
Alles viel zu teuer: „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll“
Die Kosten für Lebensmittel, Benzin und das Leben an sich, sind in den letzten Jahren explodiert. Immer mehr Leute wissen nicht mehr, was sie tun sollen und machen sich Sorgen. Elisabeth hat ihr Schweigen gebrochen.
Es ist Samstagabend, der 23. des Monats – Elisabeth* sitzt zu Hause und hadert mit sich. Eine Freundin hat sie gefragt, ob sie spontan noch weggehen wollen. Zuerst erfindet sie eine Ausrede und sagt, dass sie müde sei, dann kommt sie sich dabei blöd vor, weil sie glücklicherweise Menschen um sich hat, zu denen sie ehrlich sein kann und sagt: „Ist mir zwar etwas unangenehm, aber kannst du mir vielleicht 30 oder 50 Euro leihen, ich habe genau noch zehn Euro bis zum Ende des Monats in meiner Geldtasche.“
„Ich will diese Dinge ansprechen“
Da ist das Auto aber noch nicht getankt, der Kühlschrank noch ziemlich leer und feiern oder essen gehen mit Freunden ist ein Luxus – da bekommt sie schon Bauchweh. Doch das Schlimme daran ist nicht, dass sie ein ungutes Gefühl hat, das kennt jeder ab und zu mal. Das wirklich Zerfressende daran ist, dass sie es nicht anders kennt, das geht schon länger so. Sie erzählt im Gespräch mit 5 Minuten, dass sie manchmal große Angst hat, ob es sich diesen Monat wieder ausgehen wird und sie hasst es, so zu tun als wäre alles in Ordnung. Deshalb hat sich Elisabeth an die 5-Minuten-Redaktion gewandt: „Ich will diese Dinge ansprechen, es wird zu wenig darüber gesprochen und ich weiß, dass ihr für eure Leser immer ein offenes Ohr habt.“ Die Österreicherin ist 31 Jahre alt, alleinstehend und gesund, doch sie weiß ganz oft nicht mehr weiter.
Ein weiteres Problem
Sie betont, dass sie immer versucht hat, ihren Weg im Leben zu finden. „Ich war gut in der Schule, habe mich um die Dinge sorgfältig gekümmert, habe studiert und immer nebenbei gearbeitet“, spricht sie weiter: „Aber das Leben verläuft nicht immer geradlinig und es ist viel passiert. Auch mit meinem nahen Umfeld war es nicht leicht. Wenn du gefühlvoll und wissbegierig bist, dann gehst du, wenn du Narzissten im Umfeld hast, ein. Denn Menschen mit narzisstischen Persönlichkeiten wollen dich klein halten, permanent unter Kontrolle haben und manipulieren dich auf ihre Art.“ Aus jahrelangen Verhaltensweisen ihr gegenüber resultierte eine Angststörung und regelmäßige Panikattacken. Elisabeth erzählt, dass sie auch in Therapie war und dass es ihr jetzt diesbezüglich sehr gut gehe. Dann gibt es aber neben emotionalen Herausforderungen, die ein Mensch bewältigen muss, auch ein weiteres Problem, das vor allem Jungen enorm zusetzt.
Mehr Monat als Geld übrig
Am 23. des Monats kein Geld mehr am Konto zu haben, im Minus zu sein und auch nicht wirklich was in der Tasche zu haben, ist für sie teilweise normal, denn „alles kostet viel zu viel, ich komme wirklich so schwer zurecht und ich arbeite, wie jeder andere auch. Wenn man sich überlegt, dass der Tank für das Auto doppelt so viel kostet, als vor Jahren noch.“ Außerdem gehe sie sowieso nur zu Hofer und Lidl einkaufen. „Es ist für mich kein Luxusproblem am Ende mehr Monat als Geld am Konto zu haben, damit ich mein Auto tanken kann, um in die Arbeit zu fahren oder damit ich mir Essen kaufen kann. Ich denke teilweise auch nicht mal daran, auf Urlaub zu fahren, weil sich das gefühlt eh nie ausgeht. Ich muss ja schließlich wo wohnen, brauche ein Auto und muss Versicherungen zahlen. Essen muss ich auch, gesund muss ich auch bleiben, weil wer weiß, wann ich einen Arzttermin bekomme. Und dann soll es mir aber peinlich und unangenehm sein, wenn ich eine Freundin fragen muss, ob sie mir Geld leihen kann, DAMIT ICH ESSEN KAUFE FÜR MICH?!“ Sie ist verärgert, denn sie fühlt sich als Mensch vom System eher sabotiert als unterstützt, wenn man bedenkt, dass ständig alles teurer wird.
„So wie sich meiner Meinung nach Österreich entwickelt..“
Im Gespräch mit 5 Minuten betont sie, dass es ihr mit dieser Geschichte nicht darum gehe, sich wichtig zu machen, sondern dass sie darauf aufmerksam machen möchte, dass sie selbst jung und gesund ist, es aber noch schwieriger sein muss für Menschen, die das vielleicht nicht sind. „Was ist denn mit denjenigen, die nicht ganz gesund sind? Was ist denn mit alleinerziehenden Müttern? Was ist denn mit Frauen oder Männern, die auch noch Angehörige pflegen müssen? Ich habe keine Kinder und das ist schon der nächste Punkt“, ärgert sie sich. „So wie sich meiner Meinung nach Österreich entwickelt, bin ich an einem Punkt, wo ich aktuell keine Kinder will und ich liebe Kinder eigentlich. Aber wenn ich mir jetzt schon finanziell so schwertue, wie wird das denn mit einem Kind, an ein zweites kaum zu denken?“ Eigentlich möchte sie sich in ihrem Leben nur wohlfühlen, sagt sie: „Ich verstehe auch mittlerweile diesen ganzen Egoismus, der in der Welt herrscht. Warum? Weil jeder jeden Tag hart kämpfen muss, nur wollen wir wirklich da bleiben? Soll so wirklich unsere Gesellschaft aussehen?“
„Irgendwie kein Ausweg“
Sie weiß, dass sie nicht die Einzige ist, die sich finanzielle Sorgen macht, obwohl sie Vollzeit arbeitet. „Es ist halt alles teurer geworden und die Leute können sich nichts mehr leisten, schlimm ist nur diese Angst, die in den Menschen hochkriecht und auch in mir regelmäßig, weil du irgendwie keinen Ausweg mehr siehst.“ Sie wisse nicht, was sie macht, wenn jetzt plötzlich in der Wohnung etwas Gröberes zu machen wäre oder beispielsweise ihr Auto eine kostspielige Reparatur brauchen müsste, „denn es ist ja bereits der 23. und ich hab zehn Euro eingesteckt.“ Abschließend richtet Elisabeth einen Appell an die Menschen: „Es kann nicht sein, dass man die Kosten so explodieren lässt. Es kann nicht sein, dass man als Mensch ständig wo absagen muss, weil du weißt, dass du dir gerade das Schnitzel wieder mal nicht leisten kannst und es kann nicht sein, dass diejenigen, die sich bemühen und arbeiten, die sind, die ständig durch die Finger schauen und dann auch noch Angst haben müssen, ob sie diesen Monat am Ende überhaupt noch was Essen können.“
*Der Name wurde von der Redaktion geändert.
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