So reagierst du auf gefälschte Zahlungsaufforderungen
Betrugsfälle, bei denen ein gefälschter Inkassobrief im Postkasten oder im E-Mail Posteingang liegt, häufen sich in Österreich. Aber wie geht man damit um? Experte Christian Giehler liefert Antworten.
Schon bald ist wieder Black Friday, und Weihnachten steht auch vor der Tür. Das vierte Quartal ist vermutliche das stärkste, was den Konsum betrifft. Doch damit einhergehend könnten sich auch wieder Betrugsfälle bei Zahlungsprozessen häufen. Christian Giehler ist Geschäftsführer bei der coeo GmbH und hat über 20 Jahre Erfahrung in der Inkassobranche. Im Interview mit 5 Minuten teilt er sein Wissen.
Woran erkennt man, ob eine Mahnung oder ein Inkassoschreiben echt ist?
Christian Giehler: Ein echtes Inkassoschreiben enthält immer klare Angaben zum Gläubiger, zur Forderung und zur gesetzlichen Grundlage. Die Kontaktdaten des Inkassounternehmens sollten vollständig und überprüfbar sein. Unprofessionell gestaltete Schreiben mit unscharfen Logos, undeutlichen Icons oder sprachlichen Fehlern sind ein Warnzeichen, ebenso wie ungewöhnliche Absenderadressen oder unübliche Zahlungsziele. Gefälschte Inkasso-E-Mails enthalten oft auch Links zu gefälschten Websites.
Wie läuft ein Inkassoverfahren heute in Österreich ab und was sollte man beachten?
Giehler: In der Praxis gehen einem Inkassoverfahren meist ein oder zwei Mahnungen des Gläubigers voraus, häufig auch per E-Mail oder SMS – gesetzlich vorgeschrieben ist das jedoch nicht. Ein Inkassounternehmen darf beauftragt werden, sobald eine Forderung fällig und unbezahlt ist, also der Schuldner in Zahlungsverzug gerät. Dieser tritt in der Regel nach Ablauf der Zahlungsfrist oder nach einer Mahnung ein. Die erste Mahnung durch ein Inkassoinstitut ist meist noch moderat bepreist, besonders wenn man rasch reagiert. Mit fortschreitendem Verfahren steigen die Kosten deutlich. Seriöse Inkassounternehmen setzen auf Transparenz, digitale Portale und flexible Lösungen wie Ratenzahlungen oder Stundungen, die individuell an die finanzielle Situation angepasst werden und keine Zusatzkosten verursachen. Kommt es dennoch zu keiner Einigung, kann der Gläubiger ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten.
Erfolgt daraufhin keine Zahlung, kann ein Exekutionsverfahren, also die Zwangsvollstreckung, folgen. Wer rechtzeitig reagiert und kommuniziert, kann das in den allermeisten Fällen vermeiden.
Wie gehe ich richtig mit einer Mahnung um, wenn sie bei mir eintrifft?
Giehler: Zunächst sollte man Ruhe bewahren und die Tatsachen prüfen. Ist die Forderung berechtigt? Stimmen Betrag, Gläubiger und Leistungsdetails? Wenn ein Inkassounternehmen eingeschaltet ist, sollte die gesamte Kommunikation direkt über dieses laufen, auch die Zahlungen. Seriöse Dienstleister verstehen sich als Vermittler zwischen Gläubiger und Schuldner. Fehler können passieren, etwa wenn Informationen vom Gläubiger unvollständig übermittelt wurden, das lässt sich aber meist rasch klären. Der wichtigste Rat lautet daher: Nicht ignorieren, sondern aktiv das Gespräch suchen. So bleiben Zusatzkosten und rechtliche Schritte erspart.
5 schnelle Tipps zum richtigen Umgang mit einer Mahnung
1. Ruhe bewahren und prüfen
Nicht jede Mahnung ist berechtigt. Vergleichen Sie die Angaben im Schreiben mit der
ursprünglichen Rechnung oder Bestellung. Stimmen Gläubiger, Betrag und Leistung? Bei
Unklarheiten direkt nachfragen.
2. Absender genau kontrollieren
Ein seriöses Inkassoschreiben enthält vollständige Kontaktdaten. Prüfen Sie Firmenname,
Telefonnummer, E-Mail-Domain und Bankverbindung. Seien Sie vorsichtig bei Links in
E-Mails.
3. Nicht ignorieren, sondern reagieren
Wer Mahnungen liegen lässt, riskiert Zusatzkosten oder ein gerichtliches Verfahren.
Kontaktieren Sie das Inkassounternehmen frühzeitig – telefonisch oder per E-Mail – und
schildern Sie Ihre Situation.
4. Lösungen suchen
Moderne Inkassounternehmen bieten digitale Portale, faire Ratenzahlungen und
Stundungen an. Wer offen kommuniziert, findet schneller eine tragbare Lösung und spart
Zeit, Nerven und Geld.
5. Hilfe annehmen
Bei finanziellen Problemen unterstützen staatlich anerkannte Beratungsstellen für
Schuldner kostenlos und vertraulich. Auch seriöse Inkassoinstitute beraten fair und
lösungsorientiert.