6 Jahre lang werden Netto-Gehälter „gekürzt“: Hunderttausende betroffen
Die Regierung hat kürzlich die Eckpunkte des Doppelbudgets 2027/28 vorgestellt - darunter eine Angleichung der Arbeitslosenversicherungs-Beiträge über sechs Jahre lang gestaffelt. Wir wollten genau wissen, was das bedeutet.
2,95 Prozent ihrer Bruttobezüge zahlen derzeit all jene Menschen in Österreich in die Arbeitslosenversicherung ein, die mehr als 2.630 Euro brutto im Monat verdienen. Darunter werden die Beiträge gestaffelt. Personen hierzulande, die weniger als ebenjene 2.630 Euro brutto verdienen, müssen dementsprechend auch geringere Beiträge in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. Für Gehälter bis inklusive 2.225 Euro sind überhaupt keine Beiträge fällig. Das soll sich in den kommenden Jahren aber ändern.
So ist die Zahlung zur Arbeitslosenversicherung gestaffelt:
- 0 Prozent: bis 2.225 Euro brutto
- 1 Prozent: 2.225,01 bis 2.472 Euro brutto
- 2 Prozent: 2.472,01 bis 2.630 Euro brutto
- 2,95 Prozent: 2.630,01 bis 6.930 Euro brutto
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Staat erwartet sich Mehreinnahmen von über 500 Millionen Euro pro Jahr
Nach und nach sollen die Werte, die aktuell noch unterhalb der 2,95 Prozent-Marke liegen, angepasst und erhöht werden, bis schließlich alle gleichauf sind und jeder gleich viel (zumindest prozentual) einzahlt. Wie das Sozialministerium gegenüber 5 Minuten nun erläutert, wird der gestaffelte Beitragssatz „schrittweise über sechs Jahre hinweg abgeschafft“. Und: „Im Endausbau, bei völligem Wegfall der Staffelung sind Mehreinnahmen von über 500 Millionen Euro jährlich zu erwarten.“ Heißt: Über sechs Jahre hinweg bekommen Betroffene entweder Schritt für Schritt weniger Netto vom Brutto oder zumindest „weniger“ von einer etwaigen Netto-Lohnerhöhung im Vergleich zur heutigen Auszahlungshöhe. In jedem Fall wird das selbe Brutto-Gehalt dann Jahr für Jahr weniger Netto „wert“ sein. Die Maßnahme wird wohl ab 2027 starten, genauere Details werden aktuell noch verhandelt.
Tabelle zeigt, was Ende der Staffelung im Endausbau bedeutet
Bernhard Angeler, der das online-Tool rechner.at betreibt, hat 5 Minuten auch einige Werte zukommen lassen, was das Ende der Staffelung bedeuten würde. Im Vergleich zu heute werden viele Brutto-Gehälter teils hunderte Euro im Jahr weniger an Netto „ausspucken“. In der folgenden Tabelle findet ihr einige Werte aufgelistet. Die Tabelle behandelt den Endausbau der Regelung und startet erst bei 1.500 Euro, weil unter dieser Grenze die Negativsteuer greift. Diese dämpft die Anhebung der Arbeitslosenversicherungs-Beiträge. „Das wirkt sich gerade bei den sehr niedrigen monatlichen Bruttoeinkommen durchaus aus. Bei zum Beispiel 500 Euro brutto wäre die Veränderung der Sozialversicherungs-Beiträge eigentlich 248 Euro im Jahr, durch die niedrigere Lohnsteuer aber ’nur‘ mehr 112 Euro“, weiß man auch im Ministerium.
