Früher in Pension: Warum das den Krankenhäusern keine Sorgen bereitet
Mit 1. Jänner 2026 profitieren Pflegekräfte in Österreich von der Möglichkeit einer Schwerarbeitspension. Warum das den Krankenhäusern hierzulande aber (noch) keine Sorgen bereitet, erfahrt ihr hier bei uns.
Schon im Regierungsprogramm haben ÖVP, SPÖ und NEOS angekündigt, die Schwerarbeitspension auszuweiten und auch den oft undankbaren und zu Beginn der Corona-Krise beklatschten Beruf der Pflege mit aufzunehmen. Die Regelung soll die Pflegekräfte einerseits entlasten und den Beruf andererseits auch attraktiver machen. Und die Regierung hat auch schnell reagiert und schon bald nach Zustandekommen die Aufnahme angekündigt und beschlossen. Mit 1. Jänner 2026 dürfen also Pflegekräfte früher in Pension gehen. Was das für die Krankenhäuser hierzulande bedeutet? Wir haben bei den jeweiligen großen Landeskliniken und -verbänden bzw. Gesellschaften angefragt.
Voraussetzungen für die Schwerarbeitspension in Österreich:
- ab Vollendung des 60. Lebensjahres möglich
- Schwerarbeit geleistet
- 120 Schwerarbeitsmonate (zehn Jahre) innerhalb jener 240 Monate (20 Jahre) vor Pensionsantritt
- Insgesamt 540 Versicherungsmonate (45 Jahre) angehäuft
- bei Pensionsantritt nicht in der Pensionsversicherung pflichtversichert
- man geht keiner sonstigen selbstständigen oder unselbstständigen Arbeit mit einem Gehalt über der Geringfügigkeitsgrenze nach
- man bewirtschaftet keinen land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb mit mehr als 2.400 Euro Einheitswert
- man bekommt nicht mehr als 5.550,92 Euro monatlich aus einem öffentlichen Mandat (z. B. Bürgermeister)
„Nur unmerklich mehr Pensionsantritte“ bei KABEG in Kärnten
Eines schon vorweg: Die Sorgen bezüglich der neuen Regelung halten sich durchaus in Grenzen. So heißt es etwa aus Kärnten seitens der KABEG, dass man „keine besonderen personaladministrativen Schwierigkeiten“ damit habe. Und: „Es sind nur unmerklich mehr Pensionsantritte angekündigt.“ Bislang keine Meldungen zur früheren Pension durch diese Möglichkeit hätten die Einrichtungen der Gesundheit Burgenland, der Niederösterreichischen Landesgesundheitsagentur und des Wiener Gesundheitsverbandes. Aus Wien heißt es gegenüber 5 Minuten etwa, dass man durch den kontinuierlichen Austausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern Pensionsantritte frühzeitig berücksichtigen und frei werdende Dienstposten zeitnah nachbesetzen könne. Außerdem würde man eine sehr positive Bewerber-Lage in diesem Bereich verzeichnen. Also: „Aus heutiger Sicht erwarten wir demnach keinen Engpass.“
In Tirol und Vorarlberg kann man Abgänge kompensieren
Von „vereinzelten“ Anfragen spricht man etwa bei der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft mbH., seitens der Tirol Kliniken heißt es auf Nachfrage von 5 Minuten, dass es „natürlich Mitarbeitende aus der Pflege gibt, die diese Möglichkeit in Anspruch nehmen werden“. Aber auch hier beruhigt man gleich darauf: „Bei unserer Größe können wir diese Abgänge auch kompensieren.“ In Bereichen, wo sich aufgrund der Rahmenbedingungen etwas mehr Abgänge konzentrieren, setze man Maßnahmen wie etwa Anreize für Sonderausbildungen bestehender Mitarbeitender, interne Umschichtungen und ganz allgemein Maßnahmen im Rahmen des Personalmarketings.
