Skip to content
/ ©Fotomontage: Canva
Foto in Beitrag von 5min.at zeigt eine Frau und im Hintergrund einen Pension-Notizblock, eine Brille, einen Rechner, eine Geldtasche und ein Sparschwein.
Pflege wird in Österreich zur Schwerarbeit, Betroffene dürfen damit theoretisch schon früher in Pension gehen.

Früher in Pension: „Das ist ein wirklicher Meilenstein“

Mit dem 1. Jänner 2026 werden Pflegekräfte in die Schwerarbeitsverordnung aufgenommen, womit sie theoretisch schon ab 60 Jahren in eine nahezu abschlagsfreie Pension gehen können. Wir haben hier den Überblick für euch.

von Phillip Plattner Phillip Plattner Online-Redakteur Kärnten Steiermark
2 Minuten Lesezeit(347 Wörter)
Wählen Sie 5min.at als bevorzugte Google-Quelle

Es ist wohl eine der größeren und länger geforderten Änderungen, die mit 1. Jänner 2026 in Österreich durchgeführt wird: Pflegekräfte werden ab dann in die Schwerarbeitsverordnung mit aufgenommen und dürfen dementsprechend schon früher in Pension – zumindest theoretisch. Pensionistenvertreterinnen bezeichnen das im Interview mit 5 Minuten als „echten Meilenstein“, sehen gleichzeitig aber auch ein Problem. Das gesamte Interview könnt ihr übrigens weiter unten im Artikel lesen.

Das Problem der Schwerarbeitspension für Pflegekräfte

Um in Schwerarbeitspension gehen zu dürfen, muss man nämlich mindestens 45 Versicherungsjahre angehäuft haben. In den allermeisten Fällen – vor allem bei diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegern – sind diese 45 Jahre aber erst mit 63 erreicht – ein Alter, in dem man auch schon in Korridorpension oder im Falle der Frauen aktuell sogar noch in Alterspension gehen kann. Große Auswirkungen gibt es in den großen Krankenhausverbänden dementsprechend nicht. Alles dazu könnt ihr auch hier nachlesen: Früher in Pension: Warum das den Krankenhäusern keine Sorgen bereitet.

Voraussetzungen für die Schwerarbeitspension in Österreich:

  • ab Vollendung des 60. Lebensjahres möglich
  • Schwerarbeit geleistet
  • 120 Schwerarbeitsmonate (zehn Jahre) innerhalb jener 240 Monate (20 Jahre) vor Pensionsantritt
  • Insgesamt 540 Versicherungsmonate (45 Jahre) angehäuft
  • bei Pensionsantritt nicht in der Pensionsversicherung pflichtversichert
  • man geht keiner sonstigen selbstständigen oder unselbstständigen Arbeit mit einem Gehalt über der Geringfügigkeitsgrenze nach
  • man bewirtschaftet keinen land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb mit mehr als 2.400 Euro Einheitswert
  • man bekommt nicht mehr als 5.550,92 Euro monatlich aus einem öffentlichen Mandat (z. B. Bürgermeister)

Sozialministerium rechnet mit 1.000 früheren Pensionsantritten pro Jahr

Das Sozialministerium rechnet dennoch mit rund 1.000 früheren Pensionsantritten pro Jahr durch die neue Regelung für Pflegekräfte. Auf Nachfrage von 5 Minuten erklärt man, dass man in der wirkungsorientierten Folgeabschätzung bei dieser Zahl von 100 Prozent Frauen ausgegangen sei. Lange hat man mit der Maßnahme jedenfalls nicht gewartet: „Durch die Verordnungsänderung wurde die Absicht des Regierungsprogramms 2025 bis 2029, Pflegeberufe als Zeichen des Respekts und der Wertschätzung in die Schwerarbeitsregelung aufzunehmen, bereits ab 1. Jänner 2026 umgesetzt“, heißt es aus dem Ministerium.

Was hältst du davon, dass Pflegekräfte in die Schwerarbeitsregelung mit aufgenommen wurden?

Finde ich super!
Finde ich gut, man hätte sie aber leichter erreichbar machen müssen
Finde ich nicht gut
Ich habe keine Meinung dazu

Was Pensionisten von der neuen Regelung für Pflegekräfte halten

Was aber halten Österreichs Pensionisten von der neuen Regelung und geht sie ihnen weit genug? Was kann verbessert werden und stehen aktuell noch weitere Berufe auf der Wunschliste für eine Aufnahme in die Schwerarbeitsverordnung? All diese Fragen haben wir Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec und der Präsidentin des Pensionistenverbands Österreichs (PVÖ), Brigit Gerstorfer, gestellt. Die beiden sind 5 Minuten Rede und Antwort gestanden.

Pflege wird zur Schwerarbeit

5 Minuten: Was halten Sie von der Schwerarbeitspension für Pflegekräfte?

Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec: Es ist eine Anerkennung für die schwere Tätigkeit der Pflegekräfte.

PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer: Damit wird eine langjährige Forderung des Pensionistenverbandes endlich Realität. Dass Pflegekräfte nun in die Schwerarbeitsverordnung aufgenommen wurden, ist ein wirklicher Meilenstein für die Beschäftigten in der Pflege. Das ist nicht nur ein Zeichen des Respekts und eine Verbesserung für die Betroffenen, sondern wird hoffentlich auch den Pflegeberuf attraktivieren.

