Österreicher bringen tausende Tonnen Pfand nicht zurück
Das Pfandsystem ist mittlerweile mehr als ein Jahr alt. Im ersten Jahr wurden über 40 Tonnen Aludosen und Plastikflaschen in Umlauf gebracht, aber nur rund 27 Tonnen wieder zurückgebracht. Mehr dazu hier bei uns.
Das erste Jahr mit neuem Pfandsystem für Plastikflaschen und Aluminiumdosen hat im Jahr 2025 eine Rücklaufquote von 81,5 Prozent gebracht, wie die Entscheidungsträger und Verantwortlichen erklärten. Damit hätte man das Ziel von 80 Prozent im ersten Jahr auch übertroffen, 2027 plant man mit 90 Prozent. Eine Anfrage des FPÖ-Nationalratsabgeordneten Thomas Spalt zeigt nun, wie viele Flaschen und Dosen im Vorjahr tatsächlich auch wieder zurück gekommen sind. So wurden laut zuständigem Minister Norbert Totschnig knapp 28.000 Tonnen an Kunststoffgebinde und rund 12.700 Tonnen an Metallgebinde verkauft. Gleichzeitig wurden im Vorjahr 18,6 Tonnen Kunststoff- und 8,2 Tonnen Metallgebinde wieder zurückgenommen. Insgesamt also ein „Minus“ von fast 14 Tonnen.
| Plastikflaschen in Tonnen | Aludosen in Tonnen | |
| Inverkehrsetzung | 27.984,94 | 12.713,49 |
| Rücknahme | 18.602,80 | 8.225,85 |
| Unterschied | 9.382,14 | 4.487,64 |
Deshalb ist die Pfand-Rückgabequote so niedrig
Die effektive Rücklaufquote im Jahr 2025 alleine hat bei Plastikflaschen damit nach kurzer 5 Minuten-Berechnung also knapp 66,5 Prozent, bei Aludosen rund 64,7 Prozent betragen. Die deutliche Diskrepanz in den Zahlen erklärt Totschnig folgendermaßen: „Bei der Berechnung der Sammelquote ist im Einführungsjahr die Verweildauer zu berücksichtigen. Zwischen Erstinverkehrsetzung (Zeitpunkt, zu dem Pfandgebinde vom Abfüller erstmals in Umlauf gebracht werden – zum Beispiel in ein Zentrallager oder an einen Großhändler) und Rückgabe vergehen im Durchschnitt 51 Tage.“ Heißt also konkret: Man müsste sich auch die fast zwei Monate danach noch anschauen, um eine konkrete Rücklaufquote zu haben, in diesen 51 Tagen wären aber freilich auch wieder Flaschen und Dosen des neuen Jahres mit dabei. Daher musste die Rücklaufquote für das erste Jahr berechnet werden.
Gibst du die Pfandflaschen und -dosen immer zurück?
Minister sieht Erfolg beim Littering
Beim „Littering“ (Anmerkung: achtloses Wegwerfen) hat man jedenfalls einen realen Erfolg zu verzeichnen, wie eine Studie im August des Vorjahres gezeigt hat. In den Erhebungen zeigt sich, dass bereits in der Übergangsfrist des Vorjahres, wo auch noch Restflaschen ohne Pfandlogo verkauft werden konnten, bepfandete Flaschen und Dosen im Vergleich zu solchen ohne Logo „kaum achtlos in der Natur oder im öffentlichen Raum landen“. Und, so Umweltminister Totschnig weiter: „Auch bei kommunalen Reinigungsaktionen wird von einem sichtbaren Rückgang der gelitterten Einweggetränkeverpackungen berichtet. Durch die Einführung des Einwegpfandsysstems wird somit ein sichtbarer Beitrag für eine saubere Umwelt geleistet.“
Nur geringe Anzahl an Pfandbeschwerden beim Ministerium
Auf die Frage hin, wie viele Beschwerden es im Zusammenhang mit dem Pfandsystem im Vorjahr gegeben hätte, erklärt Totschnig, dass das neue System funktionieren und von den Konsumenten „gut angenommen“ würde, was auch eine Umfrage bereits zeigte. Mehr dazu hier: Pfand-Bilanz: Was die Österreicher vom neuen System halten. Dementsprechend hätte es beim Ministerium auch nur eine „sehr geringe Anzahl an Anfragen bzw. Beschwerden“ gegeben. An der Zahl waren es 87, wobei man hier nicht zwischen Einweg- oder Mehrwegpfand unterschieden hat. Die meisten Beschwerden (58) wurden unter „Sonstige“ gelistet, dahinter folgen Annahmeverweigerung (19), defekte Automaten (vier) und gleichauf mit je drei Beschwerden Probleme bei der Bon-Auszahlung und Probleme bei der manuellen Rücknahme.
Geteilte Meinungen zu neuem Pfandsystem
Die Reaktionen aus der Bevölkerung sind, wie man anhand unserer Straßeninterviews gesehen hat, allerdings durchaus gespalten. Für manche hat sich durch die Einführung nichts geändert, viele würden das neue System auch gut finden, andere kritisieren, dass sie sich dazu gezwungen fühlen, die Flaschen und Dosen wieder zurückzubringen. „Es nervt“, meint etwa eine Frau. Alles dazu auch hier: Einwegpfand: „Bei mir hat sich überhaupt nichts geändert“. So mancher kauft Getränke im Pfandgebinde überhaupt nicht mehr hierzulande und weicht lieber zum „Nachbarn“ aus. Mehr dazu hier: Einwegpfand in Österreich: „Kaufe jetzt meine Getränke in Italien„.