„Belastungs- und Kürzungswelle“: Ärger bei Österreichs Pensionisten groß
Wie jedes Jahr werden auch mit 1. Jänner 2026 die Pensionen in Österreich wieder erhöht. Doch nicht jeder bekommt die Inflation voll abgegolten. Diese Tatsache stößt den Seniorenvertretern sauer auf.
2,7 Prozent waren ursprünglich der Plan, dabei handelt es sich um die Inflation von August 2024 bis Juli 2025. Das ist für gewöhnlich auch jener Wert, der dann für die Anpassung der Pensionen herangezogen wird. Lange hat es auch gut ausgesehen, erst als der Anpassungsfaktor feststand, wurde es erst ruhig, dann wurde in einzelnen Medienauftritten vonseiten der NEOS (seitens Sozialsprecher Johannes Gasser) und der ÖVP (seitens Bundeskanzler Christian Stocker) von einer durchschnittlichen Erhöhung deutlich unterhalb der Inflation gesprochen.
Fast jeder dritte Pensionist von Deckel betroffen
Schließlich wurde ein solches Vorhaben dann auch verkündet. Immerhin: Mehr als 70 Prozent der Betroffenen bekommen die Inflation dennoch voll abgegolten, die übrigen knapp 30 Prozent beißen in den sagenumwobenen „sauren Apfel“. Die Brutto-Erhöhung bleibt nämlich bei 67,50 Euro stehen, bei all jenen Menschen, deren Pension höher als 2.500 Euro ist, beträgt die Anpassung damit weniger als 2,7 Prozent. Alle Infos dazu hier: Jetzt fix: Pensionserhöhung 2026 wird vielen Österreichern „gekürzt“. Bernhard Angeler, der das Portal „rechner.at“ betreibt, hat 5 Minuten einige Werte zukommen lassen, die wir für euch in der folgenden Tabelle zusammengefasst haben.
| Brutto 2025 (in Euro) | Brutto 2026 (in Euro) | Netto-Plus (in Euro) | Erhöhung in Prozent |
| 1.300 | 1.335,10 | 32,99 | 2,7 |
| 1.400 | 1.437,80 | 35,53 | 2,7 |
| 1.500 | 1.540,50 | 38,07 | 2,7 |
| 1.600 | 1.643,20 | 40,61 | 2,7 |
| 1.700 | 1.745,90 | 39,87 | 2,7 |
| 1.800 | 1.848,60 | 41,89 | 2,7 |
| 1.900 | 1.951,30 | 41,97 | 2,7 |
| 2.000 | 2.054 | 41,93 | 2,7 |
| 2.100 | 2.156,70 | 43,44 | 2,7 |
| 2.200 | 2.259,40 | 44,95 | 2,7 |
| 2.300 | 2.362,10 | 46,46 | 2,7 |
| 2.400 | 2.464,80 | 47,97 | 2,7 |
| 2.500 | 2.567,50 | 49,47 | 2,7 |
| 2.600 | 2.667,50 | 49,47 | 2,6 |
| 2.700 | 2.767,50 | 49,46 | 2,5 |
| 2.800 | 2.867,50 | 51,39 | 2,41 |
| 2.900 | 2.967,50 | 51,39 | 2,33 |
| 3.000 | 3.067,50 | 51,39 | 2,25 |
| 3.100 | 3.167,50 | 51,39 | 2,18 |
| 3.200 | 3.267,50 | 50,23 | 2,11 |
| 3.300 | 3.367,50 | 50,23 | 2,05 |
| 3.400 | 3.467,50 | 50,22 | 1,99 |
| 3.500 | 3.567,50 | 50,23 | 1,93 |
| 3.600 | 3.667,50 | 50,23 | 1,88 |
| 3.700 | 3.767,50 | 50,23 | 1,82 |
| 3.800 | 3.867,50 | 50,23 | 1,78 |
| 3.900 | 3.967,50 | 50,22 | 1,73 |
| 4.000 | 4.067,50 | 50,23 | 1,69 |
| 4.100 | 4.167,50 | 50,23 | 1,65 |
| 4.200 | 4.267,50 | 50,23 | 1,61 |
| 4.300 | 4.367,50 | 50,23 | 1,57 |
| 4.400 | 4.467,50 | 50,22 | 1,53 |
| 4.500 | 4.567,50 | 50,23 | 1,5 |
| 4.600 | 4.667,50 | 50,22 | 1,47 |
| 4.700 | 4.767,50 | 50,23 | 1,44 |
| 4.800 | 4.867,50 | 50,23 | 1,41 |
| 4.900 | 4.967,50 | 50,23 | 1,38 |
| 5.000 | 5.067,50 | 50,23 | 1,35 |
Wie stark steigt deine Pension 2026 an?
