Gender Pay Gap: So viel verdienen Frauen in Österreich weniger
Gleich viel arbeiten, aber weniger Geld: Für Frauen in Österreich ist das die harte Realität. Aber wie groß ist der Unterschied wirklich und was könnten die Gründe dafür sein?
Frauen verdienen in Österreich weiterhin deutlich weniger als Männer. Bezieht man sich auf die Zahlen im Zeitraum von 2014 bis 2024, wird trotzdem deutlich, dass der Lohnunterschied gesunken ist, nämlich von 22,2 Prozent auf 17,6 Prozent. Stellt man allerdings einen Vergleich innerhalb der EU an, ist Österreich trotzdem das Land mit dem dritthöchsten Gender Pay Gap. Nur Tschechien mit 18,5 Prozent und Estland mit 18,8 Prozent hatte eine höhere Lohndifferenz. Laut Statistik Austria betrug der Unterschied im EU-Schnitt, also der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten von Frauen und Männern 2024, etwa 11,1 Prozent.
Erwerbstätigkeit und Teilzeitbeschäftigung bei Frauen sind gestiegen.
„Im Jahr 2024 verdienten Frauen in Österreich brutto pro Stunde um 17,6 % weniger als Männer. Trotz des Rückgangs in den vergangenen Jahren hat Österreich im EU-Vergleich den dritthöchsten Gender Pay Gap“, fasst Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria zusammen. Gestiegen ist hingegen die Erwerbsbeteiligung von Frauen in den vergangenen zehn Jahren. Ihre Erwerbstätigenquote stieg von 66,9 Prozent im Jahr 2014 auf 70,7 Prozent im Jahr 2024. Auch die Teilzeitquote erhöhte sich im selben Zeitraum um 4,2 Prozent, nämlich auf 51,1 Prozent.
Das sind Gründe für die Lohndifferenz
Die hohe Lohndifferenz kann in Österreich laut Analysen von Statistik Austria zu rund einem Drittel durch strukturelle Unterschiede erklärt werden. Frauen arbeiten zum Beispiel öfter in schlechter bezahlten Branchen und Berufen oder sind einfach kürzer im Unternehmen beschäftigt als Männer. Auch die Unterschiede der Arbeitszeit wurden berücksichtigt. „Teilzeit wird im Schnitt pro Stunde geringer entlohnt, was Frauen stärker betrifft als Männer. Ginge es dagegen rein nach der formalen Ausbildung, dann müssten Frauen im Durchschnitt bereits mehr verdienen als Männer“, heißt es in der Aussendung von Statistik Austria.
Teilzeitbeschäftigung nimmt ab
Während jahrelang ein Aufwärtstrend bei Teilzeit zu erkennen war, ging die Zahl der Beschäftigten bei den Frauen im vergangenen Jahr leicht zurück. Im 3. Quartal 2025 arbeiteten etwa 49,1 Prozent der Frauen in Teilzeit, das ist ein Rückgang von 1,7 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahresquartal. Diese Entwicklung ist unter anderem auf den Beschäftigungsrückgang im Handel zurückzuführen, der traditionell eine hohe Teilzeitquote hat. Bei den Männern ist die Teilzeitquote (14,0 Prozent) dagegen auch im 3. Quartal 2025 leicht gestiegen (+0,6 Prozentpunkte).
Teilzeitarbeit: Das sind die Gründe der Österreicher
Auch bei den Gründen für Teilzeitbeschäftigung zeigen sich große Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Mit 40,1 Prozent waren Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene für Frauen der wichtigste Grund (bei Männer 7,2 Prozent). In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen nannten sogar 71,9 Prozent der Frauen (11,1 Prozent der Männer) Betreuungspflichten als Hauptgrund. Bei den Männern standen im Gegensatz dazu kein Wunsch nach Vollzeittätigkeit mit 26,5 Prozent (Frauen 24,6 Prozent ), schulische oder berufliche Aus- oder Fortbildung mit 23,9 Prozent (Frauen 8,8 Prozent ) sowie sonstige Gründe mit 25,8 Prozent (Frauen 13,1 Prozent ) im Vordergrund.
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Armut in Österreich: Diese Frauen sind besonders gefährdet
Auch auf die Pensionen haben diese Unterschiede am Arbeitsmarkt Auswirkungen. So lag die Alterspension von Frauen im Jahr 2024 um 40,3 Prozent unter der der Männer. Dementsprechend sind auch Frauen in Pension, aber auch Alleinerziehende, stärker armutsgefährdet. Denn in Summe führen die Unterschiede im Erwerbsleben und die niedrigeren Erwerbseinkommen von Frauen zu einer geschlechtsspezifischen Pensionslücke in Höhe von 40,3 Prozent. Mit etwa 32 Prozent waren alleinlebende Pensionistinnen auch stärker armutsgefährdet als alleinlebende Pensionisten mit 16 Prozent. Personen in Ein-Eltern-Haushalten – das sind fast ausschließlich Frauen mit Kindern – haben mit 36 Prozent das höchste Armutsrisiko aller Haushaltstypen.