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Das Bild auf 5min.at zeigt einen kranken Mann.
Der 21-jährige Samuel ist schwer an ME/CFS erkrankt.

Reddit-Posting: „Ich bin 21 und werde in wenigen Tagen sterben“

Eine tragische Geschichte von einem jungen Mann:
Samuel leidet unter einer schweren Erkrankung. Er sieht nur mehr eine einzige Option: Sterbehilfe. Er schreibt: "Lest und verbreitet meine Geschichte."

von Stella Sabitzer Das Bild auf 5min.at zeigt die Online-Redakteurin Stella Sabitzer von 5 Minuten Österreich.
4 Minuten Lesezeit(845 Wörter)

„Ich bin Samuel, 21, leide an ME/CFS und in 12 Tagen sterbe ich“ – mit diesen Worten sorgte der junge Mann für viel Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. 5 Minuten fragte wenige Stunden nach dem Posting bei ihm an, er antwortete: „Melde mich sobald ich kann.“ Inzwischen ging seine Geschichte auf der Social Media Plattform „Reddit“ viral.

Seine Geschichte nimmt viele Menschen mit

Hinter dieser Schlagzeile steckt ein tragisches Schicksal, das niemanden kalt lässt. Seit einer Corona-Infektion leidet der junge Österreicher unter der schweren Multisystemerkrankung ME/CFS. „Bei mir war es Corona, sie kann aber auch durch andere virale oder bakterielle Infektionen ausgelöst werden“, erzählt er. Die durchschnittliche Lebensqualität bei dieser Krankheit sei extrem niedrig.

Aber mein Tod soll nicht umsonst sein.“
Samuel (21) will Aufmerksamkeit für seine Krankheit

Ein Alltag im Dunkeln und in Stille

„Aufgrund dieser Krankheit habe ich ein extrem begrenztes Energiefenster. Ich muss 24 Stunden am Tag im Bett liegen und darf mich dabei nicht zu viel bewegen, es muss dauerhaft dunkel sein, da ich kein Licht ertrage. Ich trage doppelten Gehörschutz, weil ich auch keine Geräusche ertrage. Ich kann keine Sekunde fernsehen, oder Videos am Handy anschauen, da bewegende Dinge mein Nervensystem zu sehr überfordern und unerträgliches Leid auslösen“, beschreibt der 21-jährige Samuel. Musik oder Podcasts hören: unmöglich. Nicht einmal mit seiner eigenen Mutter, die ihn pflegt, kann er mehr sprechen. Denn sowohl das Zuhören als auch das Reden sind für ihn gänzlich unmöglich. Nur mit Stift und Blick kann er kommunizieren.

Was ist ME/CFS?

Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS) ist eine neuroimmunologische Multisystemerkrankung. Betroffene leiden vor allem unter einer stark eingeschränkten Leistungsfähigkeit. Sie sind körperlich und geistig extrem erschöpft. Dieser Zustand hält mindestens sechs Monate an. Die Krankheit kann je nach Schweregrad zu einer weitreichenden Behinderung, sowie Bettlägerigkeit und Pflegebedürftigkeit führen.

Selbst das Alltägliche wird zur Qual

„Mein Handy kann ich nur wenige Minuten bis Sekunden für Nachrichten benutzen. Teilweise gar nicht. Diese Nachricht wurde unter Qualen im Vorhinein aufgenommen“, beschreibt er. Selbst die grundlegenden selbstverständlichen Dinge sind für den jungen Samuel eine große Herausforderung: Aufs Klo gehen ist teilweise schwierig, Duschen ist aufgrund seiner körperlichen Schwäche und Reizüberflutung überhaupt nicht möglich. Auch Besuch empfangen kann er nicht mehr, denn das ist viel zu anstrengend und verursacht zusätzlich Leid und Qualen.

Das Bild auf 5min.at zeigt den Redditpost von Samuel.
©Screenshot 5 Minuten |
In einem Redit-Posting erzählt Samuel von seinem herzzereißenden Schicksal.
Das Bild auf 5min.at zeigt den Redditpost von Samuel.
©Screenshot 5 Minuten |
Der 21-jährige Samuel ist schwer krank und wird bald sterben.

Wenn jede Überanstrengung Schmerz bringt

Doch das Schlimmste an seiner Situation sei das Leitsymptom PEM (Post Exertional Malaise). Jede noch so kleine Überschreitung seiner Energiegrenzen würde zu einem sogenannten Crash führen – damit zu einer dauerhaften Verschlechterung all seiner Symptome sowie seines Allgemeinzustandes. „So muss ich jeden Versuch, ein bisschen zu leben, bitter bezahlen und ende dann in einer noch schlechteren Verfassung als vorher“, betont er in seinem Post auf Reddit.

Die Krankheit fühlt sich an „wie ertrinken und verbrennen zugleich“

Die Einschränkungen in seinem Leben sind enorm, doch auch die körperlichen Leiden dieser Krankheit sind massiv. „Ich würde es beschreiben wie ertrinken und verbrennen zugleich. Sie sind immer da, dauernd ist da dieses Gefühl, aber besonders in Crashes. Der Körper denkt, er stirbt, weil ihm die Energie ausgeht und löst daher einen extremen Leidenszustand aus“, so der junge Österreicher. Es sei teilweise so schlimm, dass man nur mehr eine Option in Erwägung ziehen würde: Sterbehilfe. Sein Zustand würde sich immer weiter verschlechtern, sodass er vielleicht künstlich ernährt werden müsse. Deshalb möchte er bald die Sterbehilfe in Anspruch nehmen und spricht am 19. Jänner von 21 Tagen, die noch übrig bleiben würden.

Samuel will gehört werden

Mit seiner Geschichte möchte Samuel möglichst viele Menschen erreichen, um auf die schreckliche Krankheit aufmerksam zu machen. Denn obwohl die Krankheit bekannt ist, kritisiert er vor allem die fehlende Hilfe der Behörden sowie Institutionen in Österreich. „Meine Botschaft lautet: ME/CFS TÖTET!“, betont Samuel abschließend. Auf Nachfrage von „5 Minuten“ zu Recherchezwecken, erklärte der 21-Jährige, dass er sich bei der Redaktion melden würde, sobald es sein Zustand zulassen würde. Sein Leidensweg ging viral, viele Nutzer fragten, ob die Geschichte echt sei. Ist sie – denn ´mittlerweile konnte „Der Standard“ das Erzählte mit seinem Arzt verifizieren, wie ein Reddit-Nutzer vor wenigen Stunden postete.

„Ich weiß genau wie du dich fühlst“ – Nutzer zeigen Mitgefühl

Seine tragische Geschichte hat für viele gemischte Gefühle gesorgt. „Ich habe nicht viele Worte, weil die ganze Situation politisch und auch gesellschaftlich gesehen unfassbar ist, aber ich würde dir gern danken, dass du Awareness spreadest. Ich wünschte, es gäbe eine andere Lösung, aber ich wünsche dir eine gute letzte Reise und werde an dich denken in nächster Zeit“, kommentiert etwa ein User. Die zahlreichen Reaktionen zeigen, wie viele Menschen sein Schicksal teilen. „Hey mein Lieber, ich bin 28 und auch schwerst betroffen, also weiß ich genau, wie du dich fühlst“, zeigt ein anderer Nutzer sein Mitgefühl. „Ein sehr guter Freund von mir nahm sich vor ziemlich genau zwei Jahren das Leben, da auch er an ME/CFS erkrankt war. Ohne ihn würde ich bis heute, so wie die meisten Menschen, nichts von dieser Krankheit wissen“, fügt ein weiterer Nutzer hinzu.

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