„Wurden erst in letzter Minute eingebunden…“
Mit dieser für viele Österreicher nur teilweisen Erhöhung können die Pensionistenvertreter allerdings nicht allzu viel anfangen. So ärgert sich etwa Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec gegenüber 5 Minuten: „Wir wurden erst nach unseren Protesten in letzter Minute eingebunden und informiert, obwohl wir als Seniorenrat (Anm. Vereinigung aller Pensionistenverbände) gesetzlich anerkannter Sozialpartner sind. Das war unfair und darf nicht wieder vorkommen.“ Auch der Pensionistenverband Österreich und dessen Präsidentin, Birgit Gerstorfer, hätte sich „gewünscht und erwartet, dass wir von Anfang an in die Gespräche eingebunden werden“. Beide Organisationen haben übrigens eine Erhöhung von 2,7 Prozent für alle Pensionisten gefordert. Mehr dazu hier: Mehr Geld für Österreichs Pensionisten ab 2026: „Wenig Spielraum…“.
Korosec: „Die Sache ist politisch entschieden“
Dass die Pensionserhöhung so wie sie jetzt steht noch gekippt werden könnte, glauben beide nicht. „Die Sache ist politisch entschieden“, so Korosec. Während man sich beim Seniorenbund aber mit öffentlichen Widerstandsbekundungen zurückhält, war der Pensionistenverband bereits auf der Straße vor dem Parlament. Alle Informationen dazu gibt es auch hier: Pensionisten auf der Straße: „Damit muss jetzt endlich Schluss sein“. Korosec kritisiert auch die erneute Staffelung, die es so in der Vergangenheit bereits gegeben hat: „Pensionen, die in den vergangenen zehn Jahren von Deckelungen betroffen waren, wurden im Durchschnitt um 14 Prozent gekürzt.“
Von KV-Beiträgen bis zur E-Card-Gebühr
Sowohl der Pensionistenverband als auch der Seniorenbund sprechen jedenfalls die starken finanziellen Belastungen an, mit denen die Ältesten hierzulande konfrontiert werden – angefangen bei den höheren Krankenversicherungs-Beiträgen bis hin zur Einführung der E-Card-Gebühr. Mit den finanziellen Belastungen müsse jetzt Schluss sein, sind sich beide einig. Punkto Pensionsanpassung fordert man für das kommende Jahr auch zeitgerecht Gespräche mit den Regierungsvertretern. „Es muss einen regelmäßigen Dialog geben – und am Ende faire Verhandlungen auf Augenhöhe, nicht Gespräche in letzter Minute“, so Korosec.
Pensionistenverband: „Für das nächste Jahr werden wir uns anders vorbereiten“
Prinzipiell erwartet man die volle Inflationsanpassung für alle Pensionisten im Jahr 2027. „Die Aufregung über die diesjährige Entscheidung war riesig. Von vielen unserer Mitglieder wurden Demonstrationen gefordert. Für das nächste Jahr werden wir uns anders vorbereiten“, erklärt der Pensionistenverband gegenüber 5 Minuten weiter. Dass die Last des Budgets „überwiegend von den Pensionisten getragen werden soll“ könne und dürfe nicht sein. Der Pensionistenverband spricht in dem Zusammenhang auch von einer „Belastungs- und Kürzungswelle“. Und weiter: „Vielmehr müssen Banken, Energieunternehmen, Spekulanten und Online-Riesen, die in den vergangenen Jahren Milliardengewinne gemacht haben, noch stärker in die Pflicht genommen werden.“ Mit Sozialministerin Korinna Schumann, die die geringere Pensionskürzung verkündet hat, habe man nichtsdestotrotz ein „gutes Gesprächsklima“, sind sich die Seniorenvertreter einig. „Wir sehen, dass sie die Notwendigkeit und Richtigkeit unserer Forderungen erkennt“, so der Pensionistenverband abschließend.