Zwei-Klassen-Medizin? Kassenpatienten warten 13-mal länger
Neue Wartezeiten-Studie zeigt massive Unterschiede im Gesundheitssystem: Kassenpatienten warten oft Wochen auf Facharzttermine, privat geht es meist in wenigen Tagen.
Wer in Österreich einen Facharzttermin braucht, muss oft mit langen Wartezeiten rechnen – zumindest im Kassensystem. Eine neue österreichweite Studie zeigt nun, wie groß die Unterschiede zum privaten Bereich tatsächlich sind. Analysiert wurden insgesamt 3.182 Terminrückmeldungen, davon 1.591 neue Mystery-Anfragen bei Wahlärzten. Das Ergebnis: Kassenpatienten warten je nach Fachrichtung bis zu 13-mal länger als Privatpatienten.
Private Termine fast immer unter zwei Wochen
Die Erhebung, durchgeführt zwischen Ende November 2025 und Mitte Jänner 2026, zeigt ein klares Bild: In allen 14 untersuchten Fachrichtungen liegt die Wartezeit im privaten Bereich unter zwei Wochen. Im Kassensektor hingegen sind Wartezeiten von mehreren Wochen eher die Regel als die Ausnahme. Besonders auffällig ist das bei stark nachgefragten Fachgebieten wie Orthopädie, Augenheilkunde oder Radiologie.
Augenheilkunde mit größter Differenz
Am deutlichsten ist der Unterschied in der Augenheilkunde. Während Kassenpatienten hier im Median 52 Tage auf einen Termin warten müssen, liegt die Wartezeit bei Wahlärzten bei nur 4 Tagen. Das bedeutet: privat geht es rund 13-mal schneller. Auch in anderen Disziplinen zeigt sich ein ähnliches Muster – mit klaren Vorteilen für den privaten Sektor.
Wartezeiten beim Arzt: Wie ist deine Erfahrung?
Orthopädie, Radiologie und Schmerztherapie
In der Orthopädie warten Kassenpatienten im Schnitt rund 24 Tage, privat sind Termine oft schon nach 2 Tagen verfügbar. In der Radiologie, etwa bei MRT- oder CT-Untersuchungen, verkürzt sich die Wartezeit von 14 Tagen auf nur 3 Tage. Gerade bei Schmerzen oder Abklärungen mit Zeitdruck empfinden viele Betroffene diese Unterschiede als besonders belastend.
Lange Wartezeiten auch bei Gynäkologie und Gynäkologie
Selbst Fachrichtungen mit hoher Nachfrage wie Gynäkologie und Urologie zeigen große Abstände. Im Kassensystem liegen die Wartezeiten hier bei 46 bzw. 48 Tagen. Im privaten Bereich bleiben sie stabil unter der Zwei-Wochen-Marke – im Median bei rund 13 Tagen. Die Studie bestätigt damit, was viele Patienten aus eigener Erfahrung kennen.
Warum es privat schneller geht
Die kürzeren Wartezeiten im privaten Bereich haben mehrere Gründe. Immer mehr Ärzte entscheiden sich für eine Wahlarztpraxis, da sie dort flexibler arbeiten können. Kassenordinationen haben hingegen einen breiten Versorgungsauftrag und eine sehr hohe Patientendichte. Wahlärzte betreuen meist weniger Patienten pro Tag und können Termine kurzfristiger vergeben.
„Zweiteilung der Geschwindigkeit“
Sebastian Arthofer, COO von krankenversichern.at, spricht von einer klaren Trennung: „Die Daten zeigen eine Zweiteilung der Geschwindigkeit.“ Laut Studie ist für 7 von 10 Menschen die Vermeidung von Wartezeiten inzwischen der Hauptgrund, über private Absicherung nachzudenken. Die Analyse schließt damit an eine frühere Untersuchung aus dem September an, die bereits die langen Wartezeiten im Kassensystem aufgezeigt hatte.
Fazit: Transparenz über ein bekanntes Problem
Die neue Studie liefert erstmals ein vollständiges, datenbasiertes Bild für beide Systeme. Sie bestätigt quantitativ, was viele im Alltag erleben: Der Zugang zur medizinischen Versorgung erfolgt in Österreich auf zwei sehr unterschiedlichen Wegen. Während das öffentliche System an Kapazitätsgrenzen stößt, fungiert der private Bereich als deutlich schnellerer Versorgungskanal – mit allen sozialen und gesundheitspolitischen Fragen, die damit verbunden sind.
Auf einen Blick: Die große Termin-Studie
-
Das Ergebnis: Kassenpatienten warten in Österreich im Extremfall 13-mal länger auf einen Facharzttermin als Privatpatienten.
-
Der Vergleich: * Privat: Fast alle Termine in unter 2 Wochen verfügbar.
-
Kasse: Wartezeiten von mehreren Wochen bis Monaten sind der Standard.
-
-
Größte Unterschiede (Wartezeit Kasse vs. Privat):
-
Augenheilkunde: 52 Tage vs. 4 Tage (Faktor 13!)
-
Orthopädie: 24 Tage vs. 2 Tage (Faktor 12)
-
Gynäkologie/Urologie: ca. 47 Tage vs. 13 Tage
-
-
Die Ursachen: Kassenärzte leiden unter extrem hoher Patientendichte; Wahlärzte haben weniger Patienten und dadurch mehr zeitliche Flexibilität.
-
Studien-Details: Analyse von 3.182 Terminrückmeldungen (Zeitraum: Nov. 2025 bis Jan. 2026).
KI Hinweis: KI kam lediglich unterstützend bei der Infobox zum Einsatz, der Text wurde überwiegend von der Redaktion verfasst und sorgfältig geprüft.