Konto von Österreicherin leergeräumt: Was Banken gegen Betrug machen
Kürzlich haben wir über eine Österreicherin berichtet, die hunderttausende Euro an Betrüger verloren hat, am Ende sind ihr vier Euro geblieben. Wie aber kann so etwas überhaupt passieren? Wir haben nachgefragt.
Im Glauben, Geld zurückzubekommen, hat eine Österreicherin wieder und wieder Überweisungen bestätigt, so ein Bericht vom „Standard“. Von ihren fast 350.000 Euro sind am Ende ganze 4,05 Euro übrig geblieben. Mehr dazu hier: Hunderttausende weg: Österreicherin bleiben nur 4 Euro. Reinhard Nosofsky, Leiter des Büros Betrugsermittlungen im Bundeskriminalamt (BKA) erklärte gegenüber 5 Minuten, dass es vor allem wenn Sofortüberweisungen im Spiel sind, wie es auch hier der Fall war, schwieriger sei, das Geld wieder zurückzuholen.
„Sobald eine Sofortüberweisung ausgelöst ist, kann das Geld in der Regel nicht mehr zurückgerufen werden. Diese fehlende Rückholbarkeit ist aus kriminalpolizeilicher Sicht problematisch, weil sie Tätern das rasche Verschieben von Geldern erleichtert“, so Reinhard Nosofsky, Leiter des Büros Betrugsermittlungen im BKA gegenüber 5 Minuten.
„Getäuschte Kunden geben Zahlungen oft selbst aktiv frei“
Eigentlich sollten aber gleichzeitig auch Überweisungen in Echtzeit von der Bank überwacht werden, damit es zu solchen Betrügereien gar nicht erst kommt. Immerhin wurden hier 55 Überweisungen über mehrere Stunden verteilt getätigt. Eva Landrichtinger, Geschäftsführerin der Bundessparte Bank & Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) meint auf Nachfrage von 5 Minuten, dass die Angriffsmethoden betrügerischer Akteure sich in den letzten Jahren perfektioniert hätten. Zudem zeige sich, dass der Faktor Mensch eine wesentliche Rolle spielen würde: „Getäuschte Kunden geben oft Zahlungen selbst aktiv frei oder bestehen auf deren Ausführung, ungeachtet einer von der Bank erkannten Verdachtslage.“
„Selbst die besten Systeme können nicht alle Risiken ausschließen, die oft im Verhalten der Nutzer liegen“, weiß Eva Landrichtinger, Geschäftsführerin der Bundessparte Bank & Versicherung der WKÖ exklusiv gegenüber 5 Minuten.
IT- und Cyber-Security haben bei Banken „höchste Priorität“
Sie versichert jedenfalls, dass Banken dem Thema IT- und Cyber-Security „höchste Priorität“ beimessen würden. Dazu würde man eine Vielzahl an ineinandergreifenden Maßnahmen einsetzen, wie Prüfungen anhand definierter Parameter oder den Einsatz moderner technischer Systeme und Tools, die Auffälligkeiten und verdächtige Muster frühzeitig erkennen können. Zusätzlich würde man auch Warnhinweise zu aktuellen Betrugsmustern über verschiedene Kanäle ausspielen und Informationsveranstaltungen für besonders gefährdete Kundengruppen abhalten. Den Schlüssel zum Erfolg dieser Maßnahmen würden jedenfalls die Kunden selbst in der Hand halten. Es sei „ratsam, bei Aufforderungen zur Geldübermittlung durch unbekannte Dritte vorsichtig und kritisch zu sein“, so Landrichtinger.
Handlungsempfehlungen:
- aktuelle Informationen zu Betrugsmaschen nutzen
- sorgfältiger Umgang mit sensiblen Daten: keine PIN, TAN oder sonstige Zugangsdaten preisgeben
- keine Software auf Aufforderung Dritter installieren
- Bedenkzeit bei Investmentangeboten einfordern und sich nicht unter Druck setzen lassen
- im Zweifelsfall die Bank ausschließlich über offizielle Kontaktmöglichkeiten informieren
- bei Verdacht auf Betrug umgehend Bank informieren und Polizei einschalten
Wie kann man sich Überwachung von Überweisungen vorstellen?
Wie Landrichtinger ausführt, werden alle Transaktionen in Echtzeit geprüft. „Dabei kommen modernste Systeme zum Einsatz, die Auffälligkeiten sofort erkennen und bewerten.“ Unterschiedliche Transaktionsarten werden dabei anhand definierter Parameter überwacht, jede Überweisung automatisch geprüft. Auch bei Echtzeitüberweisungen würden sehr hohe Sicherheitsstandards gelten, „denn Sicherheit geht vor Geschwindigkeit“. Als zusätzlichen Beitrag zur Betrugsbekämpfung erwähnt man noch die automatische Empfängerüberprüfung bei Überweisungen. „Stimmen die Daten nicht überein, können sie vor der Freigabe korrigiert oder die Transaktion abgebrochen werden“, weiß Landrichtinger. Angezeigt wird das mit grüner, gelber oder roter Farbe. Alles dazu auch hier: Das ändert sich ab 9. Oktober für alle Bank-Kunden in Österreich.
Wurdest du schon einmal Opfer eines Betruges?
Wann schrillen bei Banken die Alarmglocken?
Wann die Alarmglocken bei den Banken schrillen, hängt übrigens von der Art des versuchten Betrugs ab. „Je nach Parametrisierung der automatischen Überwachung und dem kontinuierlichen Lernen der Systeme werden Zahlungen als verdächtig eingestuft. Dabei berücksichtigt das System unter anderem das individuelle Zahlungsverhalten des Kunden“, erklärt die WKÖ-Spartengeschäftsführerin. Kommt es dann tatsächlich zu Unregelmäßigkeiten, wird die betreffende Zahlung zunächst zurückgehalten. Anschließend folgt eine direkte und zeitnahe Klärung mit dem Betroffenen.
Landrichtinger gegenüber 5 Minuten: „Vollsperre ist letztes Mittel“
In begründeten Fällen ergreift man kurzfristige Schutzmaßnahmen und schränkt gezielt einzelne Transaktionen, Zahlungslimits oder Zugangskanäle ein. „Eine mögliche Vollsperre des Kontos ist das letzte Mittel und wird nur in seltenen Ausnahmefällen nach sorgfältiger Prüfung und Einzelfallentscheidung angewendet“, versichert sie. Aber sie ergänzt noch einmal, dass die Einflussmöglichkeiten der Banken auf das Verhalten potenzieller Betrugsopfer oft nur eingeschränkt seien. Abschließend möchte sie noch festhalten, „dass die Bank bei der Kontaktaufnahme mit Kunden niemals vertrauliche Informationen wie TANs oder andere Sicherheitsmerkmale abfragt“.