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Foto in Beitrag von 5min.at zeigt Verteidigungsministerin Klaudia Tanner am Rednerpult.
Zum einjährigen Jubiläum der "neuen" Bundesregierung stand uns Verteidigungsministerin Klaudia Tanner Rede und Antwort.

Ministerin Tanner zur Wehrdienst-Reform: „Nur wer regelmäßig übt…“

Ein Jahr alt ist die Regierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS mit 3. März 2026. Ein Jahr, das einen finanziellen Tribut auch vom Verteidigungsministerium gefordert hat. Dessen Ministerin Klaudia Tanner haben wir zum Interview gebeten.

von Phillip Plattner Phillip Plattner Online-Redakteur Kärnten Steiermark
2 Minuten Lesezeit(251 Wörter)

Das vergangene Jahr war für Verteidigungsministerin Klaudia Tanner nicht das erste im Amt, hatte sie doch die Periode davor ebenfalls schon als Ministerin im Verteidigungsressort „gedient“. Dennoch waren die vergangenen rund 365 Tage im Bereich des Bundesheers wohl so spannend, wie schon lange nicht mehr. Die Sparmaßnahmen haben freilich auch vor dem Verteidigungsministerium Halt gemacht, zudem steht eine Reform des Wehrdienstes bevor. Diese sei notwendig, meint sie im Interview mit 5 Minuten, denn: „Nur wer regelmäßig übt, wird im Bedarfsfall einsatzbereit sein.“

Bist du mit der Regierung nach einem Jahr zufrieden?

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Wehrdienstreform: So könnte sie aussehen

Mehrere Modelle wurden dafür von der Wehrdienstkommission ausgearbeitet, eines davon wird es wohl werden. Und eines sei verraten: Alle drei Modelle beinhalten eine Verlängerung des Wehrdienstes. Jene Variante, die empfohlen wird, sieht einen acht Monate dauernden Grundwehrdienst vor, anschließend müsste noch ein insgesamt 60 Tage verpflichtender Milizeinsatz stattfinden. Aktuell müssen Männer hierzulande sechs Monate lang zum Bundesheer bzw. neun Monate zum Zivildienst. Alles zur möglichen Wehrdienstreform könnt ihr auch hier nachlesen: Frauen zur Stellung, Wehrdienst länger: Was sich beim Bundesheer ändern soll.

Bild auf 5min.at zeigt Klaudia Tanner.
©Verteidigungsministerium/ Pusch
Klaudia Tanner lässt im Interview mit 5 Minuten das Jahr Revue passieren.

Klaudia Tanner: Zunahme der Konflikte „besorgniserregend“

Als positiv erachtet Tanner im Interview mit 5 Minuten auch die Beschaffung der neuen Leonardo Jets und das große Vertrauen, das die Menschen ins Bundesheer und seine Leistungen haben würden. „Besorgniserregend“ sei für sie, dass Konflikte zugenommen und sich die globale Lage „nicht verbessert“ habe. Das gesamte Interview mit Verteidigungsministerin Tanner findet ihr im Folgenden.

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner im 5 Minuten-Interview

Ein Jahr Regierungsverantwortung ist um. Ganz ad hoc: Was ist Ihnen von den ersten 365 Tagen besonders positiv, was besonders negativ in Erinnerung geblieben?

Positiv ist, dass wir weitere wichtige Beschaffungen in die Wege leiten konnten, wie etwa die neuen Leonardo Jets. Ebenso positiv ist das große Vertrauen, das die Menschen ins Bundesheer und seine Leistungen haben. Das freut mich persönlich, denn es ist gerechtfertigt. Negativ ist, dass die globale Lage sich nicht verbessert hat, die Konflikte haben zugenommen. Das ist besorgniserregend, denn es ist der Frieden, den wir alle anstreben.

Wie kann man das Jahr aus Ihrer Sicht zusammenfassen? Was haben Sie in diesem Jahr als Ministerin in Ihrem Resort erreicht?

Wir haben weitere wichtige Beschaffungen in die Wege geleitet, wie etwa den Ankauf der Leonardo-Jets. Andere Beschaffungen, wie etwa die neuen Pandur-Panzer oder die sanierten Ulan-Panzer werden bereits an die Truppe ausgeliefert. Wir arbeiten konsequent den Aufbauplan für das Bundesheer ab, damit wir wieder voll verteidigungsfähig werden.

Gibt es etwas, wo Sie sagen „Das hätte ich besser/anders machen können“? Falls ja, was war das und was nehmen Sie sich dadurch auch für die folgenden drei Jahre mit?

Es gibt immer Kleinigkeiten, mit denen man nicht zufrieden ist. Das bespricht man und versucht es zu verbessern. So, wie das in jedem Unternehmen auch ist.

Was steht im kommenden Jahr an? Welche Ziele haben Sie im zweiten Regierungsjahr und generell in den kommenden Regierungsjahren?

Ich will und werde die „Mission vorwärts“ fortsetzen. Das Bundesheer wurde 30 Jahre lang kaputt gespart, damit ist seit einigen Jahren Schluss. Sicherheit gibt’s nicht geschenkt. Wer Freiheit, Demokratie und Neutralität schützen will, der muss investieren und die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Genau das tun wir jetzt und auch in den nächsten Jahren.

Männer sollen künftig ja länger zum Bundesheer müssen, den Frauenanteil möchte man erhöhen, gleichzeitig schließt man eine Wehrpflicht für Frauen aus. Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach notwendig, um den Frauenanteil zu erhöhen und ist eine wie auch immer geartete Wehrpflicht für Frauen Thema koalitionsintern?

Die Reform des Wehr- und Zivildienstes ist eine Notwendigkeit, deshalb brauchen wir die Rückkehr der verpflichtenden Milizübungen. Nur wer regelmäßig übt, wird im Bedarfsfall einsatzbereit sein. Aktuell verhandeln wir koalitionsintern über diese Reform. Für die Anpassung des Zivildienstes braucht es allerdings eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Mir liegt viel daran, eine breite Mehrheit zustande zu bringen, es geht hier um Sicherheit und Schutz unseres Landes.

Was halten Sie von einer Wehrpflicht für Frauen?

In meiner Amtszeit haben wir den freiwilligen Grundwehrdienst für Frauen eingeführt. Der erfreut sich großer Beliebtheit, immer mehr Frauen wollen ihn absolvieren. Eine generelle Wehrpflicht für Frauen ist aktuell kein Thema. Das wird auch so bleiben, solange wir nicht in allen anderen Bereichen die völlige Gleichstellung von Frauen erreicht haben.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 03.03.2026 um 18:07 Uhr aktualisiert
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