Cashback statt Restmüll: Neue Regeln für Batterien?
Immer mehr Brände in Abfallbetrieben gehen auf falsch entsorgte Lithiumbatterien zurück. Der VOEB fordert ein Cashback-System. 81 Prozent der Österreicher würden Batterien gegen Geld zurückgeben.
Es brennt immer öfter in Österreichs Abfallwirtschaftsbetrieben und die Ursache sind in vielen Fällen falsch entsorgte Lithiumbatterien. Schon kleinste Reibung kann genügen, damit sie sich entzünden. Immer wieder kommt es dadurch zu Bränden, die nicht nur Abfallbetriebe, sondern auch Einsatzkräfte und Anrainer gefährden.
Acht von zehn für Cashback
Um gegenzusteuern, fordert der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) ein Cashback-System: Wer Batterien korrekt entsorgt, soll dafür sofort Geld zurückbekommen. In einer aktuellen, repräsentativen Umfrage sprechen sich 81 Prozent der Österreicher für dieses Modell aus. Auch im Umweltministerium ist das Problem angekommen. Gemeinsam mit Vertreter aus Abfallwirtschaft, Handel, Industrie und Versicherungswesen werden konkrete Lösungen ausgearbeitet.
Gefährliche Brandstifter im Alltag
Lithiumbatterien sind in zahlreichen Alltagsprodukten verbaut: von Handys und elektrischen Zahnbürsten über blinkendes Kinderspielzeug bis hin zu singenden Grußkarten. Auch Einweg-E-Zigaretten gehören dazu. Entsorgt werden dürfen sie nur im Handel – etwa in den „Her mit Leer“-Boxen – oder in Batteriesammelstellen. VOEB-Präsidentin Gabriele Jüly betont: „Rund um Lithiumbatterien herrscht hoher Aufklärungsbedarf. Die Bevölkerung will und muss besser informiert werden, um bei der Entsorgung von möglicherweise gefährlichen Produkten zu wissen, wie sie Brände verhindern kann. Auch die Hersteller sind gefordert: Nicht nur müssen Lithiumbatterien in entsprechenden Produkten klar erkennbar sein, auch die korrekte Sammlung und Entsorgung muss sichergestellt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um alte Mobiltelefone, elektrische Zahnbürsten, blinkendes Kinderspielzeug oder singende Grußkarten handelt.“
Sammelquoten müssen steigen
Die EU-Batterieverordnung schreibt vor, dass die Rücknahmequote für Gerätebatterien bis 2030 auf 73 Prozent steigen muss. Derzeit liegt Österreich bei 53 Prozent. Das bedeutet, dass eine Steigerung um rund 50 Prozent notwendig ist. Dazu hat der VOEB mehrere Forderungen formuliert:
- Einführung eines Cashback-Systems
- Verbot von Einweg-E-Zigaretten
- Bessere Kennzeichnung von Geräten mit Lithiumbatterien
- Mehr Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung
Feuerwehr schlägt Alarm
Robert Mayer, Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes (ÖBFV), warnt vor den Folgen: „Jede Lithiumbatterie, die statt im Handel oder Altstoffsammelzentrum im Restmüll entsorgt wird, ist eine potenzielle Lebensgefahr für Betriebspersonal, Einsatzkräfte und Anrainer. Wir haben es mit einer exponentiell steigenden Zahl von verheerenden Bränden zu tun, die durch Lithiumbatterien ausgelöst werden. Und zwar nicht nur in der Abfallwirtschaft, sondern auch in den eigenen vier Wänden.“
Experten beraten in Wien
Mehr als 150 Experten aus Abfallwirtschaft, Feuerwehr, Brandprävention und Wissenschaft trafen sich diese Woche in Wien, um über Lösungen zu beraten. Sie einigten sich unter anderem auf:
- die Ausarbeitung eines Cashback-Plans
- die Ausweitung der Rücknahmeverpflichtung im Handel auf kleine Geschäfte
- eine Aufstockung der Mittel für Öffentlichkeitsarbeit
- Gespräche über Ausgleichsmaßnahmen bei Brandschutz-Versicherungen
- verstärktes Engagement auf EU-Ebene für länderübergreifende Lösungen
Wertvolle Rohstoffe durch Recycling
Neben der Brandgefahr spielt auch die Ressourcensicherung eine große Rolle. Beim Recycling von Batterien können wichtige Rohstoffe wie Nickel, Lithium, Kobalt oder Mangan zurückgewonnen werden. Jüly erklärt: „Eine höhere Batteriesammelquote würde nicht nur Brände reduzieren. Beim Recycling von Batterien können wertvolle Metalle rückgewonnen werden. Dazu gehören kritische Rohstoffe wie Nickel, Lithium, Kobalt oder Mangan. In Zeiten von Ressourcenknappheit können wir es uns nicht leisten, dass Wertstoffe im Restmüll landen.“ Laut Umweltministerium wurden 2023 rund 430 Tonnen Lithiumbatterien getrennt gesammelt. Die Montanuniversität Leoben errechnete jedoch, dass drei Millionen Lithiumbatterien weiterhin im Restmüll landen.