„Österreichweites Versagen“: Wer Pfand kaum alleine zurückgeben kann
Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es das Einwegpfandsystem in Österreich nun. Eine erste positive Bilanz zeigt: Das Sammelziel wurde erreicht. Gleichzeitig gibt es aber auch große Kritik vom Behindertentrat.
Bereits Anfang 2025 wurde kritisiert, dass das Pfandsystem für blinde und sehbehinderte Menschen kaum nutzbar ist. Ein Jahr nach Einführung weist der Österreichische Behindertenrat neuerlich darauf hin, „dass die Rückgabe von Pfandgebinden für viele Menschen mit Behinderungen weiterhin nicht eigenständig möglich ist“. Vor allem Personengruppen wie blinde und stark sehbehinderte Menschen, kleinwüchsige Personen, Rollstuhlnutzer und Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten für die Nutzung der Hände seien davon betroffen.
Harte Kritik vom Behindertenrat am Pfandsystem
„Wir erleben hier ein österreichweites Systemversagen in Sachen Barrierefreiheit und Inklusion“, so Klaus Widl, Präsident des Österreichischen Behindertenrats. Er kritisiert, dass man hier das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz missachtet habe, welches vorsehe, „dass ein Gerät wie ein Pfandrückgabeautomat für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sein muss“.
Das fordert der Behindertenrat in Bezug auf das Pfandsystem nun
Die Grundidee von Pfandsystem würde man sehr wohl unterstützen, Voraussetzung dafür sei jedoch, dass diese Systeme auch für Menschen mit Behinderungen eigenständig nutzbar seien. Man fordert daher, dass bei künftigen Zertifizierungen Barrierefreiheit ein Kriterium sein müsse, „damit alle Menschen die Möglichkeit haben, ihr Pfand zurückzubekommen“, so der Behindertenrat.
1,4 Milliarden Einwegpfandgebinde 2025 wieder zurückgekommen
Währenddessen wurde die Bilanz des ersten Jahres Einwegpfand in Österreich veröffentlicht. Demnach seien 1,4 Milliarden Pfandgebinde wieder zurückgegeben worden. Insgesamt bilanziert man positiv und erklärt, man habe das Ziel von 80 Prozent Sammelquote erreicht. Im kommenden Jahr sei das Ziel, 90 Prozent zurückgegebener Plastikflaschen und Aludosen zu erreichen.
Einwegpfandbilanz nach einem Jahr: Was hältst du vom „neuen“ System?
Minister Totschnig: „Entscheidender Meilenstein für Kreislaufwirtschaft“
Konkret seien 81,5 Prozent der gekauften Flaschen und Dosen wieder zurückgegeben worden. „Damit setzt Österreich ein starkes Zeichen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und kommt den EU-Vorgaben einen entscheidenden Schritt näher“, heißt es nun in einer Aussendung von „Recycling Pfand Österreich“. Auch Minister Norbert Totschnig spricht in einer Pressekonferenz von einem „entscheidenden Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft in Österreich“.
Wo die meisten Pfandflaschen zurückgegeben worden sind
Insgesamt seien in Österreich übrigens rund zwei Milliarden Pfandflaschen und -dosen in Verkehr gesetzt worden, 1,4 Milliarden davon haben es bis 31. Dezember 2025 auch erfolgreich wieder zurück geschafft. Auf die 81,5 Prozent Rückgabequote kommt man, indem auch die durchschnittliche Verweildauer vom Kauf bis zur Rückgabe berücksichtige. Diese beträgt 51 Tage. In der folgenden Infobox erfahrt ihr, in welchen Bundesländern am meisten zurückgegeben worden ist.
Wie viele Pfandflaschen in den Bundesländern zurückgegeben worden sind:
- Wien: 315 Millionen
- Niederösterreich: 291 Millionen
- Oberösterreich: 197 Millionen
- Steiermark: 180 Millionen
- Tirol: 98 Millionen
- Salzburg: 90 Millionen
- Kärnten: 83 Millionen
- Vorarlberg: 54 Millionen
- Burgenland: 53 Millionen