten liefern neue Hinweise
Nach dem tödlichen Flugzeugabsturz im Attersee in Oberösterreich rücken nun die letzten Minuten des Fluges in den Fokus. Daten zeigen einen starken Geschwindigkeitsverlust.
Noch ist nicht geklärt, warum die Tecnam P2002-JF am Mittwoch, dem 26. August, in den Attersee stürzte. Eine Analyse von Österreichs Luftfahrtmagazin „Austrian Wings“ beschäftigt sich nun mit den verfügbaren Flugdaten. Demnach verlief der Flug nach dem Start in Salzburg zunächst ohne erkennbare Auffälligkeiten. Gegen 11.22 Uhr änderte sich das Bild jedoch deutlich: Während die Maschine zuvor noch mit rund 95 Knoten unterwegs gewesen sein soll, sank die aufgezeichnete Geschwindigkeit innerhalb von weniger als einer Minute auf 49 Knoten. „Austrian Wings“ weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass solche ADS-B-Daten nicht vollständig exakt sein müssen.
Plötzliche Drehung
Auch der Kurs der Maschine veränderte sich laut der Auswertung kurz vor dem Ende der Aufzeichnungen ungewöhnlich stark. Bei einer angezeigten Höhe von rund 5.500 Fuß soll das Flugzeug innerhalb weniger Sekunden deutlich nach links gedreht haben. Kurz darauf endeten die verfügbaren Radardaten. Einen Notruf oder eine Funkmeldung über Probleme soll es nach dem derzeit bekannten Stand nicht gegeben haben. Genau diese Kombination aus stark sinkender Geschwindigkeit und schneller Kursänderung bewertet „Austrian Wings“ als auffällig.
Hinweise auf Trudeln
Das Luftfahrtmagazin bringt die Daten auch mit Berichten von Augenzeugen in Verbindung. Beobachter hatten geschildert, dass die Maschine steil beziehungsweise in einer drehenden Bewegung Richtung Wasser gefallen sei. Laut „Austrian Wings“ könnten diese Angaben gemeinsam mit den Flugdaten darauf hindeuten, dass das Flugzeug ins sogenannte Trudeln geraten ist. Dabei reißt die Luftströmung an einer Tragfläche ab und das Flugzeug bewegt sich drehend und steil nach unten. Es handelt sich dabei ausdrücklich nur um ein mögliches Szenario und nicht um eine offiziell festgestellte Absturzursache.
Ermittler am Zug
Die Überziehgeschwindigkeit der Tecnam P2002-JF liegt laut „Austrian Wings“ bei 41 Knoten und damit nur wenig unter dem zuletzt aufgezeichneten Wert von 49 Knoten. Warum die Maschine überhaupt derart langsam geworden sein könnte, ist derzeit offen. Ebenso ungeklärt ist, weshalb ein möglicher kritischer Flugzustand nicht mehr beendet werden konnte. Das Magazin betont selbst, dass seine Analyse weder der offiziellen Untersuchung vorgreifen noch Verantwortung zuweisen soll. Klarheit soll deshalb erst die Untersuchung des Wracks durch die zuständigen Experten bringen.
Bergung geplant
Bei dem Absturz kamen nach bisherigen Berichten ein 24-jähriger Fluglehrer und eine 19-jährige Flugschülerin ums Leben. Das Wrack wurde in mehr als 160 Metern Tiefe im Attersee geortet. Laut „Austrian Wings“ ist die Bergung für Samstag vorgesehen. Erst die anschließenden Untersuchungen könnten zeigen, ob sich die Hinweise aus den Flugdaten bestätigen und was tatsächlich zum tödlichen Absturz geführt hat.