Gefahr: Tropische Fische erobern die nördliche Adria in Kroatien
Die Adria wird zum Schauplatz eines Rätsels: Es siedeln sich immer mehr tropische Fischarten in der Kvarner-Bucht an. Jetzt neu entdeckt: Der Doktorfisch.
Die Adria ist im Wandel. Wo früher vertraute heimische Arten die Netze füllten, tauchen immer häufiger Gäste auf, die man sonst nur aus fernen tropischen Gewässern kennt. Was für Taucher nach Urlaub aussieht, stellt die Wissenschaft vor große Rätsel. Besonders die nördliche Adria ist Schauplatz einer ungewöhnlichen Entwicklung. Wie der kroatische Rundfunk HRT berichtet, beheimatet die Adria mittlerweile rund 450 Fischarten. Doch durch den steigenden Schiffsverkehr und die Klimaerwärmung verändert sich das Ökosystem. Laut Marcelo Kovačić vom Naturhistorischen Museum Rijeka sind es vor allem nicht-heimische Arten, die Wissenschaftler derzeit in Alarmbereitschaft versetzen.
Rätsel um den Doktorfisch vor Kostrena
Besonderes Augenmerk liegt auf dem Auftauchen des Doktorfisches. Dass diese tropische Art ausgerechnet in der kühlen Kvarner-Bucht gesichtet wurde, überrascht die Experten. Gegenüber dem HRT erklärte Kovačić, dass ein Fund aus dem Jahr 2025 darauf hindeutet, dass diese Art möglicherweise sogar in der nördlichen Adria überwintert hat. Das sei ein höchst ungewöhnliches Phänomen. Besonders rätselhaft: Die Funde konzentrieren sich auf ein kleines Gebiet vor der Küste von Kostrena. Da eine weite Wanderung eines einzelnen Exemplars aus dem Atlantik unwahrscheinlich ist, rätseln Forscher über den Ursprung. Die Theorien reichen von der Freilassung aus Aquarien bis hin zum Transport in Ballastwasser-Tanks von Schiffen. Jedoch ist letzteres eher unwahrscheinlich. Der Fisch ist gefährlich: Er hat eine scharfe Kante am Schwanzstiel, mit der er sich verteidigt und empfindliche Verletzungen zufügen kann.
Was ist der Doktorfisch?
- Der Name leitet sich von den messerscharfen Hornklingen („Skalpellen“) an der Schwanzwurzel ab. Deshalb werden sie auch Chirurgenfische oder Seebader genannt.
- Beheimatet in tropischen und subtropischen Meeren (Pazifik, Indischer Ozean, Atlantik), vorzugsweise in Korallenriffen und Lagunen.
- Zur Verteidigung besitzen sie scharfe Dornfortsätze, die bei Gefahr wie ein Skalpell aufgestellt werden. Verletzungen können beim Menschen schmerzhafte Schwellungen verursachen.
- Die meisten Arten sind spezialisierte Algenfresser. Einige wenige Arten ernähren sich von Plankton oder Detritus.
- Viele Arten verändern im Laufe ihres Lebens ihre Farbe. Der bekannte Blaue Doktorfisch ist als Jungtier beispielsweise leuchtend gelb.
Quelle: Fischlexikon
Blaukrabbe verschlechtert ÖKO-System
Während der Doktorfisch noch sporadisch auftritt, hat sich eine andere Art bereits zu einer Bedrohung entwickelt: die Blaukrabbe. Wie Marin Kirinčič vom Naturhistorischen Museum Rijeka warnt, ist diese Krabbe ein „Großfresser“ ohne natürliche Feinde und mit enormem Fortpflanzungspotenzial. Vor allem an der Neretva-Mündung und um Pula verursacht sie bereits Schäden. Doch was der Krabbe zum Verhängnis wird: Sie ist eine Delikatesse.