KAGes erwartet in der Steiermark „keine negativen Auswirkungen“
Seitens der KAGes in der Steiermark spricht man auch einen Grund dafür an, weshalb eine mögliche Pensionierungswelle wohl ausbleiben wird. Das liege an den Voraussetzungen für die Schwerarbeiterpension (45 Jahre pflichtversichert, mindestens zehn Jahre Schwerarbeit in den letzten 20 Jahren). Diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger etwa konnten auch in der Vergangenheit schon ihre Arbeit nach der Ausbildung nicht schon mit 15 sondern erst mit 18 Jahren beginnen – frühestens. Realistischerweise hat man die 45 Versicherungsjahre also erst mit 63 Jahren. In diesem Alter dürfen Frauen aktuell bereits in Pension gehen, generell besteht da auch schon ein Anspruch auf Korridorpension. „In dem Bereich erwarten wir daher keine negativen Auswirkungen auf die Besetzung“, erklärt die KAGes.
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KAGes: „Ein Problem ist daraus nicht zu erwarten“
Ähnlich klingt das auch aus Kärnten: Die unmerklich erhöhten Pensionsantritte würden „wohl auch mit der langen Versicherungsdauer zusammenhängen, die als Grundlage nötig ist“. Die steirische KAGes meint zwar auch noch, dass es bei der Pflegeassistenz, die oft am zweiten Bildungsweg erworben werde, anders sei, am Arbeitsmarkt würde es aber einerseits ausreichend verfügbare Pflegeassistenzen geben, andererseits würden nur Einzelfälle vor dem 62. Lebensjahr die 45 Versicherungsjahre zusammenhaben. „Ein Problem ist daraus nicht zu erwarten.“
Pflegestellen in Gesundheit Burgenland-Kliniken derzeit „voll besetzt“
Aus Kärnten heißt es generell, dass man aktuell keinen Engpass an Pflegekräften hätte. Gleichzeitig habe man aber einen hohen Bedarf an diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonal bei einem gleichzeitigem Überhang von Pflegefach- und Pflegeassistenten. Dort habe man allerdings bereits Maßnahmen gesetzt, um das vorhandene Personal etwa weiter zu qualifizieren. Die Kliniken der Gesundheit Burgenland seien zum Stichtag 2. Dezember 2025 im Pflegebereich „voll besetzt“, in Vorarlberg könne man aktuelle Abgänge gut abfangen, „da die Bewerbungslage momentan in allen Krankenhäusern gut ist“. Die in den letzten Jahren intensivierten Rekrutierungsanstrengungen würden greifen: „Neue Zugänge in den Pflegeberuf über verschiedene Ausbildungswege sowie interessante Teilzeitmodelle werden gut angenommen.“
In Niederösterreich will man mit „Leben-Modell“ punkten
Auch in Niederösterreich würde man seit Jahren konsequent daran arbeiten, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, „dass Mitarbeiter möglichst lange und gerne im Beruf bleiben“, so die Niederösterreichische Landesgesundheitsagentur gegenüber 5 Minuten. Das „Leben-Modell“, das flexible, lebensphasenorientierte Arbeitszeit- und Einsatzmöglichkeiten bieten würde, sei dabei ein wesentliches Element. „Damit können wir die individuellen Bedürfnisse unserer erfahrenen Kollegen berücksichtigen und sehen uns gut gerüstet, um allfällige Personalbewegungen aufzufangen.“ Noch keine Antworten haben wir aus den Salzburger Landeskliniken und von der Oberösterreichischen Gesundheitsholding bekommen.
Fazit: Große Krankenhausverbände sehen keine Pensionierungswelle
Abschließend kann also gesagt werden, dass es in den großen Krankenhaus-Verbänden Österreichs im kommenden Jahr wohl zu keinem Pflegeengpass kommen wird. Und das obwohl das Sozialministerium mit rund 1.000 früheren Pensionierungen von Pflegerinnen pro Jahr durch die neue Regelung österreichweit rechnet, wie man auch gegenüber 5 Minuten bestätigt. Allerdings eben nicht nur in Krankenhäusern sondern über alle Bereiche hinweg, wo Pflegkräfte arbeiten. Ob diese früheren Pensionierungen nun also in anderen Bereichen – wie etwa in Pflege-, Alten oder Behindertenheimen oder in der mobilen Pflege – zum Problem werden könnten, ist unklar.