Elisabeth (44) wurde Lebensretterin: „Erleichtert und voller Hoffnung“
Im Herbst 2016 entschloss sich Elisabeth, sich bei einer Typisierungsaktion in ihrer Gemeinde als potenzielle Stammzellspenderin registrieren zu lassen. Der Anlass war die berührende Geschichte einer erkrankten Bekannten.
Im Jahr 2024 erhielt die 44-Jährige schließlich die Nachricht: Sie könnte passen – für eine Knochenmarkspende. „Im Herbst 2016 habe ich mich bei einer großen Typisierungsaktion in unserer Gemeinde registrieren lassen. Anlass dafür war die Leukämieerkrankung einer Bekannten – einer jungen Mutter von drei kleinen Kindern. Ihre Geschichte hat mich zutiefst berührt und in mir den Wunsch geweckt, im Ernstfall helfen zu können“, erzählte Elisabeth.
Knochenmark statt Blutstammzellen
Acht Jahre später, erhielt sie eine E-Mail: Sie könnte möglicherweise passen. „Nach einem Telefonat mit der Spenderbetreuung erfuhr ich, dass es sich um eine Knochenmarkspende handeln würde – nicht um eine periphere Blutstammzellspende. Mein Mann war bereits vor einigen Jahren Stammzellenspender gewesen, daher wusste ich grundsätzlich, was eine Spende bedeutet“ erzählt Elisabeth. „Doch die überraschende Information, dass mir unter Vollnarkose Knochenmark entnommen werden sollte, löste in mir gleichzeitig Respekt, Unsicherheit und große Verantwortung aus“.
Das Wochenende der Entscheidung
Eine sofortige Entscheidung war für Elisabeth nicht möglich. Sie bat um ein Wochenende Bedenkzeit, sprach mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern, der Familie und mit Freunden und entschloss sich schließlich dazu, zuzusagen. „Nach wenigen Wochen erhielt ich jedoch einen erneuten Anruf: Dem Patienten ginge es besser, die Spende werde vorerst nicht gebraucht“, erzählt sie. „Ich war erleichtert – zum einen, weil es einem mir fremden kranken Menschen besser ging, zum anderen, weil ich meine erste Vollnarkose mit Krankenhausaufenthalt nicht antreten musste“.
Trotz Bedenkzeit das klare „Ja“
Fast genau ein Jahr später sah sie erneut einen Anruf der Spenderdatei auf ihrem Handy. „Mein Herz begann sofort schneller zu schlagen. Diesmal lautete die Nachricht: Ja, der Patient braucht nun doch die Spende – und es handelt sich um dieselbe Person“, so weiter. „Trotz der langen Vorbereitungszeit fiel mir das sofortige „Ja“ wieder schwer. Es war eine große Entscheidung – mit großer Bedeutung. Doch letztendlich, auch mit der großartigen Unterstützung meiner Familie, überwog das Gefühl, einem Menschen Hoffnung auf ein gesundes Leben schenken zu können“, erzählt Elisabeth.
„Nicht nur eine Nummer“
Sie durfte wählen, ob sie für die Spende nach Wien oder nach Gauting bei München reisen möchte. Da Gauting näher lag, entschied sie sich für die Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB). „Dort wurde ich von Dr. Uli Hahn und seinem Team betreut. Während der Untersuchungen, der ausführlichen Aufklärung und vieler Blutabnahmen fühlte ich mich stets gut begleitet, sicher und ernst genommen. Für mich war es eine aufregende, neue Situation – für das Team war es Routine, und dennoch war ich nicht „nur eine Nummer“.“, so die 44-Jährige.
Der Tag der Knochenmarkentnahme
Die Knochenmarkentnahme fand im angrenzenden Krankenhaus unter Vollnarkose statt. Dr. Uli Hahn erwähnte im Vorfeld, dass der Spendetag kein besonders angenehmer Tag sein werde – und er hatte recht. Dennoch war ich erleichtert und voller Hoffnung: Hoffnung, dass meine Stammzellen im Körper eines fremden Menschen anwachsen und weiterarbeiten, unterstützen, Leben schenken“, so Elisabeth. „Bereits am nächsten Tag durfte ich das Krankenhaus verlassen – mit einem erschöpften Körper, aber einem erfüllten Gefühl. Ich habe in diesem langen Prozess gelernt, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern sich trotz Unsicherheit für das Richtige zu entscheiden. Die Vorstellung, dass irgendwo ein Mensch dadurch eine neue Chance erhält, ist unbezahlbar“. Elisabeth aus Lustenau (Vorarlberg) ist die 799. Stammzellspenderin von Geben für Leben.