| Brutto | Netto 2026 | Netto NEU | Netto-Minus monatlich |
| 1.500 Euro | 1.269 Euro | 1.225 Euro | 44 Euro |
| 1.600 Euro | 1.352 Euro | 1.307 Euro | 46 Euro |
| 1.700 Euro | 1.420 Euro | 1.380 Euro | 40 Euro |
| 1.800 Euro | 1.488 Euro | 1.445 Euro | 42 Euro |
| 1.900 Euro | 1.556 Euro | 1.511 Euro | 45 Euro |
| 2.000 Euro | 1.623 Euro | 1.576 Euro | 47 Euro |
| 2.100 Euro | 1.691 Euro | 1.641 Euro | 50 Euro |
| 2.180 Euro | 1.745 Euro | 1.694 Euro | 51 Euro |
| 2.200 Euro | 1.757 Euro | 1.707 Euro | 50 Euro |
| 2.300 Euro | 1.800 Euro | 1.769 Euro | 31 Euro |
| 2.400 Euro | 1.859 Euro | 1.826 Euro | 33 Euro |
| 2.500 Euro | 1.900 Euro | 1.883 Euro | 17 Euro |
| 2.600 Euro | 1.957 Euro | 1.940 Euro | 17 Euro |
Über eine Millionen Menschen von Maßnahme im Endausbau betroffen
Sieht man sich nun an, wie viele Menschen von dieser Maßnahme schließlich im Endausbau am Ende der sechs Jahre betroffen sein werden bzw. aktuell würden, zeigen sich unterschiedliche Zahlen. Beim Sozialministerium spricht man von 1,1 Millionen unselbstständig Beschäftigten (davon rund 80.000 Lehrlinge) in einem „Normalmonat“, wobei knapp 800.000 Personen aktuell keine Dienstnehmerbeiträge entrichten müssen – immerhin knapp ein Fünftel aller unselbstständig beschäftigten Menschen in Österreich. Zahlen der Statistik Austria aus dem Jahr 2024, die diese 5 Minuten auf Nachfrage zukommen lassen hat, waren es alleine im Jahr 2024 etwas mehr als 1,1 Millionen Menschen, die keine Beiträge gezahlt haben. Weitere rund 300.000 haben entweder einen oder zwei Prozent gezahlt. Die genauen Zahlen der Statistik Austria aus der Lohnsteuerstatistik 2024 für Arbeitnehmer findet ihr in der folgenden Tabelle.
| Beitragshöhe | Anzahl Erwerbstätige laut Statistik Austria |
| 0 Prozent | 1.117.265 |
| 1 Prozent | 142.122 |
| 2 Prozent | 163.808 |
| 2,95 Prozent | 3.426.038 |
Frauen deutlich stärker betroffen als Männer
Bei einem sind sie sich dann aber einig: Deutlich stärker betroffen von den angepassten Beitragsprozenten werden Frauen sein. Laut den Daten der Statistik Austria sind fast zwei Drittel der Betroffenen Frauen, etwas mehr als ein Drittel Männer. Demnach sind rund 900.000 jener Personen, die weniger als die vollen 2,95 Prozent in die Arbeitslosenversicherung einzahlen müssen, Frauen. Laut Ministerium würden rund 40 Prozent der arbeitenden Frauen von der Staffelregelung profitieren, bei den Männern sind es etwa 20 Prozent. Diese Zahlen decken sich auch mit jenen der Statistik Austria.
Was das Doppelbudget 2027/28 noch so „kann“
Das neue Doppelbudget für die Jahre 2027 und 2028 hat übrigens noch mehr als „nur“ die Angleichung der Arbeitslosenversicherungs-Beiträge zu bieten. So werden auch die Pensionisten zur Kassa gebeten und müssen bei der Sanierung des Staatshaushaltes helfen. Für sie steht in den nächsten beiden Jahren eine etwas geringere Erhöhung am Programm. Was das bedeutet, könnt ihr hier nachlesen: Pensionserhöhung light: Wie viel Österreicher jetzt „verlieren“ könnten. Gleichzeitig soll aber auch investiert werden. 2028 plant man, die Lohnnebenkosten zu senken, bereits mit Dezember 2026 wird etwa der Agrardiesel wieder ausgezahlt. Alles zu den Eckpunkten des neuen Doppelbudgets erfahrt ihr auch hier: Lohnnebenkosten sinken: Regierung beschließt 5-Milliarden-Doppelbudget.