Eine Anfrage bei den großen Krankenhausverbänden in den Bundesländern zeigt: Nur wenige werden bzw. können das nutzen, auch weil die Erreichbarkeit (45 Versicherungsjahre) kaum möglich oder gegeben ist. Hätte diese Maßnahme Ihrer Meinung nach anders umgesetzt werden sollen? Falls ja: Welche Punkte hätten Sie anders umgesetzt?

Korosec: Es können nach den neuen Regelungen Pflegekräfte künftig mit 60 Jahren in Pension gehen, sofern sie mindestens 45 Versicherungsjahre aufweisen und in den vergangenen 20 Jahren mindestens 10 Jahre Schwerarbeit verrichtet haben. Sie haben zwar Recht, dass es für manche Pflegekräfte schwer sein wird, die 45 Versicherungsjahre zu erreichen, allerdings gilt diese Voraussetzung eben grundsätzlich auch für alle anderen Schwerarbeitspensionen.

Gerstorfer: Hier gibt es tatsächlich einen Bereich, den man nochmals genauer diskutieren sollte. 45 Jahre sind in diesem Bereich, in dem überwiegend Frauen arbeiten aufgrund von Erwerbsunterbrechungen (Geburt von Kindern, Umschulungen auf eigene Kosten) nur schwer zu erreichen. Auch diplomierte Pflegekräfte, haben ihre Ausbildung ja frühestens mit 17/18 (anders als in anderen Berufen mit 15) begonnen. Sie kommen daher frühestens mit 62/63 Jahren auf die erforderlichen 45 Versicherungsjahre. Das ist aktuell noch (fast) deckungsgleich mit dem Regelpensionsalter für Frauen. Über diese Faktoren müsste man noch einmal diskutieren.

Haben sich Pflegekräfte, die kurz vor der Pension stehen, bei Ihnen deswegen gemeldet? Falls ja: Wie empfinden diese Menschen die Regelung und welche Schwierigkeiten und Probleme aber auch welche positiven Sachen sprechen sie an?

Korosec: Es gab so gut wie keine Meldungen. Positiv wird die den Pflegekräften zukommende Wertschätzung gesehen.

Gerstorfer: Grundsätzlich wird diese Maßnahme als sehr, sehr positiv empfunden. Die Betroffenen empfinden es auch als Zeichen der Wertschätzung und des Respekts. Als „Problem“ sehen einige die 45 Versicherungsjahre. Da sie diese aufgrund später begonnener Ausbildung (z.B. dreijährige Sozialfachschule vor der Pflegeausbildung) und Erwerbsunterbrechungen durch die Familiengründung nicht vor dem Erreichen des Regelpensionsalters „zusammenbringen“.

Gibt es noch andere Berufe, die aktuell nicht als Schwerarbeit gelten, aber auf jeden Fall sollten?

Korosec: Mir fallen derzeit keine anderen Berufe ein.

Gerstorfer: Für uns im Pensionistenverband ist die Aufnahme von Pflegekräften in diese Regelung ein wichtiger und notwendiger Schritt, für den wir uns viele Jahre eingesetzt haben. Jetzt ist zuerst einmal abzuwarten, wie sich diese Maßnahme in der Realität auswirkt, bevor über eine mögliche Ausweitung auf weitere Berufsgruppen nachgedacht werden sollte.

Was gibt es zur Möglichkeit der Schwerarbeitspension für Pflegekräfte noch zu sagen, das von den Fragen nicht umfasst ist?

Korosec: Die Anerkennung von Pflegearbeit als Schwerarbeit ist grundsätzlich richtig. Aufpassen muss man, dass eine Erweiterung des Katalogs der Schwerarbeit die Gefahr in sich birgt, diese Frühpensionsart auszuweiten. Dies würde unserem Ziel, das faktische Pensionsalter an das gesetzliche heranzuführen widersprechen. Hier wäre ich jedenfalls vorsichtig.

Gerstorfer: Um die Pflege in Österreich auf nachhaltige Beine zu stellen, muss der Pflegeberuf generell attraktiver gestaltet werden. Schon heute herrscht ein Mangel an Pflegekräften, der sich in den nächsten Jahren noch drastisch verschärfen wird, wenn hier nicht entsprechend gegengesteuert wird. Zur Attraktivierung des Pflegeberufes sind mehr und flächendeckende Ausbildungsplätze notwendig, Bezahlung während der Ausbildung, die Streichung von Ausbildungskosten, die Attraktivierung des Pflegeberufes durch höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und die leichtere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Foto in Beitrag von 5min.at: Zu sehen ist die Präsidentin des Seniorenbundes, Ingrid Korosec, mit den Händen in den Hosentaschen.
©Ben Leitner
Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec zur neuen Regelung: „Es ist eine Anerkennung für die schwere Tätigkeit der Pflegekräfte.“
Foto in Beitrag von 5min.at zeigt die Präsidentin des Pensionistenverbands Österreich, Birgit Gerstorfer.
©PVÖ
Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbands Österreich: „Grundsätzlich wird diese Maßnahme als sehr, sehr positiv empfunden.“
Du hast einen #Fehler gefunden? Jetzt melden.
Artikel zum Thema:
Mehr Interessantes