Massive illegale Wachteljagd im Burgenland aufgedeckt
Die kleinen Hühnervögel stehen auf der Europäischen Roten Liste und gelten als „potenziell gefährdet“. In Österreich dürfen sie aktuell nur im Burgenland gejagt werden – dort wurden jetzt massive illegale Jagdmethoden aufgedeckt.
Die Wachtel ist eine europaweit gefährdete Vogelart. In Österreich ist die Jagd nur im Burgenland erlaubt, doch in den letzten Jahren gab es dort mehrfach Hinweise auf illegale Bejagung. Deshalb ist die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich den Vorwürfen jetzt nachgegangen und hat die illegale Bejagung mit Klangattrappen im Bezirk Neusiedl am See (Burgenland) untersucht. Im September waren Teams der Organisation an mehreren Nächten vor Ort – und tatsächlich: Zwölf aktive Lockgeräte für Wachteln wurden in fünf Jagdrevieren festgestellt. An den Folgetagen konnte an genau diesen Standorten eine aktive Jagd dokumentiert werden. „Das ist ein klarer Beleg, dass die Geräte gezielt für die Bejagung der im Bestand stark rückläufigen Wachteln eingesetzt wurden“, so Johannes Hohenegger von BirdLife Österreich.
Verstoß gegen das österreichische Jagdgesetz
Solche elektronischen Klangattrappen sind nicht nur nach der EU-Vogelschutzrichtlinie, sondern auch nach dem österreichischen Jagdgesetz streng verboten. Sie ermöglichen, Vögel in großer Zahl anzulocken und zu töten. „Diese Geräte spielen nachts unablässig Vogelrufe ab, wodurch ziehende Vögel zur Rast in der Nähe des vermeintlichen Artgenossen bewogen werden“, erklärt der Experte Hohenegger: „Sobald es wieder hell ist, werden die Tiere vom scheinbar sicheren Rastplatz aufgescheucht und erschossen. Eine illegale Jagdpraxis, die gestoppt gehört!“
Wachtel gilt als „potenziell gefährdet“
Die Wachtel wiegt gerade mal rund 100 Gramm und ist damit mit Abstand der kleinste heimische Hühnervogel. In den vergangenen 25 Jahren ist der Bestand drastisch zurückgegangen – um etwa 56 Prozent. Sogar auf der europäischen Roten Liste gilt die Art als „potenziell gefährdet“. Aufgrund der abnehmenden Bestände und der hohen Abschusszahlen empfiehlt die EU-Kommission, die Jagd auf die Wachtel vorübergehend einzustellen, bis ein geregeltes Jagdmanagement etabliert ist.
Hunderte Wachteln jährlich getötet
Ein Blick auf die offiziellen Jagdstatistiken unterstreicht die Brisanz des Themas: Allein zwischen 2021 und 2023 wurden im Burgenland, besonders in den Bezirken Neusiedl, Oberpullendorf und Güssing, etwa 500 bis 700 Wachteln erlegt – und das, obwohl die Abschusszeit sich auf den September beschränkt. „Die recht hohen Abschusszahlen machen vor dem Hintergrund unserer Rechercheergebnisse Sinn. Anhand der Stichprobe müssen wir davon ausgehen, dass pro Jahr im Burgenland mehrere hundert Male Klangattrappen eingesetzt werden und die allermeisten Wachteln mithilfe dieser verbotenen Methode getötet werden“, rechnet Hohenegger vor.
BirdLife kritisiert mangelhafte Kontrolle bei der Jagd
Diese dokumentierten Verstöße zeigen ganz klar, dass die illegale Wachteljagd in manchen Gebieten mit dem Einsatz von Klangattrappen verbunden ist. Die Vogelschutzorganisation fordert einen sofortigen Jagdstopp auf diese Art und unterstreicht damit die Einschätzung der EU-Kommission. Auch eine Reform des Jagdaufsichtssystems muss ihrer Meinung nach erfolgen. Aus Sicht von BirdLife Österreich hat das System in Bezug auf die Wachteljagd weitgehend versagt und war jahrelang nicht in der Lage, dieser Praxis vorzubeugen. Dass es Reviernachbarn oder befreundeten Jagdaufseher:innen schwerfällt, sich gegenseitig zu kontrollieren und sanktionieren, ist menschlich verständlich. Dass die Politik dieses mangelhafte Aufsichtssystem bis heute nicht für reformwürdig hält, ist das eigentliche Problem!“, kritisiert Hohenegger.