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Symbolfoto zu einem Beitrag von 5min.at: Eine Pflegerin hält die Hand einer alten Frau
Viele ältere Menschen sind auf 24-Stunden-Betreuung angewiesen. Agenturen fordern nun mehr finanzielle Unterstützung und klare Qualitätsstandards.

„800 Euro sind zu wenig“: Ruf nach Reform der 24-Stunden-Betreuung

Gesundheitsministerin Korinna Schumann will ab Februar 2026 die Qualität in der 24-Stunden-Betreuung verbessern. Vermittlungsagenturen begrüßen das Vorhaben, verlangen aber, bei den Reformgesprächen mit am Tisch zu sitzen.

von Julia Waldhauser Teamfoto von 5min.at: Julia Waldhauser ist für die Online-Redaktion Graz tätig.
2 Minuten Lesezeit(416 Wörter)

Die Pläne von Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) stoßen grundsätzlich auf Zustimmung: Ab Februar 2026 soll die Qualitätssicherung in der 24-Stunden-Betreuung auf neue Beine gestellt werden. Ziel ist, verbindliche Standards für Agenturen zu schaffen, die Pflegekräfte an Familien vermitteln. Vertreter der Branche begrüßen das, warnen aber, dass ohne ihre Beteiligung keine praxisnahen Lösungen entstehen.

Foto in Bericht von 5min.at: Zu sehen ist Sozialministerin Korinna Schumann bei einer Parlamentssitzung vor einem Rednerpult.
©Parlamentsdirektion/Thomas Topf

ÖBAP: „Transparente und fachlich fundierte Beteiligung ist dringend notwendig“

Karin Hamminger, Vorsitzende der Bundesinteressensgemeinschaft für Agenturen der Personenbetreuung (ÖBAP), erklärte gegenüber der APA, die angekündigte Reform sei „ein wichtiger Schritt“, müsse jedoch gemeinsam mit den Betroffenen erarbeitet werden. „Eine transparente und fachlich fundierte Beteiligung ist dringend notwendig“, betont sie.

Was ist die ÖBAP?

Die ÖBAP ist die Bundesinteressensgemeinschaft für Agenturen der Personenbetreuung.

Sie ist ein Zusammenschluss von Vermittlungsagenturen, die selbstständige Betreuungskräfte an pflegebedürftige Menschen in Österreich vermitteln. Der Verein vertritt nach eigenen Angaben rund 35 der größeren Agenturen im Land.

Die ÖBAP setzt sich für höhere Qualitätsstandards, bessere Rahmenbedingungen und faire Förderungen in der 24-Stunden-Betreuung ein. Außerdem fordert sie, bei politischen Reformen und Gesetzesänderungen in der Pflege aktiv eingebunden zu werden.

Kurz gesagt: Die ÖBAP ist die Stimme jener Agenturen, die den größten Teil der 24-Stunden-Betreuung in Österreich organisieren.

Wer sitzt in der Kommission?

Laut Ministerium wurde das Thema bereits auf die Agenda der nächsten Sitzung der Pflegeentwicklungskommission gesetzt. Doch wer dort tatsächlich vertreten ist, sorgt für Unmut. Hamminger fragt, warum weder gesetzliche Interessensvertretungen der Personenbetreuerinnen und -betreuer noch freiwillige Organisationen wie die ÖBAP oder der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) eingebunden seien. Damit die Kommission „faktenbasiert arbeiten kann“, müsse sie um jene ergänzt werden, die täglich mit der Betreuungspraxis zu tun haben, fordert Hamminger.

800 Euro reichen nicht mehr – Ruf nach höherer Betreuungspauschale

Ein weiterer Punkt auf der Wunschliste des Verbandes: mehr Geld. Die derzeitige Förderung von maximal 800 Euro im Monat für zwei selbstständige Betreuungspersonen sei schlicht zu wenig. Im Vergleich zu Pflegeplätzen in Heimen, die der öffentlichen Hand oft mehrere tausend Euro kosten, wirke diese Summe „nicht mehr zeitgemäß“, so Hamminger. Auch regelmäßige Besuche von diplomierten Pflegefachkräften bei den betreuten Personen sollten Standard werden (idealerweise einmal pro Woche). Nur so könne Qualität dauerhaft gesichert werden. Doch ohne eine Erhöhung der Förderungen sei das nicht zu finanzieren, betont die ÖBAP.

Sorge vor Abwanderung

In Österreich werden rund 35.000 Menschen zu Hause von etwa 60.000 Betreuungskräften versorgt. Laut Hamminger droht diesem System jedoch ein massiver Engpass: Wenn sich die Arbeitsbedingungen nicht rasch verbessern, könnten viele Betreuerinnen und Betreuer ins Ausland abwandern. „Dann trifft der Notstand in der häuslichen Betreuung die Mitte der Gesellschaft“, warnt sie im APA-Gespräch.

Reform soll 2026 starten

Die Pflegeentwicklungskommission, die 2024 unter der türkis-grünen Regierung eingerichtet wurde, besteht aus Vertretern von Bund, Ländern, Gemeinden und Städten. Im neuen Jahr will sie besprechen, wie das Modell der 24-Stunden-Betreuung, das seit 2007 gesetzlich geregelt ist, weiterentwickelt werden kann.

Häufig gestellte Fragen

Ab Februar 2026 sollen neue, österreichweit einheitliche Qualitätsstandards für die 24-Stunden-Betreuung eingeführt werden. Ziel ist eine bessere Kontrolle und höhere Professionalität in diesem Bereich.

Die Bundesinteressensgemeinschaft für Agenturen der Personenbetreuung (ÖBAP) verlangt, bei den Reformgesprächen eingebunden zu werden. Sie vertritt rund 35 größere Vermittlungsagenturen in Österreich

Derzeit erhalten Betroffene maximal 800 Euro im Monat für zwei selbstständig tätige Betreuungspersonen. Laut ÖBAP ist das zu wenig, um eine qualitativ hochwertige Betreuung und regelmäßige Pflegebesuche zu gewährleisten.

Neben einer deutlichen Erhöhung der Förderung fordert die ÖBAP wöchentliche Besuche von diplomierten Pflegefachkräften, um die Qualität der Betreuung zu sichern.

Etwa 35.000 Personen in Österreich werden derzeit zu Hause von rund 60.000 Betreuungskräften betreut.

Laut ÖBAP droht die Abwanderung vieler Betreuungskräfte ins Ausland, wenn sich die Arbeitsbedingungen nicht verbessern. Das würde die Pflege zu Hause massiv unter Druck setzen.

Die Kommission besteht aus Vertretern von Bund, Ländern, Gemeinden und Städten. Freiwillige Interessensvertretungen wie die ÖBAP sind bisher nicht eingebunden, genau das wollen die Agenturen ändern.

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