EU-Parlament will Veggie-Begriffe wie „Burger“ und „Schnitzel“ verbieten
„Veggie-Burger“ und „Tofu-Wurst“ sollen verschwinden: Das EU-Parlament stimmte mehrheitlich dafür, Fleischbegriffe nur noch für tierische Produkte zuzulassen. Das Vorhaben ist aber noch nicht rechtskräftig.
Das EU-Parlament hat heute in Straßburg mehrheitlich für ein Verbot von Begriffen wie „Veggie-Burger“, „Tofu-Schnitzel“ oder „Soja-Wurst“ gestimmt. Damit sollen künftig Bezeichnungen wie Steak, Schnitzel, Wurst, Frikadelle, Hamburger, Eigelb und Eiweiß ausschließlich tierischen Produkten vorbehalten sein: Und das Ganze aus angeblicher Sorge vor Verwechslungsgefahr. Das Verbot ist noch nicht rechtskräftig, da die EU-Mitgliedsstaaten dem Vorhaben noch zustimmen müssen.
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SPÖ spricht von „Scheindebatte“
Kritik kommt aus mehreren politischen Lagern. SPÖ-EU-Abgeordneter Günther Sidl lehnt das Verbot ab und sieht darin eine „Scheindebatte“. Laut einer Aussendung der SPÖ-Delegation im EU-Parlament handle es sich um ein Ablenkungsmanöver der Europäischen Volkspartei. Statt über Wortverbote zu diskutieren, brauche es endlich eine verpflichtende Kennzeichnung tierischer Produkte nach Haltungsform und Herkunft. Auch der Vorsitzende der SPÖ-Bauern, Michael Schwarzlmüller, kritisiert das Vorgehen. Namensverbote würden keine Probleme lösen, so Schwarzlmüller laut SPÖ-Aussendung. Wichtiger seien faire Förderstrukturen, die die Arbeitskraft der Landwirten statt nur die Flächengröße berücksichtigen.
NEOS: „Wurst-Case-Szenario ist eingetreten“
Die NEOS sprechen von einem „Wurst-Case-Szenario“. NEOS-Europaabgeordnete Anna Stürgkh bezeichnete das Verbot in einer Aussendung als „Würstlpopulismus“, der kein einziges echtes Problem der Europäer löse. Bürger wüssten sehr wohl, was sie kaufen, so Stürgkh: „Sie greifen zu Fleischtomaten, ohne Fleisch zu erwarten, und kaufen Hot Dogs, ohne zu meinen, in einen Hund zu beißen“. Das Gesetz sei laut den NEOS ein Rückschritt für Landwirtschaft und Innovation, da es jene Betriebe treffe, die bereits in pflanzliche Alternativen investieren.
Grüne: „ÖVP ist Verbotspartei des Jahres“
Auch Thomas Waitz, Delegationsleiter der Grünen und Agrarsprecher, übte Kritik. Laut einer Aussendung bezeichnete er die Entscheidung als „Scheindebatte statt echter Unterstützung für Landwirte“. Die Europäische Volkspartei zeige mit ihrem Antrag „einen absoluten Fleisch-Fetisch“ und wolle Bürger bevormunden. Die Grünen stimmten gegen das Verbot und sprachen sich für mehr Einkommenssicherheit für Landwirten aus.
WWF und VIER PFOTEN: Fokus falsch gesetzt
Tierschutz- und Umweltorganisationen sehen die Entscheidung als völlig verfehlt. Der WWF Österreich bezeichnete die Debatte als „reine Augenauswischerei“. Anstatt über Bezeichnungen zu diskutieren, brauche es konkrete Anreize für eine stärker pflanzenbasierte Ernährung. Der Fleischkonsum in Österreich liege laut WWF viermal über der empfohlenen Menge. Auch VIER PFOTEN reagierte mit Unverständnis. Es sei „lächerlich“, Konsumenten nicht zuzutrauen, pflanzliche von tierischen Produkten zu unterscheiden. Statt Namensverboten müsse man sich endlich um die Reduktion des Fleischkonsums und um eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung kümmern.
Vegane Gesellschaft: „Fleischlobby hat sich durchgesetzt“
Felix Hnat, Obmann der Veganen Gesellschaft Österreich, bezeichnete das Abstimmungsergebnis als „bedenklich und enttäuschend“. Laut Hnat habe sich die Fleischlobby durchgesetzt. Das geplante Verbot bringe keinen Mehrwert und lege pflanzlichen Alternativen unnötige Steine in den Weg, so in einer Aussendung.